Dienstag, 28. Januar 2014

Der Höllenmaschinist - Teil 14 der Fortsetzungsgeschichte

     Was einmal klappt, klappt auch zweimal – glaubte Leroy. Er fuhr weiterhin durch die Viertel der Reichen und sah sich die Häuser sehr genau an, achtete auf jedes Detail. Eines Morgens war bei dem Haus mit der Partyhöhle, so nannte er sein Lieblingsobjekt, das Tor geöffnet. Beinahe hätte er das Grundstück betreten, doch dann entdeckte er einen Sportwagen in der Einfahrt. Ein teures europäisches Modell, es konnte  nur dem Hausherrn gehören.
     Zu gefährlich, entschied Leroy und fuhr weiter.
     Eine Woche später war das Tor wieder geöffnet. Diesmal stand ein Pickup in der Einfahrt, neben dem offenen Garagentor. Wahrscheinlich gehörte der Wagen einem Handwerker, der gerade Material und Werkzeug auslud. Eine ideale Gelegenheit. Leroy fuhr noch ein Stück weiter, parkte sein Auto in einer anderen Straße. Er nahm den Koffer und den Kescher und spazierte gelassen durch das Tor. Den Sportwagen konnte er nirgends entdecken, der Wasserfall beim Schwimmbecken war nicht eingeschaltet. Die Bewohner des Hauses schienen nicht da zu sein, nur auf das Personal musste er achtgeben. Auch hier stand die Terrassentür offen, dahinter befand sich ein riesiges Wohnzimmer. Leroy sah sich die Einrichtung an, schätzte ihren Wert. Designermöbel und Kunstgegenstände, ein Großbildfernseher, eine Stereoanlage, nichts davon konnte er gebrauchen. Die Sachen waren entweder zu groß und zu schwer oder bei Hehlern nahezu unverkäuflich. Vielleicht gab es in anderen Räumen Besseres zu holen. Die Küchen der Reichen waren sehr gut ausgestattet, mit Mikrowellen und Espressomaschinen, wertvollem Besteck und Geschirr. In einem Schaufenster hatte Leroy mal eine Kaffeekanne gesehen, die so viel kostete, wie er in einem ganzen Monat verdiente – eine Kaffeekanne! Er beschloss, die Küche zu suchen.
     Wenn er gewusst hätte, was zur selben Zeit in einem anderen Raum geschah, hätte er vielleicht einen anderen Weg eingeschlagen.   
     „Mona, hast du dir das auch gut überlegt? Wollt ihr die Geräte wirklich abgeben?“
     „Natürlich. Peter hat alles kontrolliert. Wir benutzen sie sowieso nicht.“
     Mai-Li beugte sich über die Kartons. Sie waren bis zum Rand angefüllt mit Technikteilen aller Art, Kabel hingen aus ihnen heraus, Antennen ragten in die Luft. Das Meiste davon konnte sie nicht auf Anhieb seiner Bestimmung zuordnen, obwohl sie einer vietnamesischen Familie entstammte und man von Asiaten allgemein erwartete, dass sie sich mit Technik auskannten. Viele neuwertige Teile befanden sich darunter, einige waren sogar noch original verpackt. Ein Teil sah aus wie ein Radio oder ein Handfunkgerät, ein anderes wie ein Megafon oder ein Verstärker, ein drittes wie eine Karaokemaschine oder ein Mischpult. Nur das Kinderauto mit dem Elektroantrieb erkannte sie einwandfrei, und es hätte sie nicht gewundert, wenn auch das Dreirad und der Schlitten elektrisch angetrieben wären.
     „Meine Güte, besitzen deine Kinder viel Zeug.“
     „Alles von Peter. Wenn es im Büro mal wieder länger dauerte oder er ein Fußballspiel oder einen Auftritt verpasste, gab es ein Geschenk von ihm.“
     Mai-Li zählte rasch die Kartons durch. Es waren acht Stück. „Sind die Kinder damit einverstanden?“
     „Ja, wir haben noch viel mehr davon.“
     „Oh, was ist das denn?“ Einer der Kartons machte sie neugierig, weil ein schwarzer Stofffetzen mit einem weißen Symbol aus ihm heraushing. Sie entfaltete den Fetzen und erkannte einen Totenkopf. „Hattet ihr Termiten im Haus? Wurdet ihr ausgeräuchert?“
     Mona lachte. „Nein, wir hatten Piraten im Haus.“
     „Ach so.“ Mai-Li lachte mit ihrer Freundin. Sie fand Schwerter und Enterhaken aus Plastik, dazu Teile von Kostümen und eine Schatztruhe, die aus echtem Holz bestand.
     „Die Kinder haben ganze Seeschlachten im Pool nachgespielt. Und hinter dem Wasserfall lag ihre geheime Piratenhöhle.“
     „Dafür habt ihr die Grotte also gebaut.“
     „Ja, hauptsächlich für die Kinder.“
     Mai-Li hatte sich inzwischen eine Augenklappe aufgesetzt und einen falschen Schnurrbart angeklebt. „Aber ich möchte wetten, auch Erwachsene können sich dort amüsieren.“ Wieder lachte sie.
     Mona lachte nicht mehr. „Die Zeiten sind vorbei. Komm, lass uns das Zeug endlich wegschaffen.“
     Die beiden Frauen nahmen je einen Karton und trugen ihn durch das Haus. Mona zeigte ihrer Freundin die Abkürzung durch die Garage. Auf der Einfahrt stellten sie die Kartons für einen Augenblick ab, weil Mai-Li die hintere Bordwand des Pickups herunterklappen musste.
     „Gehört der Wagen dir?“, fragte Mona.
     „Nein, der Firma meines Mannes. Der Kofferraum von meinem Jaguar ist zu klein. Und ich muss heute noch zu zwei anderen Spendern fahren.“
     „Der Basar wird sicher ein Erfolg.“
     „Garantiert. Bei den tollen Sachen.“
     Es gelang ihnen, sämtliche Kartons auf der Ladefläche zu verstauen, die großen hoben sie gemeinsam hoch, nur das Elektroauto war zu schwer für die Frauen. Mona erinnerte sich, dass Peter sein Motorrad früher über eine Blechrampe auf den Anhänger gefahren hatte. Sie fand das Blech in der Garage, legte es an die Ladefläche des Pickups und fuhr das Auto aus eigener Kraft hinauf.
     „Bravo!“ Mai-Li klatschte Beifall.
     „Tja, gewusst wie.“ Mona wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Jetzt haben wir uns erstmal eine Pause verdient. Möchtest du eine kalte Limonade?“
     „Ja, gerne.“
     Die beiden Frauen gingen quer über den Rasen und betraten das Haus.
     Unterwegs fragte Mona: „Wofür ist eigentlich der Erlös bestimmt?“
     „Der geht dieses Jahr zu gleichen Teilen an die Aids-Hilfe und eine Klinik, in der krebskranke Kinder behandelt werden.“
     „Freut mich. Das sind gute Einrichtungen… Da vorne ist die Küche.“
     Mona führte ihre Freundin durch die Eingangshalle. Dass noch jemand im Haus war, bemerkte sie nicht. Leroy stand mit angehaltenem Atem hinter der Küchentür und hoffte, dass die Personen, deren Schritte und Stimmen er hörte, die Treppe hochsteigen würden. Sie taten es nicht.
     Mai-Li entdeckte ihn zuerst. Weil Leroy einen Overall trug, hielt sie ihn für einen Hausangestellten. „Hallo. Wir sind gleich wieder weg.“
     Mona erschrak. „Wer sind Sie?“
     Leroy überlegte fieberhaft. Vielleicht konnte er noch seine Legende vom Poolreiniger aufrechterhalten. Doch er hatte bereits mehrere Besteckteile in seinen Koffer gestopft – und in der Hand hielt er eine Pfeffermühle.
     „Ich bin…“ Er wusste nicht, was er sagen sollte.
     „Was wollen Sie hier?“
     Leroy warf die Pfeffermühle weg und zog seine Pistole aus dem Overall.
     Die beiden Frauen schrieen auf.
     „Ruhig! Seid ruhig!“
     Mona verharrte regungslos. Mai-Li zitterte am ganzen Körper, ihr Atem ging schneller.
     Auch Leroy zitterte. Er wusste nicht, was er tun sollte. Obwohl er wochenlang Zeit hatte, war er nicht auf die Idee gekommen, sich einen Plan für den Notfall auszudenken.
     Mai-Li fing an zu hyperventilieren, sie atmete schnell und heftig, hatte aber trotzdem das Gefühl, keine Luft zu bekommen.
     „Geht darüber… Nein, darüber.“ Er fuchtelte mit seiner Waffe herum, zeigte erst in die eine Ecke des Raumes, dann in die andere.
     Weil Mai-Li nicht verstand, was er meinte und den Lauf der Pistole auf sich gerichtet sah, brach sie in ein hysterisches Kreischen aus.
     Leroy brüllte sie an. „Verdammt, halt deine Klappe!“
     Mona versuchte ihre Freundin zu beruhigen. „Keine Angst. Dir wird nichts geschehen. Gleich ist es vorbei.“
     Sie bewirkte jedoch nichts, Mai-Li schrie weiter.
     „Verdammt, sie soll endlich aufhören!“ Leroy legte ihr seine Hand auf den Mund und brachte sie dadurch zum Verstummen. Anschließend blickte er beiden Frauen abwechselnd in die Augen.
     „Ich hole Ihnen Geld“, sagte Mona. „Oben ist viel Geld.“ Sie machte einen Schritt zur Tür.
     Leroy richtete seine Pistole auf sie. „Nein, du bleibst hier.“
     „Ich rufe nicht die Polizei. Ich hole nur das Geld.“
     „Warte!“ Er sah sie an. Vielleicht meinte sie es ernst, vielleicht würde sie tatsächlich nur das Geld holen. Vielleicht würde sie aber auch zum Telefonhörer greifen oder einfach davonlaufen.
     Mai-Li wimmerte. Leroy spürte ihren Speichel an seiner Hand, von oben liefen die Tränen. Sie war kurz davor, durchzudrehen. Er überlegte, wie Juristen das nennen würden, was er gerade tat. Freiheitsberaubung? Räuberische Erpressung? Auf alle Fälle würde es ihn teuer zustehen kommen, wenn sie ihn dabei erwischten.
     „Mai-Li, sei ganz ruhig. Gleich ist es vorbei.” Mona strich ihr über die Schultern.
     Leroy sah ihr zu. Es waren nackte Schultern, über die sie strich, bedeckt nur von den Trägern des Kleides. Mai-Li hatte für diesen Tag ein cremefarbenes Sommerkleid gewählt, dessen Rock aus mehreren breiten Stoffstreifen bestand, die glockenförmig ineinander übergingen, während das Oberteil knapp wie ein Badeanzug geschnitten war. Leroy fragte sich, ob sie darunter einen Büstenhalter trug, und falls ja, ob es sich dabei um einen dieser Push-up-BHs handelte, mit denen ihn seine letzte Freundin genarrt hatte. Er mochte große Brüste, schon seit Kindertagen, aber er mochte es gar nicht, wenn Frauen sich ausstopften oder Dinge vorzeigten, die in Wirklichkeit ganz anders aussahen.
     Er fasste ihr an die Brust. Mai-Li schrie auf. Leroy grinste. Die eine war echt, die andere auch, alles an ihr war echt. Für eine Asiatin besaß sie erstaunliche Kurven, beinahe Idealmaße.
     „Scheiße, jetzt ist es auch egal. Leg dich hin.“
     Entsetzt riss sie die Augen auf. Wieder wollte sie schreien, doch sie brachte keinen Ton hervor.

Fortsetzung folgt.

