Donnerstag, 20. Dezember 2012

Amoklauf von Newtown, versuchter Terroranschlag, Islamisierung - Ursachen und Auswege


Schlechte Nachrichten beherrschen unsere Medien. In Newtown im US-Bundesstaat Connecticut richtete ein Amokläufer ein Blutbad an, zwanzig Kinder und sieben Erwachsene verloren ihr Leben. Mehr Glück hatten die Reisenden auf dem Bonner Bahnhof. Ein dort geplanter Anschlag kam nicht zustande, weil die Bombe nicht zündete. Etliche Tote und Verletzte forderten die Unruhen in Ägypten. Auslöser war der Versuch der Muslimbrüder, dem Land eine islamistisch geprägte Verfassung aufzuzwingen.

Wieder einmal müssen wir uns fragen: Lernt die Menschheit denn nie aus ihren Fehlern? Ist kein Fortschritt möglich?

Die Antwort lautet: Selbstverständlich ist Fortschritt möglich. Terror und Extremismus können jederzeit beendet werden. Wir müssen nur endlich den nächsten Schritt vollziehen – von der kindlichen zur erwachsenen Zivilisation. Bislang haben wir uns wie Kinder benommen, wie ängstliche und wütende Kinder, die die Welt um sie herum nicht verstehen und keine Hilfe annehmen wollen. Bezeichnend ist, was die Lehrerin Kaitlin Roig während des Amoklaufs zu ihren Schülern sagte: "Das sind böse Leute draußen. Wir müssen warten, bis die guten kommen." (Quelle: Spiegel online vom 16.12.12) Auf diesem Niveau wird leider nicht nur zu Kindern gesprochen, sondern auch zu so genannten "Erwachsenen".

Damit ist das Dilemma im Grunde schon beschrieben. Wir haben die Grundprinzipien des Lebens nicht verstanden. Sie lauten folgendermaßen:
1. Das Leben ist ein Prozess.
2. Das menschliche Leben basiert auf Gefühlen.

Beginnen wir mit Punkt zwei: Gefühle als Grundlage unseres Seins. Amokläufe, Terroranschläge sowie politischer und religiöser Extremismus sind nicht die Folge vernünftiger Überlegungen, sondern sie entstehen aus übersteigerter Angst und Wut. Menschen fühlen sich ohnmächtig, beleidigt, bestohlen, bedroht und unterdrückt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Ursache real oder eingebildet ist. Der Amokläufer von Newtown war vermutlich psychisch krank, er lebte in einer Wahnwelt, die von bösen Menschen regiert wird, und sah als letzten Ausweg nur die Tötung seiner Feinde, ihrer Angehörigen und schließlich den Selbstmord.
Die islamischen Fundamentalisten sind mehrheitlich gewiss nicht psychisch krank. Aber auch sie sehen sich von bösen Menschen bedroht, wobei der Begriff „böse“ in ihrer Kultur meist  mit „ungläubig“ übersetzt wird. Sicherheit verspricht nur eine radikale Auslegung des Islam.

Punkt eins: der Prozess. Das Leben basiert nicht auf dem Prinzip Trennung – in gut und böse, richtig und falsch, gläubig und ungläubig. Das Leben ist ein einheitlicher Prozess, bei dem jeder das herausbekommt, was er eingibt. In den USA beispielsweise sind Waffen leicht erhältlich. Amokläufern wird es dadurch leicht gemacht, ihre Taten zu begehen. Ursache für die laxen Waffengesetze ist wiederum Angst. Waffen versprechen Sicherheit – und erzeugen dadurch neue Angst. Ein Kreislauf, der von den Medien angefeuert wird. Film und Fernsehen, Internet, Computerspiele und Nachrichten enthalten immer mehr Gewalt, sogar Kinder werden bombardiert mit Bildern von Kriegen und Verbrechen. Die Gewalt ist in der Regel unreflektiert, es werden lediglich die Folgen der Taten gezeigt, nicht jedoch deren tiefere Ursachen. Eine echte Problemlösung ist somit nicht möglich.
Der ägyptische Diktator Mubarak wurde jahrelang vom Westen unterstützt, er bekam wirtschaftliche und militärische Hilfe im Wert von vielen Milliarden Euro. Diese Hilfe kam jedoch nicht dem gesamten Volk zugute, sondern floss größtenteils in die Taschen von Mubaraks Familienclan und einer kleinen Führungsschicht. Zugleich sahen sich Millionen Ägypter von Armut und Gewalt bedroht. Die Fundamentalisten hatten somit leichtes Spiel, sie mussten die Angst und die Wut nur auf entsprechende Feindbilder lenken.

Welche Auswege bieten sich?

1. Wir sollten uns unserer Gefühle bewusst werden. Es gibt keinen Grund Angst zu haben oder wütend zu sein, denn es gibt keinen Feind. Das Böse existiert nicht, es ist lediglich ein Zerrbild von uns selbst.

