Mittwoch, 11. Dezember 2013

Prostitution - erlauben oder verbieten?


Ein uraltes Thema beschäftigt uns wieder einmal. Sex gegen Geld. In Frankreich sollen Freier künftig bestraft werden, wenn sie Leistungen einer Hure in Anspruch nehmen. Die Höhe des Bußgeldes soll 1500 Euro betragen. In Deutschland gibt es ähnliche Forderungen. Neunzig Prominente unterzeichneten einen Aufruf, "der kurzfristig zur Eindämmung und langfristig zur Abschaffung des Systems Prostitution führen soll." Darin heißt es u.a., Deutschland sei zur "europäischen Drehscheibe für Frauenhandel und zum Paradies der Sextouristen aus den Nachbarländern geworden" und "die derzeitige Gesetzgebung fördere die moderne Sklaverei."

Es ist zweifellos richtig, dass viele Frauen gegen ihren Willen nach Deutschland gebracht und zur Prostitution gezwungen werden. Das muss aufhören, so schnell wie möglich. Jedoch verwechselt man in der Diskussion oft zwei Dinge miteinander: Prostitution (oder Sexarbeit) sowie Menschenhandel und Ausbeutung. Letzteres findet man in vielen Bereichen. Etwa auf den Baustellen zur Fußball-WM in Katar, wo Arbeiter oft keinen Lohn erhalten, massiven Drohungen ausgesetzt sind und unter katastrophalen Verhältnissen leben müssen. Ähnlich ergeht es chinesischen Textilarbeitern in Italien. Allein in der Stadt Prato schuften schätzungsweise 35.000 von ihnen unter unwürdigen Bedingungen. Es sollte für uns keinen Unterschied machen, ob Menschen durch Bauarbeit, Textilarbeit oder Sexarbeit ausgebeutet und unterdrückt werden - jegliche Form der modernen Sklaverei gehört abgeschafft.

Ein unsinniger Mythos

Die Sexarbeit abzuschaffen wird aber sicher nicht gelingen. Der Volksmund spricht nicht umsonst vom "ältesten Gewerbe der Welt". Deshalb sollten wir versuchen, Prostitution zu entkriminalisieren, sie aus den Rotlichtvierteln herauszuholen und in eine ganz normale Branche umzuwandeln. Sexarbeiter (weibliche wie männliche) sollten ihren Beruf unter optimalen Bedingungen ausüben, an sicheren Orten, zu anständigen Löhnen und mit voller Sozialversicherung.

Außerdem sollten wir den negativen Mythos rund um die Prostitution abschaffen. Sex ist ein menschliches Grundbedürfnis. Jeder sollte so viel davon abbekommen, wie er will. Ob dafür bezahlt wird oder nicht, ist eine zweitrangige Frage. Ein Essen im Restaurant schmeckt auch nicht schlechter, nur weil man die Rechnung mit Geld begleicht. Die Arbeit der Huren ist genauso wertvoll wie die aller anderen Menschen.

Mehr über den Autor: www.elkvonlyck.de

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