Unter diesem Link finden Sie die bisher veröffentlichten Teile.



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Der Höllenmaschinist - Erzählung
2. Auflage

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Donnerstag, 23. Januar 2014

Theaterproben zu "Die Auswerterin oder: Das Ende von Auschwitz"

Die Proben zu einem Theaterstück müssen nicht immer auf einer Bühne stattfinden. Manchmal ist die Natur die beste Bühne - oder eine Stadt, ein Strand, das Meer...


"Wenn Sie so weitermachen, befreien Sie einen Friedhof." Emily Brown (Janine Karthaus), Arthur Harris (Eric Lenke)


 "Sie haben nicht zugehört: Heute Nacht wird niemand getötet." Harris (E. Lenke), Emily (J. Karthaus)


 "Dann sind alle Feinde besiegt, für alle Zeiten. Das ist das Ziel«: Sir Arthur Harris (Eric Lenke)

 
"Sie gehören zu den Beherrschten. Sie haben das zu tun, was ich sage." Harris (E. Lenke), Emily (Carolin Sophie Göbel)


 "Ich teile meine Macht mit Ihnen." Harris (Eric Lenke), Emily (Carolin Sophie Göbel)

  
"Wer Angst hat, dem müssen wir Mut machen." Emily Brown (Janine Karthaus)


Premiere am 28.01.14 im Gallus Theater Frankfurt. Erste Termine:

Dienstag, 28.1.14    20:00 Uhr
Mittwoch, 29.1.14   20:00 Uhr
Donnerstag, 30.1.14  20:00 Uhr

Wer mehr erfahren möchte: Hier einige Kritiken zum Roman von Phantasienreisen, von inkultura-online, von ...Seitenweise..., von Traumfantasiewelten, von Die Rezensentin, von Herzbücher und von klusiliest.


 Elk von Lyck

Die Auswerterin oder: Das Ende von Auschwitz
Zweite Auflage. Mit Quellenverzeichnis.
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Hier ein Artikel aus dem Mannheimer Morgen.

Mittwoch, 22. Januar 2014

Der Höllenmaschinist - Teil 13 der Fortsetzungsgeschichte

     „Du bist besser als ein anderer? Dann will ich dich mal mit einem anderen konfrontieren. Du kennst ihn. Sein Name ist Leroy.“
     Peter verschränkte die Arme vor der Brust. „Oh ja, den kenne ich. Aber nur zu, nur zu. Wir werden ja sehen, wer von uns beiden der bessere ist.“
     „Leroy wurde in derselben Stadt geboren wie du – nur in einem anderen Viertel. Dort gab es keine Paläste, sondern nur billige Holzhäuser, die alle gleich aussahen. Sie besaßen keine Klimaanlagen und keine europäischen Designermöbel, die Gärten waren ungepflegt, in den Auffahrten standen von Rost zerfressene Autos, ein Schwimmbad besaß auch niemand. Und noch etwas gab es nicht in seinem Viertel: eine gute Schule. Leroy besuchte eine öffentliche Schule, die schlecht ausgestattet war, mit zu wenig Lehrern und veraltetem Lehrmaterial. Und ihm stellte sich noch ein weiteres Problem: Leroy ist ein Schwarzer.“
     „Ah, ich weiß schon, was du sagen willst, Helena. Die Schwarzen werden in unserer Gesellschaft unterdrückt, deshalb musste Leroy ein Krimineller werden. Es war alles nicht seine Schuld.“
     „Nicht so schnell, Peter. Seine Hautfarbe war für Leroy ein doppeltes Problem. Einerseits, weil es tatsächlich Rassismus in eurer Gesellschaft gibt. Bedenke nur, wie lange es gedauert hat, bis der erste schwarze Präsident gewählt wurde. Andererseits war seine Hautfarbe auch deshalb ein Problem, weil sie eine bequeme Ausrede für ihn darstellte. Während seiner Kindheit kannte er keinen schwarzen Mann in seiner Umgebung, der einer geregelten Arbeit nachging, die meisten lebten von staatlicher Fürsorge oder von kriminellen Aktivitäten. Gelegentlich versuchte jemand, aus diesem Kreislauf auszubrechen, er bewarb sich um eine gute Arbeit oder eine Wohnung in einem besseren Viertel, und wenn er sie nicht bekam, sagte er einfach: Es liegt daran, dass ich ein Schwarzer bin. Diese Leute waren rassistisch gegen sich selbst eingestellt. Leroy übernahm diese Denkmuster, in der Schule strengte er sich nicht an, weshalb er sie ohne Abschluss verlassen musste. Ein Ausweg hat sich ihm jedoch geboten: der Sport. Leroy war ein guter Athlet, sein Talent reichte für mehrere Sportarten. Aber er trainierte nicht hart genug. Er war es nicht gewohnt, morgens früh aufzustehen und einem geregelten Tagesablauf zu folgen. Deshalb zerschlugen sich seine Träume von einer Laufbahn als Profisportler.“        
     Peter schlug seine Fäuste gegeneinander. „Na bitte. Also war es doch seine Schuld. Er hat Chancen gehabt, aber er hat sie nicht genutzt.“
     „Das ist richtig. Leroy hatte seine Situation selbst zu verantworten – aber er lebte ja nicht auf einer einsamen Insel. In Afrika gibt es ein Sprichwort: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. In seinem Fall hat das Dorf versagt.“
     „Schau mich nicht so an, Helena. Ich kann mich nicht um alles kümmern. Er war nicht Teil meines Dorfes.“
     „Doch, gewissermaßen gehörtet ihr beide zum selben Dorf. Auf welche Weise genau, wirst du gleich sehen.“
     Leroy hatte zwar einen Arbeitsplatz gefunden, doch der entsprach nicht seinen Erwartungen. Er arbeitete bei einem Schnellrestaurant, zehn Stunden am Tag, und erhielt dafür den Mindestlohn, sechs Dollar fünfundfünfzig pro Stunde. Seine Aufgabe bestand darin, Hamburger zuzubereiten – weiter nichts. Während seiner Schicht kam er kaum aus der Küche heraus, immerzu musste er die gleichen Handgriffe wiederholen: Brötchenhälften auseinanderklappen und warm machen, Frikadellen grillen, Senf, Ketchup, Zwiebeln und Gurkenscheiben auf die untere Brötchenhälfte geben, die Frikadelle drauflegen, das Ganze mit der oberen Brötchenhälfte abschließen und in Papier einwickeln. An guten Tagen schaffte er sechshundert Stück. Die einzige Herausforderung bestand darin, einen doppelten oder dreifachen Hamburger zuzubereiten und eine Scheibe Käse oder Speck zwischen die Frikadellen zu legen, auf besonderen Wunsch gab er Röstzwiebeln oder Chilisoße dazu. So verbrachte er seine Tage.
     Sein Chef hatte ihn anfangs auch im Verkaufsbereich eingesetzt, doch es stellte sich bald heraus, dass er dafür nicht geeignet war. Leroy konnte nicht mit Menschen umgehen. Entweder wirkte er unfreundlich und mürrisch, oder er verwickelte Kunden – vor allem weibliche – in Privatgespräche, was am Schalter eines Systembetriebes nicht gerne gesehen wird. Also verbannte ihn sein Chef in die Küche – genau so empfand er es, als eine Verbannung an einen schrecklichen Ort, an dem sich allenfalls verurteilte Straftäter aufhalten sollten.
     Nur sehr mühsam kam er morgens aus dem Bett heraus, und es kostete ihn große Überwindung, zu seinem Arbeitsplatz zu fahren. Manchmal machte er dabei Umwege, durchquerte die Stadtteile, in denen die Reichen lebten. Er sah ihre riesigen Häuser, die gepflegten Gärten, die Schwimmbäder und Garagen. Leroy wuss-te, dass er sich niemals ein solches Anwesen würde leisten können, nicht mit einem Stundenlohn von sechs Dollar fünfundfünfzig. Dafür brauchte es schon mehr, sehr viel mehr.
     Eines Tages kam er an einem Grundstück vorbei, das von einer besonders hohen Mauer umgeben war. Die Mauer schien kein Ende zu nehmen, wurde nur von einem Tor unterbrochen, das aus zwei stählernen Flügeln bestand, Kameras spähten links und rechts auf die Einfahrt herab. Was sich dahinter verbarg, ließ sich nur erahnen; allein die Umrisse eines Daches traten schemenhaft hinter Bäumen hervor. Leroys Neugierde war geweckt.
     Für den folgenden Tag dachte er sich einen Trick aus. Er belud den Dachgepäckträger seines Autos mit ein paar Kartons, in die er irgendwelchen Müll stopfte. Genau vor dem Haus mit der hohen Mauer hielt er an und kletterte auf das Autodach, scheinbar, um die Ladung zu kontrollieren und festzuzurren. Insgeheim spionierte er jedoch das Anwesen aus, drei-, viermal blickte er unauffällig zur Seite. Er sah einen kurz geschnittenen Rasen, Ziersträucher und Blumenbeete, dahinter erhob sich eine Villa, zwei Stockwerke, verglaste Eingangsfront. Alles wirkte sauber und gepflegt, nur der Steinhaufen neben der Terrasse störte ein wenig. Leroy schob seine Sonnenbrille hoch, sah genauer hin. Die Steine gehörten zum Schwimmbad, wurde ihm klar, sie bildeten einen künstlichen Hügel, von oben lief Wasser herab, und hinter dem Wasserfall öffnete sich der Eingang zu einer Höhle. Leroy erstarrte für einen Augenblick. Was für ein Luxus, was für ein Leben. Von so etwas hatte er immer geträumt, eine geheime Partyzone, in die man sich zurückziehen konnte, wo man sich Vergnügungen aller Art hingeben konnte. Wie schön wäre es, wenn ihm das Haus gehören würde, wenn er seine Freunde dorthin einladen könnte… Sechs Dollar fünfundfünfzig.
     Am liebsten hätte er laut geschrieen. Aber das hätte ihn auch nicht weitergebracht. Leroy beschloss, sich seinen Anteil vom Leben zu holen. Wenn es auf die eine Art nicht funktionierte, dann eben auf die andere. Schon einmal hatte er versucht, in ein Haus einzubrechen. Vor drei Monaten war es, Leroy wollte gemeinsam mit einem Freund dessen ehemaligen Chef ausrauben. Sie verhielten sich jedoch ziemlich unprofessionell, kletterten nachts über einen Zaun und scheiterten schon wenige Minuten später, weil sie zwar einen nachgemachten Schlüssel für die Garage besaßen, aber nicht mit dem Bewegungsmelder gerechnet hatten. Die Alarmanlage schlug an, heulte und blinkte, und sie liefen davon, versteckten sich unter einer Brücke, wo sie für den Rest der Nacht zitternd auf dem Boden hockten, weil sie glaubten, die Polizei wäre ihnen auf den Fersen.
     Diesmal wollte er es besser machen. Und er wollte es allein machen, sein Freund hatte sich als Feigling erwiesen, der zudem falsche Informationen lieferte. Leroy stellte selbst Nachforschungen an, er sprach mit Leuten, die schon mal im Gefängnis waren, die sich mit diesen Dingen auskannten. Sie gaben ihm Tipps, wertvolle Tipps, wie er dachte. Nachts kam man in die Häuser der Reichen nicht hinein, sie waren zu gut gesichert, mit Sicherheitstüren und   –fenstern, mit Kameras und Alarmanlagen. Tagsüber waren diese Anlagen jedoch meist abgeschaltet, die Leute verhielten sich sorglos – darin sah er seine Chance. Er entwickelte einen Plan.
     Vom Sperrmüll holte er sich einen Koffer und einen Overall, die beide mit Namen und Symbol eines Unternehmens bedruckt waren, das nicht mehr existierte. In einem großen Supermarkt  kaufte er einen Kescher, der eigentlich für Sportangler gedacht war. Mit dieser Ausrüstung wollte Leroy den Eindruck erwecken, er sei für die Reinigung von Schwimmbecken zuständig. Solche Leute sah man häufig in den Vierteln der Reichen, niemand würde Verdacht schöpfen, wenn er eine Adresse suchen oder sich vielleicht sogar auf dem falschen Grundstück aufhalten würde. Er könnte dann immer noch behaupten, er hätte sich in der Hausnummer geirrt. Der Plan erschien ihm narrensicher. Und für den Fall, dass etwas schiefgehen sollte, besorgte er sich eine Pistole. Noch einmal wollte er nicht vor der Polizei davonlaufen und eine ganze Nacht zitternd in einer dunklen Ecke verbringen.       
      Zunächst machte er weiter wie bisher. Morgens stand er auf, fuhr zu dem Schnellrestaurant und ging seiner Arbeit nach. Allerdings begann er seinen Tag früher als sonst, er zog den Overall an und nahm weite Umwege. Leroy hatte verschiedene Routen ausgearbeitet, an denen Häuser lagen, die einen Besuch lohnten. Der Plan schien aufzugehen. Bei seinem ersten Einbruch raubte er Unterhaltungselektronik im Wert von mehreren Tausend Dollar. Alles lief sehr schnell ab, er parkte seinen Wagen einen Block entfernt, ging zum Zielobjekt, tat so, als würde er den Pool reinigen, betrat das Haus durch eine offene Terrassentür, packte die Geräte in seinen Koffer und verschwand wieder. Unterwegs traf er eine Hausangestellte, wahrscheinlich eine mexikanische Köchin; sie grüßte ihn freundlich, er grüßte ebenso freundlich zurück. Im Auto lachte er über sein Gaunerstück.

