Dienstag, 7. Juni 2016

Utopia Folge 1: Von der Notwendigkeit einer neuen Utopie


Die Menschheit steht am Beginn eines neuen Jahrtausends und noch immer sind die wesentlichen Probleme nicht gelöst. Obwohl ein ungeheurer Raubbau an der Natur betrieben wird, zahllose Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind und die Umweltschäden ins Unermessliche steigen, gelingt es nicht, die Weltbevölkerung mit ausreichend Wasser und Nahrung zu versorgen. Ein Gegensatz, der für uns alle beschämend ist, tut sich auf: Niemals zuvor gab es so viele Reichtümer auf der Welt, und niemals zuvor waren sie so ungleich verteilt. Mehr als eine Milliarde Menschen leben in Armut, jeden Tag sterben Tausende an Unterernährung, während anderswo Menschen unter dem Überfluss an Nahrungs- und Genussmitteln leiden, in dessen Folge Zivilisationskrankheiten entstehen, die wiederum mit großem Aufwand bekämpft werden müssen.      
Auch auf anderen Gebieten sieht sich die Menschheit genötigt, einen Kampf gegen sich selbst zu führen. Die ungleiche Verteilung der Chancen erzeugt Neid und Wut bei den Benachteiligten, es kommt zu Konflikten innerhalb der Gesellschaften, Gewalt und Kriminalität breiten sich aus. Die Ursachen dieser Probleme werden jedoch meist nicht aufgelöst, stattdessen beantwortet man Gewalt mit Gewalt. Ständig sitzen Millionen Menschen hinter Gittern, viele sind von Folter bedroht, einige sogar vom Tod. Ähnliches gilt für die Konflikte zwischen Völkern und Staaten, zwischen ethnischen und religiösen Gruppen. Auch hier sind die Chancen ungleich verteilt, sie erzeugen Spannungen, die sich nicht selten in Aufständen und Kriegen entladen. Als Folge davon befinden sich ständig Millionen Menschen auf der Flucht vor Armut, Hunger und Krieg.
Das ist die Situation Anfang des 21. Jahrhunderts.


 

 Superstaat oder Kalifat?

All das erleben wir 400 Jahre nach dem Beginn der Aufklärung, nach Jahrtausenden des Nachdenkens über Religion, Politik, Wissenschaft und Kunst, nach ungezählten gesellschaftlichen Experimenten in totalitären und demokratischen, in säkularen  und religiösen Staaten. Noch immer ist kein wesentlicher Fortschritt erkennbar. Es gibt zwar Inseln der Sicherheit und des Wohlstands – doch die sind bedroht. In Europa haben derzeit zwei Gruppen starken Zulauf: Rechtsextreme und Islamisten. Vielleicht leben wir bald in einem totalitären Staat. Oder in einem Kalifat. Vielleicht werden Bürgerrechte eingeschränkt. Vielleicht dürfen Frauen nur noch verschleiert auf die Straße gehen. Was heute undenkbar erscheint, kann morgen schon Realität sein. 
Diese Situation lässt nur den Schluss zu, dass die Grundlagen des Menschseins und die Grundprinzipien des Lebens bisher nicht erkannt und verstanden worden sind. Deshalb müssen wir alle Überzeugungen grundsätzlich in Frage stellen, wir müssen die Welt noch einmal neu denken. Davon handelt diese Serie von Essays. In loser Folge sollen an dieser Stelle Ideen ausgebreitet werden, die zu einem neuen Weltbild führen. Ist dieser Ansatz vermessen? Auf jeden Fall. Vielleicht ist er sogar größenwahnsinnig. Doch den Kritikern kann man mit einer einfachen Zahl begegnen: zehn Milliarden. So viele Menschen werden bald auf der Erde leben. Bis dahin müssen zumindest die gröbsten Probleme gelöst sein. Sonst wird dieser Planet zu einem unbewohnbaren Ort werden.

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