Fortsetzung folgt.


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Montag, 20. Januar 2014

Schleswig-Holstein macht Gewinn - Keynes sei dank!


Diese gute Nachricht ist im Medienzirkus beinahe untergegangen: Zum ersten Mal seit über fünfzig Jahren hat Schleswig-Holstein keine neue Schulden gemacht! Zuletzt gelang dieses Kunststück im Jahr 1962. Das Haushaltsjahr 2013 konnte sogar mit einem Gewinn von 115 Millionen Euro abgeschlossen werden. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass man mit dem auskommt, was man hat. In unserer heutigen Zeit der Verschwendungssucht und der Verantwortungslosigkeit jedoch muss man Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) dafür ausdrücklich loben.

Eine gute Gelegenheit, um mal wieder an den Keynesianismus zu erinnern. Dieses von John M. Keynes erdachte Wirtschaftsmodell basiert - stark vereinfacht - auf zwei Überlegungen:

1. Bei schlechter Wirtschaftslage soll der Staat Kredite aufnehmen, um die Wirtschaft anzukurbeln.
2. Bei guter Wirtschaftslage soll der Staat die Kredite zurückzahlen.

Die erste Empfehlung wurde bisher von allen Politikern befolgt, vermutlich sogar mit großer Freude. Man nahm in gewaltigem Umfang Kredite auf und finanzierte damit sinnvolle Projekte (Schulen und Krankenhäuser) ebenso wie schwachsinnige Aktionen (völlig überdimensionierte Konzerthäuser, Bahnhöfe, Flughäfen).
Die zweite Empfehlung hingegen wurde bisher kaum beachtet. Geld zu sparen ist weit weniger amüsant als es auszugeben. Deshalb hatte man selbst in wirtschaftlichen Hochphasen neue Kredite aufgenommen. Am Ende kamen dadurch allein für Deutschland mehr als zwei Billionen Euro Schulden zusammen - eine schwere Bürde für die folgenden Generationen.

Doch jetzt zeichnet sich eine Trendwende ab. Natürlich liegt im hohen Norden noch einiges im Argen. Der Nord-Ostsee-Kanal (siehe Foto) zum Beispiel ist einem miserablen Zustand, seine Sanierung wird noch etliche Jahren dauern. Aber trotzdem: Ein Anfang ist gemacht. Wenn wir es wirklich wollen, können wir unsere Probleme lösen.

Samstag, 18. Januar 2014

Der Höllenmaschinist - Teil 12 der Fortsetzungsgeschichte

     Auf dem Korridor fragte ihn eine mexikanische Kollegin, ob er schon fertig sei. Jack antwortete nicht. Mit dem Lastenfahrstuhl fuhr er ins oberste Stockwerk hoch. Dort suchte er den Aufgang zum Dach. Er stieg eine Metallleiter hoch und fand eine Tür, zu der sein Schlüssel passte. Draußen wehte ein warmer Wind, die Sonne ging unter – die richtige Zeit, um einen kühlen Drink auf der Terrasse zu nehmen. Jack trat an die Dachkante heran. Ein letztes Mal genoss er das Panorama von Las Vegas. Die Neonreklamen der Casinos leuchteten in allen Farben, Wasserfontänen stiegen auf, Luxuslimousinen und Touristenbusse rollten durch die Straßen. Die Stadt lebte, und sie entwickelte sich weiter, überall wurde gebaut, Dutzende Baukräne verteilten sich über die wenigen freien Grundstücke. Jack hatte davon gehört, dass allein drei Hotelkomplexe mit jeweils mehr als tausend Zimmern errichtet werden sollten. Das würde eine Menge Arbeit und Wohlstand bringen, höhere Umsätze in den Geschäften und Restaurants und mehr Steuereinnahmen. Man müsste neue Arbeitskräfte anwerben, neue Straßen und ganze Wohnviertel bauen, als Folge daraus bräuchte die Stadt mehr Energie. Man müsste neue Leitungen zum Hoover-Damm ziehen oder noch besser Solarkaftwerke errichten, Sonne gab es schließlich genug in der Wüste. Auch das wäre eine schöne Aufgabe für ihn gewesen…         
     Jack machte einen Schritt vorwärts. Sein Körper schlug auf dem Parkplatz auf, neben einem Geländewagen aus Korea.
     Peter und Helena schwiegen für einen Augenblick. Sie ließen die letzten Geräusche verklingen, das Rauschen der Luft, das   Zerplatzen eines menschlichen Körpers. Das letzte Bild erinnerte ein wenig an die Fontänen vor den Hotels, Blut spritzte in alle Richtungen davon.
     „Traurige Sache“, sagte Peter schließlich. Er sprach leise. „Dieser Jack war wohl ein anständiger Kerl, ein echter Patriot. Seiner Witwe und seinen Kindern gilt mein Beileid.“ Etwas lauter fügte er hinzu: „Aber davon lasse ich mir keine Gewissensbisse einreden.“
     „Darum geht es nicht“, erwiderte Helena. „Es geht nicht um Gewissensbisse oder Patriotismus. Wir sprachen vorhin über die Bilanzen eurer Bank. Du hattest behauptet, sie seien ausgeglichen, aber das stimmt nicht. Sie sind einseitig belastet, sehr hoch sogar. Sie sind belastet durch Jacks Tod.“
     „Unsinn. Jack hat drei Fehler gemacht: zu hohe Kredite aufgenommen, falschen Zinssatz abgeschlossen, mögliche Arbeitslosigkeit nicht einkalkuliert. Er war selbst schuld.“
     „Jack wurde beeinflusst. Von professionellen Bankberatern, die genau wussten, was sie taten. Nach und nach erweiterten sie seinen Kreditrahmen, für das Haus, für die Autos, für die Kreditkarten. So verlor er allmählich den Überblick.“
     „Helena, der Mann war Ingenieur. Einer wie er darf den Überblick nicht verlieren. Er war ja schließlich kein Idiot.“            
     „Millionen Menschen waren keine Idioten, und trotzdem wurden sie durch die Finanzkrise ins Unglück gestürzt. Nicht nur Menschen, die Kredite von Banken aufnahmen, sondern auch solche, die ihnen Kredit gewährten, also Wertpapiere von ihnen kauften. Viele von ihnen erwiesen sich hinterher als Schrottpapiere, Millionen Menschen auf der ganzen Welt erlitten dadurch Verluste, viele verloren sogar ihre gesamten Ersparnisse. In vielen Ländern mussten die Steuerzahler die Banken mit Milliardensummen unterstützen, Geld, das an anderer Stelle dringender gebraucht wurde. Auch daran hatte deine Bank einen erheblichen Anteil.“
     „Moment. Ich weiß, worauf du hinaus willst. Mein Chef Mr. Henderson und dessen Vertreter Mr. Stearn wurden angeklagt wegen dieser Sache. Ein echter Skandal, solch ehrwürdige Männer vor Gericht zu bringen. Als ob sie Drogenhändler wären oder so was.“
     Peter ging aufgeregt im Kreis umher. „Der Staatsanwalt nannte es Verschwörung, Betrug und Insiderhandel. Und was war das Ergebnis? Die Jury sprach beide in allen Anklagepunkten frei – und damit auch die ganze Bank.“
     „Das ist so nicht korrekt, Peter. Die Jury hat sie freigesprochen aufgrund Mangels an Beweisen. Das heißt nicht, dass sie sich keiner Verfehlung schuldig gemacht hätten, sondern nur, dass man es ihnen nicht nachweisen konnte. Das ist keine besondere Überraschung, wenn man euer System näher betrachtet. In eurer Bank habt ihr die Verantwortung aufgeteilt auf verschiedene Ebenen; konkret auf den Verwaltungsrat, den Vorstand, die Projektleiter, Niederlassungsleiter und Abteilungsleiter. Der Staatsanwalt hätte einer bestimmten Person einen bewussten Gesetzesverstoß oder zumindest Fahrlässigkeit nachweisen müssen, was praktisch unmöglich ist. Dazu kommt noch die personelle Unterbesetzung jener Staatsanwaltschaften, die für Wirtschaftskriminalität zuständig sind. Für euren Fall wurden gerade einmal zwanzig Ermittler abgestellt, und die mussten sich mit einer enorm schwierigen Materie befassen. Sie mussten einen Aktenbestand durcharbeiten, der rund zweihunderttausend Seiten umfasste. Allein in eurer Rechtsabteilung arbeiten mehr als hundert Personen, und in diesem Fall habt ihr zusätzlich noch eine externe Kanzlei beauftragt. Die besten und teuersten Anwälte des Landes haben für euch gearbeitet.“
     „Das ist unser gutes Recht“, erwiderte er kühl.
     „Das ist das Recht, das ihr euch genommen habt. So wie es auch eurem Rechtsverständnis entsprach, Kreditforderungen nicht eins zu eins weiterzuverkaufen. Stattdessen habt ihr sie zu Paketen zusammengeschnürt, gute Kredite zusammen mit faulen Krediten. Diese Pakete habt ihr dann geteilt, mit anderen Teilen zu neuen Paketen zusammengeschnürt und international vermarktet. Am Ende waren die Konstrukte dermaßen verschachtelt, dass niemand sie mehr durchschaute.“
     „Es gab Rating-Agenturen, die unsere Fonds bewerteten.“
     „Diese Agenturen waren von euch abhängig, von euch bekamen sie die größten Aufträge. Entsprechend fielen ihre Bewertungen aus. Damit sind wir auch schon beim nächsten Problem, den wirtschaftlichen und personellen Verflechtungen. In eurem System findet ein ständiger Wechsel statt, Menschen wechseln von den Agenturen zu den Banken, vom Vorstand in den Verwaltungsrat, von der Wirtschaft in die Politik und umgekehrt. Nicht wenige eurer Senatoren und Minister waren früher in der Wirtschaft tätig. Ihr habt sogar ein eigenes Wort dafür geschaffen: das Drehtürprinzip. Entsprechend fällt die Gesetzgebung eures Landes aus, sie ist sehr wirtschaftsfreundlich. Diese Freundlichkeit bezieht sich vor allem auf diejenigen, die in den oberen Etagen der Unternehmen sitzen und selbst bei völligem Versagen mit keinen Konsequenzen zu rechnen haben.“
     „Keine Konsequenzen? Von wegen. Wer die Renditeziele nicht erreicht, wird gefeuert. So wie Mr. Parker, mein alter Chef.“
     „Ja, und er bekam eine Abfindung von drei Millionen Dollar. Eine geradezu unmenschliche Strafe.“
     „Das war in seinem Vertrag so vereinbart. Die übliche Klausel.“
     „Davon können einfache Arbeitnehmer nur träumen. Sie erhalten eine echte Strafe, selbst wenn sie nur einen geringen Schaden verursachen. Erinnerst du dich, Peter, es gab mal eine Sekretärin bei euch, die hatte etwas Büromaterial mitgenommen. Was ist mit ihr geschehen?“
     „Sie wurde entlassen. Aber das kannst du nicht vergleichen, Helena. Man darf nicht stehlen. Ganz egal, ob der Schaden einen Dollar oder eine Million Dollar beträgt.“
     „Ihr habt einen Schaden von Milliarden Dollar angerichtet.“
     „Das ist etwas anderes. Es war die Folge der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Niemand hat es geplant, niemand hat es gewollt.“
     „Manche Leute nannten es Diebstahl – an Steuergeldern und Ersparnissen.“
     „Banken stehlen nicht. Banken machen Geschäfte.“
     Sie sah ihn schweigend an.
     Peter reckte die Arme empor. „Helena, du bist immer so moralisch, so schrecklich moralisch.“
     „Im Gegenteil, ich bin nicht moralisch. Das Universum kennt keine Moral, Gott kennt keine Moral.“
     „Gott kennt keine Moral?“ Er brach in Gelächter aus. „Das ist ja wohl der Witz des Jahrhunderts. Gott ist die Verkörperung der Moral.“
     „Nein, du irrst dich. Gott ist im besten Sinne unmoralisch. Er, sie oder es bewertet deine Handlungen nicht. Für dich gilt nur ein Grundsatz: Was du aussendest, kehrt zu dir zurück. Wenn du dazu beiträgst, dass Millionen Menschen in Armut leben, musst du auch die Konsequenzen daraus tragen. Auf die eine oder andere Weise.“
     „Jetzt hör aber auf. Du  klingst wie eine Kommunistin.“
     „Der Kommunismus ist auf diese Weise entstanden. Wenn sich die Schere zwischen Arm und Reich, Oben und Unten zu weit öffnet, suchen die Menschen nach Alternativen. Das kann der Kommunismus sein – oder religiöser Extremismus.“
     „Deshalb gebe ich anderen Menschen ja auch etwas ab von meinem Besitz. Jedes Jahr spende ich hohe Summen, und ich besuche regelmäßig Wohltätigkeitsbälle.“
     „Wo du ganz nebenbei Politiker und Unternehmer triffst, Kontakte pflegst, Geschäfte abschließt und noch ein bisschen reicher wirst.“  
     „Du übertreibst. So reich bin ich nun auch wieder nicht. Ich habe nicht mal einen Chauffeur, ich fahre immer noch selbst Auto.“
     „Du bist nicht reich? Peter, du hast letztes Jahr einen Bonus von zehn Millionen Dollar bekommen. Zusätzlich zu deinem normalen Gehalt.“
     „Ja, und damit war ich noch relativ bescheiden. Meine Abteilung hat einen Gewinn von zweihundert Millionen Dollar erzielt, als Leiter der Abteilung bekam ich davon fünf Prozent. Das ist wenig! In anderen Branchen, etwa in der Filmindustrie, sind fünfzehn Prozent üblich.“
     „Das ist aber nur die halbe Wahrheit, Peter. Zusammen mit deinem regulären Gehalt und den Aktien und Optionen, die du als versteckte Gehaltserhöhung bekommst, waren es fünfundzwanzig Millionen Dollar. Und du bist nicht einmal der Chef der Bank. Das ist Mr. Henderson. Er hat gute Chancen, am Ende seines Berufslebens Milliardär zu sein. Während Jacks Witwe ihr Lebensende in Armut verbringen wird.“
     Peter machte eine abwehrende Handbewegung. „Das gehört jetzt nicht hierher.“
     „Dann gehört es wahrscheinlich auch nicht hierher, dass ihr diese gewaltigen Summen auch dann erhaltet, wenn ihr Verluste macht und der Steuerzahler dafür einspringen muss. Vor nicht allzu langer Zeit hat eure Bank eine Nothilfe vom Staat in Anspruch genommen, mehr als fünf Milliarden Dollar. Schon im Jahr darauf habt ihr wieder die vollen Gehälter und Bonusse gezahlt.“
     „Ja, und das mit Recht. Wir haben die Nothilfe ja schließlich auch zurückgezahlt. Mit Zinsen! Wir haben gut gearbeitet und gutes Geld dafür bekommen.“
     „Dann lass uns mal ein bisschen rechnen, Peter. Der Mindestlohn in deinem Land beträgt sechs Dollar fünfundfünfzig pro Stunde. Das macht im Jahr rund zwölftausendfünfhundert Dollar. Du verdienst das Zweitausendfache. Ist deine Arbeit wirklich so viel mehr wert, als die Arbeit anderer Menschen?“
     „Natürlich. Denn nur ganz wenige Spezialisten können sie erledigen. Du kannst nicht irgendeinen Tölpel von der Straße nehmen und auf meinen Platz setzen. Dafür muss man sich qualifizieren, man muss sich hocharbeiten. In unserer freien und gerechten Gesellschaft kann das jeder. Jedem Mann und jeder Frau stehen alle Türen offen, jeder hat die gleichen Chancen. Ich habe sie genutzt, die Chancen. Ich kann gut rechnen, gut planen und organisieren. Ich muss mich nicht schämen, weil ich besser bin als ein anderer.“

Fortsetzung folgt.

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Der Höllenmaschinist - Erzählung
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Dienstag, 14. Januar 2014

Der Höllenmaschinist - Teil 11 der Fortsetzungsgeschichte

     Lange Zeit weigerte sich Jack, die Realität anzuerkennen. Als er es endlich tat, war es zu spät – die Zwangsversteigerung drohte. Jack und seine Frau erlebten den nächsten Schock. Der Wert des Hauses, für das sie vor nicht allzu langer Zeit fast eine Million Dollar gezahlt hatten, wurde nur noch auf die Hälfte geschätzt. Für den Immobilienmarkt galt dasselbe wie für den Arbeitsmarkt, zu viel Angebot, zu wenig Nachfrage. Aber die beiden akzeptierten auch diese Nachricht, sie wären bereit gewesen, das Haus für diesen Preis zu verkaufen, wenn sie damit ihre Schulden losgeworden wären. Nur leider fanden sie keinen Käufer. Nicht beim ersten Versteigerungstermin und nicht beim zweiten, ein dritter kam nicht mehr zustande. Experten beurteilten den Verkauf eines solchen Hauses in einer Gegend, wo jeder Dritte seinen Arbeitsplatz verloren hatte, als aussichtslos. Zu viele Häuser standen bereits leer, in einige waren Obdachlose eingezogen, oder man handelte dort mit Drogen, einige Häuser waren mutwillig zerstört worden, andere abgebrannt. Dem gesamten Viertel wurden keine guten Chancen eingeräumt, man rechnete bestenfalls mit der Entstehung eines Ghettos für Arme und Ungebildete. Einige Politiker forderten sogar, ganze Straßenzüge abzureißen, um den Markt zu bereinigen.
     Jack und seine Frau waren damit natürlich nicht einverstanden. Sie sahen sich nicht als arm und ungebildet an, wollten kein Ghetto in ihrer Heimat entstehen lassen – sie wollten kämpfen. Aber schon stellte sich das nächste Problem ein. Sie konnten die Energiekosten für das große Haus nicht mehr aufbringen, denn der Ölpreis stieg immer weiter. Damit war die Sache erledigt. Sie bestellten die Möbelspedition.   
     Immerhin ein kleiner Hoffnungsfunke leuchtete für sie auf. Von einem ehemaligen Nachbarn bekam Jack einen Arbeitsplatz angeboten. Er sollte die Pflege der elektrischen Anlage eines Casinos übernehmen. Dieses lag zwar in Las Vegas, Hunderte Meilen von seiner Heimat entfernt, doch mangels Alternativen sagte er zu.
      Jack lud den letzten Karton in sein Auto, schloss die Kofferraumklappe, küsste seine Frau und fuhr davon.
     In der Wüstenstadt angekommen, musste er seine Ansprüche abermals herunterschrauben. Die einzige Unterkunft, für die sein Geld reichte, war ein Wohnwagen in einer Vorstadt. Außerdem musste er seine Arbeitsplatzbeschreibung wörtlich nehmen. Er sollte die elektrische Anlage des Casinos nicht überwachen, wie er gehofft hatte, sondern putzen! Irgendwie war es zu einem Missverständnis zwischen ihm und seinem ehemaligen Nachbarn gekommen. Vielleicht hatte sich der Mann am Telefon unklar ausgedrückt, vielleicht wollte Jack aber auch etwas anderes verstehen, als gesagt wurde.
     Trotzdem, Jack gab nicht auf. Er fügte sich in sein Schicksal – vorläufig, wie er dachte. Er hoffte darauf, dass dies nur ein weiterer Schritt auf seinem Karriereweg sei, ein Weg, der ihn bald wieder in eine verantwortliche Position bringen würde. Also ging er ins Casino und sah sich sein Aufgabenfeld an. Kronleuchter. Dafür sollte er zuständig sein. Es waren gewaltige Apparate, bei ihrem Anblick verschlug es Jack den Atem. Jeder Leuchter besaß acht Arme, die aber kaum zu erkennen waren, weil von oben, vom Aufhängungspunkt, Ketten mit aufgereihten Kristallen zu den Armen und einem Metallreifen, der sie umgab, herabführten. Sie bildeten die Hauptebene des Leuchters. Darunter befanden sich zwei weitere Ebenen, ebenfalls mit Lichtern, Reifen und Ketten versehen, den Schlusspunkt setzte eine goldene Kugel, die etwa einen Meter über den Köpfen der Besucher schwebte. Jack schätzte, dass rund vierzig Glühbirnen in jedem Leuchter steckten, davon wiederum verteilten sich vierhundert Stück über die drei großen Säle.
     Es wäre eine schöne Aufgabe für Jack gewesen, sich um die Lichttechnik des Hauses zu kümmern. Das Casino besaß ja nicht nur die Kronleuchter, sondern auch eine Fassade aus riesigen Neonelementen, eine Laser-Show im Theatersaal und Tausende normale Lampen, die in den Fluren und Zimmern installiert waren. Doch leider gab es schon jemanden, der darüber die Aufsicht führte, ein junger Ingenieur mit einem Fachabschluss in Energietechnik. Jack stellte sich ihm vor, gleich an seinem ersten Tag. Der junge Kollege war sehr freundlich, hörte sich seine Geschichte an, machte ihm aber keine Hoffungen auf eine Anstellung in seinem Dienstbereich. Er hatte genügend Mitarbeiter, sie waren allesamt jünger als Jack und verfügten über die notwendige fachliche Qualifikation. Dennoch bat Jack darum, seine Bewerbungsunterlagen einreichen zu dürfen. Schon leicht genervt, versprach ihm der junge Ingenieur, sich die Papiere anzusehen.
     Einstweilen machte sich Jack an seine neue Arbeit. Er wurde einem jungen Pakistaner namens Hamid unterstellt. Auch dieser war jünger als er, deutlich jünger sogar, er hätte sein Sohn sein können, und auch Hamid begegnete ihm wie alle Angestellten des Casinos mit großer Freundlichkeit, obwohl es Jack schwer fiel, seinem Englisch zu folgen. Es war von einem starken Dialekt geprägt, klang ein bisschen wie Schottisch und enthielt Lehnwörter, die er nie zuvor gehört hatte. Hamid musste ihm vieles zwei- oder dreimal erklären, nicht, weil Jack es nicht begriff, sondern weil er die Sätze einfach nicht verstand.
     Nachdem die Einweisung endlich abgeschlossen war, tat Jack genau das, was Hamid von ihm verlangte. Er nahm die Staubwedel und Mikrofasertücher entgegen, für die er eine Quittung unterschreiben musste, und benutzte sie in genau der vorgeschriebenen Weise. Der erste Arbeitsschritt bestand im Reinigen der Glühbirnen. Dazu musste er eine Leiter besteigen, durch die Ketten mit den Kristallen hindurchfassen und die Birnen mit einem Mikrofasertuch abreiben. Danach folgte die Außenreinigung, sämtliche Ketten mussten mit einem Staubwedel sanft abgerieben werden, und zwar von oben nach unten, wie ihm Hamid einschärfte, keinesfalls von unten nach oben, weil sonst bereits gereinigte Partien wieder schmutzig werden könnten. Jack bot an, bei der Gelegenheit auch gleich kaputte Glühbirnen auszutauschen, was Hamid jedoch ablehnte. Dafür waren allein die Mitarbeiter des technischen Dienstes zuständig. Reinigungskräfte durften keine Reparaturen ausführen, die Versicherung deckte eventuell entstehende Schäden nicht ab. Jack schluckte seinen Ärger herunter und putzte weiter.
     Nach einer Woche hatte er seinen Vorgesetzten endlich so weit, dass er ihn unbeaufsichtigt arbeiten ließ, doch schon ein paar Tage später stand er wieder hinter ihm. Hamid überbrachte eine schlechte Nachricht: In einer anderen Gruppe, die das angeschlossene Hotel putzte, waren zwei Mitarbeiter erkrankt. Jack sollte hinübergehen und einen der beiden ersetzen. Zunächst weigerte er sich, beharrte darauf, er sei zur Pflege der elektrischen Anlage des Casinos angestellt, wozu im weiteren Sinne auch die Kronleuchter zählten, nicht aber Hotelzimmer. Hamid hörte sich seinen Protest in Ruhe an und erwiderte mit einem freundlichen Lächeln, Jack könne jederzeit nach Hause gehen, wenn ihm etwas nicht passe. Für einen Moment herrschte Schweigen, Jack hörte das Rauschen der Klimaanlage. Dann nickte er wortlos und schluckte seinen Ärger herunter.
     Jack bekam einen Reinigungswagen, mit Eimern, Putzmitteln und Besen, für den er wieder eine Quittung unterschreiben musste, und ließ sich von Hamid ins Nachbargebäude führen. Es wäre nicht nötig gewesen, er kannte das Hotel bereits – allerdings aus einer anderen Perspektive. Bei seinem ersten Besuch war er mit einem verspiegelten Fahrstuhl hochgefahren, jetzt nahm er den Lastenfahrstuhl. Das Hotel besaß knapp tausend Zimmer, verteilt auf drei Flügel und acht Stockwerke. Alle Zimmer waren im selben Stil eingerichtet, modern, komfortabel, aber auch ein wenig lieblos. In den oberen Stockwerken befanden sich die Suiten für die besonderen Gäste. Jede war unter ein eigenes Motto gestellt, es gab eine arabische Suite, die anmutete wie der Palast eines Kalifen, eine indische Suite, ähnlich gestaltet, nur wie der Palast eines Maharadschas, eine türkische, französische, italienische und japanische Suite, die jedoch allesamt eher den Vorstellungen der amerikanischen Dekorateure und Kulissenmaler entsprachen, als den Kulturen der jeweiligen Länder.    
     Sie begannen mit der arabischen Suite. Hamid zeigte Jack, wie man die echtgoldenen Waschbecken auf Hochglanz brachte. Erst zwei Minuten im Uhrzeigersinn putzen, locker aus dem Handgelenk heraus, dann ebenso lange in der Gegenrichtung. Es war wichtig, die Zeiten präzise einzuhalten. Untersuchungen hatten ergeben, dass auf diese Weise – und nur auf diese Weise – ein optimaler Kompromiss aus Hygiene und Abrieb an der Oberfläche erzielt wurde. Hamid beobachtete Jack beim Putzen, maß die Zeit sogar mit einer Stoppuhr. Bei seinem ersten Waschbecken unterschritt er die Vorgabe um mehrere Sekunden, beim zweiten überzog er sie, erst ab dem dritten war Hamid einigermaßen zufrieden. Er ließ Jack allein, versprach aber, später noch einmal wiederzukommen.
     Jack putzte die Badezimmer in der arabischen und in der venezianischen Suite, dann ging er in die britische Suite hinüber. Sie war im Kolonialstil eingerichtet. Der Gast konnte auf Korbmöbeln Platz nehmen, den Tee vom eigenen Butler servieren lassen, der auch die Zeitung brachte, falls gewünscht sogar gebügelt und in Plastikfolie eingeschlagen, und den etwas störrischen Deckenventilator regulierte. Währenddessen rauchte machte man eine feine Zigarre, betrachtete die Karte des britischen Weltreiches oder bildete sich ein, drüben auf der Plantage würden Sklavenarbeiter den Tabak ernten. Das jedenfalls hatte Jack getan, als er vor drei Jahren in genau diesen Räumen wohnte. Er erkannte alles wieder, den Büffelkopf an der Wand, das Tigerfell auf dem Boden, selbst die Marke der Schokoladentafel, die zur Begrüßung des nächsten Gastes auf dem Tisch lag, war dieselbe wie damals. Und im Badezimmer gab es noch immer diese Fläschchen mit Shampoo, die einen goldenen Verschluss besaßen und deren Beschriftung goldfarben glänzte. Damals hatte er zwei davon mitgenommen, obwohl er sonst nie etwas aus Hotels mitnahm, aber diese Fläschchen waren einfach zu schön.
     Noch einmal rief er sich die Geschichte in Erinnerung. Seine Mitarbeiter und er hatten den Auftrag erhalten, einen Plan zur Verbesserung interner Abläufe zu entwickeln. Weil sie sowohl den Zeit- als auch den Kostenrahmen unterschritten, bekamen sie zur Belohnung einen Gehaltsbonus und ein verlängertes Wochenende in Las Vegas spendiert. Damit verbunden war zwar der Besuch eines Seminars am Freitagvormittag, doch das erwies sich als Proforma-Veranstaltung; sie saßen beisammen, tranken etwas  und hörten einem Dozenten zu, der hauptsächlich seine eigenen Bücher verkaufen wollte. Danach genossen sie ihre Freizeit, Jack, der dicke Jimbo, Doris, Bert und Nathan. Sie spielten in den Casinos, sahen sich eine Show an und gingen essen, sie redeten und lachten miteinander, erst am nächsten Morgen kamen sie ins Bett.
     Es war eine herrliche Zeit damals. Leider ging sie viel zu schnell vorbei. Allen wurde gekündigt, die gesamte Abteilung aufgelöst. Was taten die anderen wohl in diesem Moment? Darüber konnte Jack nur spekulieren. Jimbo hatte eine Stelle bei einem japanischen Autohersteller bekommen und bald darauf wieder verloren. Doris baute inzwischen Klimaanlagen, Bert und Nathan wurden in den vorzeitigen Ruhestand geschickt, der eine lebte in Arizona, der andere in Florida. Sie waren mehr als nur Kollegen gewesen, Jack hatte sie als seine Freunde angesehen. Nun waren sie in alle Winde zerstreut.
     Ganz leise hörte er das Heulen von Düsentriebwerken, die Fensterscheiben dämpften das Geräusch, für ein, zwei Sekunden sah er ein Flugzeug zwischen den Hochhäusern. Es war soeben gestartet und stieg mit vollem Schub in den Himmel auf, einen Rauchschleier hinter sich herziehend. Einen Augenblick später sah er das Flugzeug wieder, nun drehte es Richtung Osten ab, vielleicht flog es nach New York, nach Chicago oder Detroit. Irgendwo dahinten lag der Flughafen McCarran, in einem Stadtteil, der den schönen Namen Paradise trug. Noch ein Stück weiter stand sein Wohnwagen, zwischen einer Schnellstraße und dem Parkplatz eines Supermarktes. Seine neue Heimat. Jack legte das Mikrofasertuch auf die Lehne eines Sessels und verließ die Suite.

Fortsetzung folgt.

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Der Höllenmaschinist - Erzählung
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Freitag, 10. Januar 2014

Der Höllenmaschinist - Teil 10 der Fortsetzungsgeschichte

     Helena spürte die Angst, die Peter noch immer empfand, wenn er daran dachte. Sie versuchte ihn zu beruhigen. „Peter, das sind Mythen und Legenden. Die Menschen wollten ihre Gefühle symbolisch darstellen.“
     „Ich weiß. Aber das kann doch kein Zufall sein. Bestimmte Motive findet man über Jahrtausende hinweg in allen Kulturen. Im Grunde sagen sie alle dasselbe: Halte dich an die Regeln, und du kommst in den Himmel.“
     „Du hast Recht, Peter, sie sagen alle dasselbe. Trotzdem ist das Einhalten dieser Regeln keine Garantie dafür, dass du in einen Himmel kommst.“
     „Nein?“
     „Nein.“
     „Und wenn ich die Regeln breche?“
     „Dann brichst du die Regeln.“
     „Aber was ist mit Sünde und Schuld? Diese Begriffe gibt es doch überall, auch in der Politik und in der Wissenschaft. Juristen und Philosophen, Theologen und Künstler zerbrechen sich darüber die Köpfe. Es kann doch nicht sein, dass diese Leute sich alle irren.“
     „Tun sie auch nicht. Sünde und Schuld sind Umschreibungen für negative Gefühle, für negative Energien. Wer sie aussendet, bekommt sie zurück – wenn auch manchmal mit zeitlicher Verzögerung. Das ist das göttliche Prinzip. Deine Lebensumstände sind immer ein Spiegel deiner Gefühle und Gedanken, in dieser Welt wie in jeder anderen Welt. Schau dir die Städte an, in denen ihr lebt, schau dir eure Gesellschaft an. Ihr habt sie selbst erschaffen. Kein Gott und kein Teufel haben euch verurteilt, so zu leben. Wenn die Energien ausgeglichen sind, erlebt ihr Frieden und Harmonie, wenn nicht, Streit und Gewalt.“
     „Energien müssen ausgeglichen sein? Du meinst, so wie in einer kaufmännischen Bilanz?“
     Helena war mit dieser Formulierung nicht ganz einverstanden. Um sich Peters Denkungsweise anzupassen, sagte sie trotzdem: „Ja, in gewisser Weise kann man es mit einer kaufmännischen Bilanz vergleichen.“
     „Na bitte. Dann kann mir nichts passieren. Meine Bilanz ist ausgeglichen. Ich habe alle meine Schulden getilgt, und zwar in jeder Hinsicht. Den Kredit für mein Haus zum Beispiel, den hatte ich schon nach drei Jahren zurückgezahlt. Und in meinem Beruf war auch immer alles im Lot.“
     „Nein, eben nicht. In deinem Beruf war das Meiste nicht im Lot, Peter.“
     „Doch, ganz bestimmt. Wir hatten jedes Jahr eine Bilanz gezogen, sie war immer ausgeglichen. Und wir wurden ständig von Wirtschaftsprüfern überwacht, sie hatten nie etwas zu beanstanden.“ 
     „Nach euren Regeln – aber nicht nach dem göttlichen Prinzip. Es gab mal einen Menschen, dessen Leben du sehr beeinflusst hast, obwohl du ihm nie begegnet bist. Er hieß Jack.“
     „Was für ein Jack? Was hatte ich mit dem Burschen zu tun?“
     „Er war Schuldner bei deiner Bank. Jack hatte auch ein Haus gebaut. Und dafür nahm er einen Kredit auf, den er eines Tages nicht mehr bedienen konnte.“
     „Oh bitte, jetzt erzähl mir keine rührselige Geschichte. Wahrscheinlich hatte dieser Jack auch noch kleine Kinder, die mit ihm aus dem Haus geworfen wurden. Und süße kleine Hundebabys, die alle auf der Straße landeten.“ Peter lachte über seinen Witz.
     „Nein, keine Hunde. Und seine Kinder waren schon erwachsen, als es passierte.“
     „Also, wo liegt das Problem?“
     „Das wirst du gleich selbst erleben. Aber sieh genau hin. Achte nicht nur auf deine eigenen Gefühle und Gedanken, sondern auch auf die anderer Menschen.“
     „Ja, ja.“
     Das Erste, was Peter sah, waren Kartons. Kleine Kartons, große Kartons, übereinander gestapelt bis unter die Decke einer Garage. Jeder von ihnen trug einen Zettel, auf denen der Name des Eigentümers, der Ort der Abholung und der Zielort verzeichnet waren. Bei den meisten lautete das Ziel ein Lagerhaus in einem Gewerbegebiet, bei einigen war es ein kleines Apartment in der Innenstadt – oder die Müllkippe. Nur ganz wenige Kartons lud Jack direkt in sein Auto.           
     „Willst du es dir nicht noch mal überlegen?“, fragte ihn seine Frau. „Mit dem Geld, das Jeff und Jill uns angeboten haben, können wir eine ganze Weile auskommen. Vielleicht findest du noch was Besseres.“
     Jack lachte. „Ich nehme doch kein Geld von meinen Kindern an. Nein, nein, du wirst sehen, ich schaffe es wieder aus eigener Kraft. Der Job in Las Vegas könnte das Sprungbrett zu einer neuen Karriere sein. Sobald ich dort Wurzeln geschlagen habe, hole ich dich nach.“
     „Na hoffentlich geht alles gut.“ Sie sah ihn besorgt an.
     „Aber natürlich. Wir haben doch schon ganz andere Krisen gemeistert.“
     Jack und seine Frau gingen die Einfahrt hinunter, nur ein paar Schritte. Er nahm sie in den Arm, gemeinsam betrachteten sie ein letztes Mal das Haus hinter den Mandelbäumchen. Das Haus, das bis vor kurzem noch ihnen gehörte, das sie sich im Grunde aber niemals leisten konnten. Es war im viktorianischen Stil errichtet, pseudoklassisch, mit Erkern und Türmchen, besaß zehn Zimmer, ein Schwimmbad und eine Dreifachgarage. Damit war es viel zu groß für sie beide, gestanden sie sich nun ein. Trotz all des Schmerzes, den ihnen der Verlust bereitete, empfanden sie auch eine gewisse Erleichterung. Zehn Zimmer, einige davon waren nicht einmal vollständig eingerichtet. Was sollte ein älteres Ehepaar, dessen Kinder das Elternhaus bereits verlassen hatten, auch mit dreihundert Quadratmetern Wohnfläche anfangen? Und wozu brauchten sie drei Autos und ein Motorboot? Jack und seine Frau hatten über diese Fragen zu keinem Zeitpunkt ernsthaft nachgedacht, sie ließen sich von der optimistischen Stimmung anstecken, die ein paar Jahre zuvor, unter der alten Regierung herrschte. Damals kaufte jeder große Häuser und große Autos. Es war ja auch sehr leicht an Kredite heranzukommen, die Bankberater drängten sie ihren Kunden geradezu auf, verlangten keine oder nur geringe Sicherheiten. Und man musste nicht viel dafür zahlen, die Zinssätze befanden sich auf einem historischen Tiefstand. Wer das nicht ausnutzte, wurde mitleidig belächelt, betrachtet als jemand, der keinen Mut besaß oder die Zeichen der Zeit nicht verstand. Außerdem forderte die Regierung ihre Bürger ausdrücklich dazu auf, zu konsumieren und die Wirtschaft anzukurbeln.
     Auch Jack und seine Frau kurbelten mit. Die beiden hatten sich über Jahrzehnte hinweg als gute Bankkunden erwiesen, ihr altes Haus war längst schuldenfrei, sein Arbeitsplatz als Elektroingenieur bei einem Automobilbauer bescherte ihm einen guten Leumund. Die Wirtschaft brummte, ein Absatzrekord folgte dem anderen, die Prognosen waren sehr optimistisch. Deshalb verkauften sie ihr altes Haus und erwarben dafür Aktien, die als Rücklage für ihren Lebensabend dienen sollten. Gleichzeitig kauften sie ein neues Haus, obwohl ihnen der Preis von fast einer Million Dollar für ein Systemhaus, das aus vorgefertigten Holzelementen bestand, recht hoch vorkam. Aber wegen der großen Nachfrage waren die Preise insgesamt deutlich angestiegen, jeder musste sie zahlen.
     Als Belohnung für sein Wagnis gönnte sich Jack einen Sportwagen, in dem er sich jünger fühlte, und seine Frau bekam den großen Geländewagen, der ihr so viel Sicherheit versprach. Und als Belohnung für beider Verhalten stellte ihnen die Bank goldene Kreditkarten aus, mit denen sie überall hoch angesehen waren. Was hätte schon Schlimmes passieren können?
     Eine Menge, wie sich bald herausstellte.
     Zuerst stieg der Ölpreis an, der Absatz amerikanischer Autos ließ nach, die Fabriken mussten Arbeiter entlassen. Erste Kredite platzten, Häuser wurden zwangsversteigert, die Immobilienpreise gaben nach, die Bauwirtschaft lahmte. Daraufhin sank die Nachfrage nach Konsumgütern im gesamten Land, noch mehr Arbeiter wurden entlassen, noch mehr Kredite platzten. Inzwischen bekamen auch die Banken die Krise zu spüren, ihre Bilanzen verschlechterten sich – die Spirale begann sich schneller und schneller zu drehen.
     Schließlich gerieten auch Jack und seine Frau in den Abwärtssog. Sein Arbeitgeber machte schlechte Geschäfte, die großen Geländewagen wollte kaum noch jemand kaufen, kleine Modelle hatten sie nicht im Angebot. Man unterbrach die Produktion in seiner Fabrik, für eine Woche, für zwei Wochen, für einen ganzen Monat. Jack und seine Kollegen wurden unruhig, sprachen mit dem Management. Die Chefs beruhigten sie, versprachen, die Krise aussitzen zu wollen und mit neuen Modellen neue Kunden zu erobern. Die Arbeiter glaubten ihnen. Doch dann gab es einen Wechsel in der Konzernspitze, und der Standort wurde beinahe über Nacht geschlossen.
     Jack erhielt ein Kündigungsschreiben – ein Schock für ihn. Mit selber Post erhielt er aber auch einen großzügigen Scheck als Abfindung, weshalb sich seine Sorgen bald wieder zerstreuten. Außerdem war er ein hoch qualifizierter Ingenieur, Leute wie er wurden immer gesucht. Jack krempelte die Ärmel hoch, schrieb Bewerbungen in großer Zahl, knüpfte Kontakte, hörte sich um – doch alle seine Bemühungen blieben ohne Erfolg. Es gab einfach zu viele Elektroingenieure auf Jobsuche, die Nachfrage war gering, gleichzeitig drängten immer mehr Importe auf den Markt. Jack sah sie jeden Tag auf den Straßen, die ausländischen Autos. In den unteren Segmenten wurden die einheimischen Hersteller von Marken aus Japan und Korea in die Zange genommen, inzwischen rollten sogar schon die ersten Autos aus China über amerikanische Straßen. Im oberen Segment, wo sich zwar nur geringe Stückzahlen absetzen ließen, aber die großen Gewinne erzielt wurden, waren es vor allem deutsche und japanische Hersteller und ein paar Italiener.
     Ausgerechnet die! Völker, die sie in den Kriegen besiegt hatten, Völker, die sie in den Kriegen befreit hatten, übernahmen jetzt das Geschäft. Anstatt dankbar zu sein, zerstörten sie amerikanische Arbeitsplätze, zerstörten sie die amerikanische Wirtschaft. Zwar bestanden Importbeschränkungen, und Handelsabkommen zwangen die Ausländer dazu, Fabriken in den USA zu betreiben, doch da brauchte man nur wenige Ingenieure, weil sich die Entwicklungszentren meist in Asien oder Europa befanden. Was für eine Schande! Amerika als Werkbank für Asien und Europa. Eigentlich hätte es umgekehrt sein müssen.
     Dabei bauten sie doch die besseren Autos. In Jacks Fabrik hatten sie einen Geländewagen gebaut, den Conqueror, das war ein Auto! Conqueror – der Eroberer. Ein Auto wie Amerika. Groß, stark, mächtig. Lieferbar nur mit V 8-Motoren, schon der kleinste hatte 240 PS, die Sportversion leistete 460 PS. Und für Umweltspinner gab es sogar eine Hybridvariante. Vom Conqueror abgeleitet war ein Pickup, ein Kleinlaster, mit dem man einen halben Hausstand transportieren konnte. Die Fullsize-Version mit der Doppelkabine war sechs Meter lang, auf die Ladefläche passten zwei Motorräder oder zehn Surfbretter. Im Innenraum gab es acht Becherhalter, davon vier elektrisch ausklappbar. Jacks Arbeitsgruppe hatte damals Becherhalter entwickelt, die Getränke wahlweise kühlen oder erhitzen konnten. Das bot kein anderer Hersteller der Welt, nicht einmal die Premiummarken aus Deutschland und Japan. Ihre Becherhalter konnten weder kühlen noch erhitzen, und sie waren viel kleiner. In die Becherhalter des Conqueror passten Flaschen mit bis zu anderthalb Liter Inhalt. Die Becherhalter des Conqueror waren kleine Kunstwerke, man hätte sie im Museum of Modern Art ausstellen können.
     Aus. Vorbei. Die Produktion wurde eingestellt.
     Den Conqueror brauchte man nicht mehr, auch Jack brauchte man nicht mehr. Nichts zu tun, nichts zu verdienen. Und noch eine Schwierigkeit tat sich auf. Als guter Patriot hatte Jack nur Aktien von amerikanischen Unternehmen gekauft – sie waren inzwischen auf einen Tiefstand gesunken. Zur selben Zeit jedoch, als die Kurse sanken, stiegen die Zinsen. Dummerweise hatte Jack in seinem Kreditvertrag einen flexiblen Zinssatz vereinbart, der war noch günstiger als der feste. Warum auch nicht? Alle prophezeiten ihm damals, der Zinssatz würde niedrig bleiben, denn der Chef der Notenbank sei bekannt für seine Politik der niedrigen Leitzinssätze. Doch dann kam ein neuer Notenbankchef ins Amt.


Fortsetzung folgt.

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Montag, 6. Januar 2014

Die Auswerterin - Premiere am 28.01.14 im Gallus Theater Frankfurt


Kontroverse Diskussionen sind garantiert, wenn am 28. Januar 2014 "Die Auswerterin oder: Das Ende von Auschwitz" im Frankfurter Gallus Theater uraufgeführt wird. Das Stück stellt Fragen, die bislang von der Forschung und vom Kulturbetrieb ausgeklammert wurden: Was wussten die Alliierten von den Vernichtungslagern? Gab es Alternativen zur späten Befreiung der Lager?

Inhalt:
England 1944. Emily Brown ist Auswerterin von Luftbildern. Zufällig entdeckt sie bei ihrer Arbeit ein Konzentrationslager. Emily ist entsetzt - und sie fasst einen Plan: Sie dringt in das Büro von Luftmarschall Arthur Harris ein, dem Chef des Bomberkommandos, um ihn dazu zu bewegen, das Lager oder die Verkehrwege dorthin anzugreifen. Harris lehnt ab. Emily zieht eine Waffe und verlangt, dass die Bomberstaffel, die an diesem Abend gestartet ist, nach Auschwitz umgeleitet wird.
Ein nervenaufreibendes Psycho-Duell über Schuld, Moral und die Frage, ob man Verbrechen verhindern kann, beginnt.

Die Handlung des Stückes liegt genau siebzig Jahre zurück - und doch ist sie hochaktuell. Noch immer gibt es Kriege auf diesem Planeten - z.B. in Syrien (siehe auch Syrien und die UNO - Erinnerungen an den Völkerbund). Noch immer verlangen Flüchtlinge nach unserer Hilfe - z.B. auf Lampedusa (siehe Flüchtlingsdramen vor Lampedusa). Noch immer werden wir von den Herrschenden manipuliert - z.B. NSA-Affäre (siehe Schafft die Geheimdienste ab!). Und noch immer werden Informationen unterdrückt - z.B. Operation Erbschaft (siehe Was verschweigen uns die Regierungen?). Angesichts dieser Herausforderungen müssen wir uns immer wieder dieselben Fragen stellen: Was können wir von der Welt wissen? Wie gehen wir mit dem Wissen um? Wer wollen wir sein?

Behilflich bei der Beantwortung dieser Fragen werden sein: Eric Lenke, Janine Karthaus, Carolin-Sophie Göbel (allesamt Schauspieler) und Sascha Weipert (Regie). Sie alle gehören zum Ensemble von teAtrum VII.

Hier die ersten drei Termine:
Dienstag, 28.1.14    20:00 Uhr
Mittwoch, 29.1.14   20:00 Uhr
Donnerstag, 30.1.14  20:00 Uhr


Ort: Gallus Theater Frankfurt/Main, Kleyerstr. 15 (zwischen Hauptbahnhof und Messe).

Der Text ist auch als Roman erhältlich:



Elk von Lyck

Die Auswerterin oder: Das Ende von Auschwitz

160 Seiten   EUR 9,90
als E-Book   EUR 4,99

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Lesen Sie hier die Kritik von inkultura-online.

Hier ein Artikel aus dem Mannheimer Morgen.

Sonntag, 5. Januar 2014

Der Höllenmaschinist - Teil 9 der Fortsetzungsgeschichte

     „Das ist grausam“, rief er.
     „Schon vorbei. Ich habe die Stopptaste gedrückt.“
     Peter rieb sich die Augen. „Du hast es selbst gesehen. Ich war nicht beteiligt. Diese Sache zwischen Mona und dem dreckigen Mexikaner lief wochenlang, monatelang. Es war völlig selbstverständlich, dass ich ausgezogen bin. Jeder hätte so gehandelt.“
     „Bist du denn immer treu gewesen?“
     „Ja, ich habe Mona niemals betrogen. Und weiß Gott, ich hatte Gelegenheit dazu. Es gab Frauen, die haben sich mir regelrecht an den Hals geworfen. Aber ich habe unseren Treueschwur respektiert.“
     „Du warst ein paar Mal bei Prostituierten.“
     Er streckte den Arm aus, als wolle er die Erinnerung abwehren. „Das kann man nicht vergleichen. Sex mit einer Hure, das ist wie zum Zahnarzt gehen oder sich die Haare schneiden lassen. Du bekommst eine Dienstleistung und bezahlst dafür. Mona dagegen ist eine gefühlsmäßige Beziehung eingegangen – auch wenn sie etwas anderes behauptet hat. Sie hat ihm sogar Geld für seine Kinder gegeben. Und zum Geburtstag hat sie ihnen ein paar Zeilen geschrieben, als die reiche Tante aus dem Norden. Ist das nicht verrückt?“
     „Ich finde es nett.“
     „Nein, es ist verrückt. Und es ist Betrug. Echter Betrug.“
     „Also ist es ein Verbrechen, wenn Gefühle im Spiel sind? Und wenn es nur um Dienstleistungen geht, ist alles in Ordnung?“, fragte Helena nach.
     „Genau. Mona hat es heimlich gemacht, immer wieder, und dann auch noch mit einem dreckigen Mexikaner. Ein Gärtner! Wenn es wenigstens jemand aus unseren Kreisen gewesen wäre, jemand mit Stil und Bildung, aber so ein…“ Peter raufte sich die Haare.
     „Immerhin konntest du dich an ihm rächen. Manolo hielt sich illegal  in eurem Land auf. Du hast ihn der Einwanderungsbehörde gemeldet, und er wurde ausgewiesen.“
     „Ich habe mich nicht an ihm gerächt, ich habe nur dafür gesorgt, dass die Gesetze eingehalten werden.“ Er strich sich die Haare glatt.
     „So? Dann war die Einleitung des Scheidungsverfahrens wohl auch nur ein rechtlicher Akt für dich?“
     „Gewissermaßen, ja. Mona hat eine schwere Schuld auf sich genommen, dafür musste sie bestraft werden.“
     „Und du, Peter? Warst du unschuldig bei der ganzen Sache?“
     Für einen Augenblick schwieg er. Auch Helena sagte nichts. Sie wollte ihm Gelegenheit geben, noch einmal über alles nachzudenken.
     „Nein, auch ich habe meinen Teil dazu beigetragen“, sagte er schließlich. „Ich habe immer viel gearbeitet in meinem Leben, vielleicht zu viel.“
     Peter erinnerte sich an Tage, an denen er bei Dunkelheit aus dem Haus ging und erst zurückkam, nachdem die Sonne längst untergegangen war. Das geschah nicht nur im Winter, als die Tage kurz waren, sondern auch im Sommer, zur schönsten Zeit des Jahres. Endlos viele Stunden hatte er im Büro verbracht, vor dem Computer, in Konferenzen mit den Kollegen, bei Präsentationen, Verhandlungen, Abrechnungen, immer gab es etwas zu tun. Dabei wusste er schon damals, dass er die Tage auch hätte anders verbringen können. Mit seiner Familie, im Garten, am Strand, in den Bergen, gemeinsam spielen, wandern, schwimmen, lachen…
     Mona versuchte vieles davon allein zu erledigen. Sie brachte den Kindern sogar das Schwimmen bei. Obwohl Peter das immer als seine Aufgabe angesehen hatte. Die wichtigen Dinge des Lebens wollte er den Kindern beibringen. Wo war nur die Zeit geblieben? 
     „Auch ich habe Schuld auf mich genommen“, sagte er. „Ich habe meine Familie vernachlässigt. Deshalb war es wohl die logische Folge, dass sich Mona nach jemand anderen umgesehen hat.“
     Helena nickte „Mona hat dich gebeten, ihr zu verzeihen. Sie wollte einen Neuanfang.“
     „Einen Neuanfang? Nach so einem Betrug? Ausgeschlossen. Wenn es nur dieses eine Mal gewesen wäre, hätte man es als Ausrutscher werten können. Aber sie ist immer wieder zu ihm hinüber geschlichen. Bis ich die beiden auf frischer Tat ertappt habe. Wenn Mona es mir von sich aus gesagt hätte, dann hätte ich ihr vielleicht verzeihen können. “
     „Dann wäre alles anderes gekommen.“
     „Egal, das ist jetzt vorbei. Ich habe mich schuldig gemacht – und ich habe meine Strafe akzeptiert.“
     „So haben alle verloren.“
     „Wieso? Ich war großzügig. Mona durfte das Haus behalten und hat einen Riesenbatzen Geld von mir bekommen. Sie kann sich nicht beklagen. Auch der Mexikaner nicht. Es gibt Länder auf diesem Planeten, da werden Menschen, die Ehebruch begangen haben, ausgepeitscht, manchmal sogar gesteinigt.“
     „Du kannst dich aber auch nicht beklagen, Peter. Du hast schon wieder ein neues Haus, ungefähr so groß wie das alte. Und ich habe deine neue Frau gesehen. Weißt du, an wen sie mich erinnert? An Mona. Das gleiche Modell, nur zwanzig Jahre jünger.“
     „Na und? Ich habe meine Schuld gesühnt. Mein Heim, meine Kinder, mein guter Ruf, alles weg…  Glaub mir, das war nicht leicht für mich. Damit habe ich mir das Recht auf einen Neuanfang verdient. Ja, ich habe mir schöne Dinge gegönnt, habe eine schöne junge Frau, habe es mir gut gehen lassen. Das ist kein Verbrechen.“
     Peter atmete tief durch. Er stellte sich aufrecht, streckte die Brust raus, legte die Hände an die Oberschenkel. „Ich bin jetzt bereit, Helena. Du kannst mich zu meinen Schöpfer bringen.“
     „Welchen Schöpfer? Es gibt keinen Schöpfer.“
     „Aber irgendjemand muss mich doch erschaffen haben. Und all das hier.“ Er zeigte auf seinen ruhenden Körper, auf die medizinischen Geräte, die Wände des Zimmers.
     „Das hast du selbst geschaffen, Peter. Du bist der Schöpfer dessen, was du erlebst.“
     „Und was ist mit dir? Und deinem tollen Fummel?“
     Er zeigte auf Helena und ihr Kleid, das inzwischen rot leuchtete.
     „Ich habe mich selbst erschaffen, und ich habe den tollen Fummel erschaffen“, erwiderte sie amüsiert.
     „Aber es muss doch einen Chef geben. Einer muss an der Spitze stehen.“
     „Wir sind alle der Chef. Wir stehen alle an der Spitze.“
     „Dann bring mich zu Petrus. Er soll entscheiden, ob ich in den Himmel darf.“
     Helena lachte. „Es gibt keinen Himmel. Und niemand steht an der Pforte und bewacht sie.“
     Peter wurde ärgerlich. „Dann bring mich eben zu Allah oder Mohammed. Oder zu Buddha. Oder zu sonst wem. Ich werde nicht vor der Verantwortung zurückweichen. Ich beuge mich seinem Urteil.“
     „Welchem Urteil? Peter, du bist nicht angeklagt. Also kann es auch kein Urteil geben.“
     „Aber es heißt doch immer, man muss nach seinem Tod vor das Jüngste Gericht treten. Da wird dann geprüft, ob man ein gottgefälliges Leben geführt hat. Die guten Menschen kommen in den Himmel und die bösen in die Hölle.“
     „Und was soll das sein, ein gottgefälliges Leben?“
     „Na die Sache mit den zehn Geboten. Du weißt schon: Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen… Das sind doch klare Anweisungen.“
     „Mag sein – aber sie stammen nicht von Gott.“
     „Aber selbstverständlich. Heilige Schriften gibt es in jeder Religion, in jedem Land, in jeder Kultur.“
     „Und wer hat diese Schriften aufgeschrieben?“
     „Keine Ahnung. Irgendwelche Leute.“
     „Da hast du die Antwort: irgendwelche Leute. Sie haben die Regeln aufgestellt, nach ihren Vorstellungen.“
     „Jetzt hör aber auf, Helena. Schon die ältesten Kulturen haben sich mit diesen Fragen beschäftigt. Es gibt doch diesen ägyptischen Totenkult, wonach jeder Verstorbene vor ein Gericht treten muss. Wer ein leichtes Herz hat, darf ins Jenseits eintreten. Aber wessen Herz zu schwer ist, der hat Schuld auf sich genommen, und er wird zur Strafe von einem Ungeheuer aufgefressen. Oder so ähnlich. Hab ich in der Schule gelernt. Ist aber schon lange her.“
     Siebzehn Jahre. So alt war Peter, als in seinem Geschichtskurs das Thema Ägyptisches Totengericht behandelt wurde. Damit war er beinahe erwachsen, er durfte sogar schon Auto fahren. Trotzdem machten ihm die Bilder und Informationen zu schaffen. Er dachte lange darüber nach, versuchte mit Freunden darüber zu reden, träumte manchmal nachts davon. Die alten Ägypter waren eine Hochkultur, sie hatten eine eigene Schrift entwickelt, besaßen ein ausgefeiltes Staatswesen, und sie hatten die Pyramiden gebaut, diese großartigen Monumente, die Jahrtausende überdauerten. Wer all das leistete, konnte nicht dumm sein. Also musste etwas dran sein an ihren Überzeugungen, zumindest ein bisschen Wahrheit musste darin stecken. Außerdem deckte es sich zum Teil auch mit Informationen aus anderen Quellen, etwa den zehn Geboten der jüdisch-christlichen Tradition.
     Das Ungeheuer nannten sie Ammit, eine Mischung aus Krokodil, Löwe und Nilpferd. Als Peter es zum ersten Mal sah, fand er es lustig, überhaupt nicht erschreckend. Es erinnerte ihn an eine Comicfigur, schön bunt und sauber gezeichnet. Aber es ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Ammit fraß die Herzen seiner Feinde. Die Informationen blieben – und sie vermischten sich mit anderen Informationen. In der Bibliothek stieß Peter auf die Göttliche Komödie, die sich leider als nicht so lustig erwies, wie er gehofft hatte. Der italienische Dichter Dante beschrieb darin in Ich-Form eine Höllenreise, wobei er nicht an schaurigen Details sparte. Die armen Sünder saßen im kochenden Blutstrom, wurden von Teufeln zerhackt oder mussten auf ewig Felsbrocken vor sich herschieben. Natürlich hätte Peter das Buch schnell wieder ins Regal stellen können, er hätte es als dummes, abergläubisches Werk eines längst verstorbenen Märchenerzählers ansehen können. Doch die Göttliche Komödie zählte zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur, der junge, wissbegierige Peter, der seinen Platz in der Welt selbst noch nicht gefunden hatte, musste sich unbedingt damit auseinandersetzen.
     Auch an dem Sturz der rebellierenden Engel von Pieter Bruegel konnte er nicht einfach vorbeigehen, denn das Gemälde zählte zu den bedeutendsten Werken der europäischen Malerei. Eine ganze Engelsschar fiel in einen dunklen Abgrund, monströse Gestalten stiegen empor, riesenhafte Fische und Lurche, rangen mit den Verdammten, zogen sie zu sich herab. Dazu erklangen Worte aus dem Buch Jesaja: Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern?     

Fortsetzung folgt.

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Der Höllenmaschinist - Erzählung

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Mittwoch, 1. Januar 2014

Der Höllenmaschinist - Teil 8 der Fortsetzungsgeschichte

     Sie ging zum Fenster hinüber. Hinter der Mauer fuhren Autos entlang. Minivans und Geländewagen, Mütter brachten ihre Kinder zum Sport oder fuhren zum Einkaufen. Es gab einen kleinen Stau. Einer Limousine gelang es nicht auf Anhieb, in die Kreuzung einzubiegen. Keine gewöhnliche Limousine, ein Sondermodell, das um mehrere Meter verlängert war. Der Wagen sah bizarr aus, schneeweiß lackiert, schwarz getönte Scheiben, chromglänzende Felgen und fast so lang wie ein Schulbus; er hätte einem Comic oder einem Computerspiel entsprungen sein können. Der Fahrer musste zurücksetzen und einen weiten Bogen fahren, dann erst kam er in die Seitenstraße hinein. Mona kannte diese Autos. Sie waren sehr gut ausgestattet, mit Fernsehern, Stereoanlagen, Minibars, einige besaßen angeblich sogar einen Whirlpool. Früher hatte sie manchmal eine solche Limousine bestellt, gemeinsam mit ihren Freundinnen. Sie fuhren hinaus in die Stadt, besuchten Kinos und Restaurants, Bars und Diskotheken, und am nächsten Morgen teilten sie die Rechnung miteinander – und ein paar Geheimnisse. Nach ihrer Operation wäre das vielleicht wieder möglich.                
     Von unten drang ein brummendes Geräusch zu ihr empor. Der Gärtner war damit beschäftigt, den Rasen zu mähen. Sie beobachtete ihn dabei. Der Mann saß auf einem kleinen Traktor, fuhr langsam von der einen Seite des Gartens zur anderen hinüber. Mona kannte ihn, er war ihr gleich an seinem ersten Tag aufgefallen, zunächst nur wegen des Namens: Manolo. Sie mochte den Namen, er klang so ähnlich wie ihr eigener, enthielt nur zwei Buchstaben mehr. Mona und Manolo, das passte zusammen. Inzwischen mochte sie auch den Mann selbst. Er sah gut aus, wie er mit nacktem Oberkörper auf dem Traktor saß, nach einer Weile anhielt, den vollen Fangkorb abnahm und den Rasenschnitt mit energischen Bewegungen über der Ladefläche seines Kleinlasters ausschüttete. Allerdings war er einige Jahre jünger als sie, Mona schätzte ihn auf Anfang dreißig. Normalerweise hätte sie keine Chance bei einem so jungen Mann, dafür war der Unterschied einfach zu groß. Aber vielleicht nach der Operation… Wenn er sähe, was sie zu bieten hätte…
     Mona drehte sich zum Spiegel. Vielleicht sollte sie öfter etwas weit Ausgeschnittenes tragen. Ihre Brüste waren noch immer ziemlich straff – auch ohne Operation. Sie verdienten es, beachtet zu werden. Diese beiden Prachtstücke hielten dem Vergleich mit jüngeren Frauen stand. Mona öffnete die Verschnürung des Korsetts und nahm ihre Brüste in die Hände; sie fühlten sich gut an, voll und schwer, ohne übermäßig zu hängen. Und die Brustwarzen wurden sofort steif, sehnten sich nach zärtlichen Berührungen, auch wenn sie nur von den eigenen Händen kamen. Mona stöhnte, sie nahm die Brustwarzen zwischen die Finger, kniff sie zusammen, rieb sie hin und her. Einen Augenblick überlegte Mona, ob sie ihr Spielzeug hervorholen sollten, doch das brauchte sie gar nicht, so sehr war sie erregt. Ein paar Berührungen, ein paar Gedanken reichten aus…
     Plötzlich wurde ihr die Stille bewusst. Das Brummen des Motors war verklungen. Sie sah wieder aus dem Fenster. Der Traktor stand mitten auf dem Rasen, aber Manolo war nicht mehr zu sehen. Offenbar machte er eine Pause. Verständlich, denn die Sonne brannte vom Himmel herab und es gab keinen Schatten, unten auf dem Rasen. Mona spähte in alle Richtungen, so weit es ihr das Fenster gestattete. Wahrscheinlich war Manolo in das Gartenhaus gegangen, in dem der Traktor für gewöhnlich stand. Vielleicht ruhte er sich dort aus, vielleicht trank er eine kühle Limonade. Aber nein, das ging ja gar nicht, im Gartenhaus gab es keinen Kühlschrank, nur ein paar alte Möbel, die sie aus dem Haupthaus verbannt hatten. Aber in ihrer Küche gab es einen Kühlschrank, dazu kistenweise Limonade und sogar eine Maschine, die Eiswürfel produzierte.
     Vielleicht sollte sie doch nicht bis nach der Operation warten. Rasch zog sie das Korsett aus und schlüpfte in einen bequemen Trainingsanzug. Damit ließe sich vielleicht irgendwie eine glaubhafte Geschichte konstruieren, sie wäre gerade beim Sport gewesen, wollte sich etwas Kaltes zu trinken machen und so weiter. In der Küche fand sie alles Nötige, eine Karaffe, zwei Gläser, ein paar Zitronenscheiben. Die Handgriffe erledigte sie schnell und routiniert, ohne viel nachzudenken. Erst als sie vor der Tür des Gartenhauses stand, kamen ihr Gewissensbisse. Mona sah noch einmal zum Haus zurück, sah die weißen Wände, sah die verspiegelten Scheiben, die in der Sonne glänzten und sie an den Eispalast aus einem Märchen erinnerten, das sie als Kind gehört hatte. Damals fürchtete sie sich vor der alten Hexe, die in dem Palast lebte – heute war sie kurz davor, selbst zu dieser Hexe zu werden. Mona klopfte an die Tür.
    „Hallo“, sagte sie mit bebender Stimme. „Darf ich reinkommen?“
     Manolo war überrascht, sie zu sehen, versperrte ihr aber nicht den Weg. Im Gartenhaus standen die alten Möbel aus ihrem Wohnzimmer, inzwischen jedoch mit Kratzern übersäht und mit irgendwelchem Zeug bepackt, mit Gartengeräten, einer Sporttasche und Plastiktüten, Mona sah nicht genau hin. Was sie dagegen sehr interessierte, war ein Foto, das an der Wand hing. Offenbar ein Familienfoto, es zeigte eine Frau und zwei kleine Kinder. Alle drei lächelten, eines der Kinder winkte in die Kamera. Es erinnerte Mona an die Bilder, die sie selbst von ihrer Familie gemacht hatte und die sich über das ganze Haus verteilten. Dieses Foto jedoch hing nicht unter Glas, in einem funkelnden Rahmen, es war mit ein paar Reißzwecken an der Wand befestigt.
     „Deine Frau?“, fragte Mona. „Deine Kinder?“
     „Ja. Ich nehme es ab.“ Er griff nach dem Foto.
     Sie hielt ihn zurück. „Nein, nicht. Es kann ruhig da bleiben, es gefällt mir.“
     Er schwieg.
     „Wann hast du sie zuletzt gesehen?“ Mona schenkte etwas Limonade in ein Glas ein.
     „Vor einem Jahr.“
     Sie reichte ihm das Glas. „Das muss schwer sein für dich.“
     Er trank einen Schluck. „Das können Sie nicht verstehen.“
     „Doch, ich glaube schon… Willst du Sex?“
     „Was?“
     „Ob du Sex willst?“ Sie zog den Reißverschluss ihrer Trainingsjacke herunter.
     „Das dürfen wir nicht.“
     „Nur ein bisschen Spaß. Sonst nichts.“
     Manolo sah ihre Brüste und sagte nur ein Wort: „Schön.“
     Peter riss seine Arme hoch, hielt sich die Augen zu. „Genug, das reicht. Mehr brauchst du mir nicht zu zeigen.“
     „Es geht aber noch weiter“, sagte Helena. „Möchtest du nicht wissen, was Mona mit den Eiswürfeln angestellt hat?“
     „Hör auf, mich zu quälen.“
     „Also gut. Schluss mit der Vorstellung.“
     Die Szenerie löste sich auf. Das Gartenhaus verschwand, Mona und Manolo verschwanden. Peter und Helena fanden sich im Krankenhaus wieder. Nichts hatte sich verändert, die Maschinen, die Peters Körper am Leben erhielten, summten und blinkten.

Fortsetzung folgt.

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