2. Wir sollten den Prozess bewusst gestalten. Das heißt, negative Energien wie Waffen oder gewalttätige Medien reduzieren. Stattdessen positive Energien wie psychologische Hilfen und reflektierende Medien stärken.
Und eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass wir Diktatoren wie Mubarak, Saddam Hussein, Gaddafi usw. nicht unterstützen.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang unser Verhältnis zur Geschichte. Bis heute hat keine ehrliche Aufarbeitung des Faschismus stattgefunden, die bisherigen Publikationen zu diesem Thema sind einseitig und unvollständig, auch sie sind von Angst und Wut getrieben. Auch deshalb werden die Fehler der Vergangenheit ständig wiederholt. 

Der nächste Schritt ist leicht zu vollziehen. Wir müssen ihn bloß wagen. 


Weitere Informationen zu den Grundprinzipien des Lebens finden Sie in meinem Sachbuch Die Fischnetz-Theorie.

In meinem Roman Die Auswerterin - oder Das Ende von Auschwitz erleben Sie die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel und erfahren Dinge, von denen die meisten Menschen bisher nichts wussten.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Klimakatastrophe, Finanzkrise und Wiedergeburt - ein Ausweg


Kopenhagen, Cancun, Durban, Doha... Wieder ist eine UN-Klimakonferenz zu Ende gegangen, und wieder ist nicht viel herausgekommen. Das Kyoto-Protokoll wird bis 2020 verlängert, ein weltweites Abkommen zum Klimaschutz ist auf 2015 verschoben. Dabei ist das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung von CO2 ohnehin nur ein windelweicher Kompromiss, dem sich große Wirtschaftsnationen wie die USA, Kanada, China und Indien nicht angeschlossen haben.
Wie geht es dem Klima in der Zwischenzeit? Es wird wärmer. Eine neue Studie vom norwegischen Forschungsinstitut Cicero deutet darauf hin, dass das Ziel von zwei Grad Erwärmung nicht zu halten ist, wahrscheinlich werden es fünf Grad. Mögliche Folgen sind ein Abschmelzen von Gletschern und Polkappen, ein dramatisch steigender Meeresspiegel, Dürren sowie weltweite Migrationsströme.

Der Klimawandel ist jedoch nicht das einzige große Problem der Menschheit, ebenso bedrohlich erscheint die weltweite Schuldenkrise. Auch hier sind neue Höchststände zu vermelden. Die Staatsverschuldung Deutschlands beträgt mehr als zwei Billionen Euro, der offiziell ausgewiesene Schuldenstand liegt mit 81 Prozent des Bruttoinlandsproduktes deutlich über der in der EU zulässigen Grenze von 60 Prozent. Rechnet man die versteckten Schulden (Forderungen der Sozialsysteme) hinzu sind es sogar 136 Prozent. Und damit sind wir noch keineswegs die Könige der Schuldenmacher. In den USA beträgt die offizielle Schuldenlast 16 Billionen Dollar (110 Prozent des BIP), einschließlich der versteckten Schulden sind es vermutlich weit mehr als 100 Billionen Dollar, was über 1.300 Prozent des BIP entspricht (Quellen: Europäische Kommission, AMECO Database, Eurostat, Stiftung Markwirtschaft).

Mit anderen Worten: Wir hinterlassen den folgenden Generationen schier unlösbare Probleme.

Was kann man dagegen tun? Politische Lösungen gibt es nicht. Demokratie funktioniert nicht. Das zeigen sowohl die Klima- als auch die Schuldenkonferenzen. Probleme werden bestenfalls vertagt, aber nicht gelöst.
Der Klimawandel wird vermutlich erst in 50 oder 100 Jahren seine schlimmsten Auswirkungen zeigen. Bis dahin sind diejenigen, die ihn verursacht haben, längst tot. Der Zusammenbruch des Weltfinanzsystems wird vermutlich ebenfalls noch einige Jahrzehnte auf sich warten lassen. Bis dahin sind diejenigen, die die Schulden aufgenommen haben, ebenfalls längst tot. Also warum sollten sich die Verursacher der Probleme um deren Folgen kümmern? Wer in 50 oder 100 Jahren auf der Erde lebt, wer heute noch nicht einmal geboren ist, hat kein Wahlrecht. Keine Stimme, keine Rechte. 

Deshalb müssen wir völlig neue Wege beschreiten. Wir brauchen einen umfassenden Bewusstseinswandel. Wie kann man einen Menschen dazu bringen, Verantwortung für spätere Generationen zu übernehmen? Indem man ihn davon überzeugt, dass er selbst ein Mensch der Zukunft ist. Ein tollkühner Gedanke, der sich aber näher erläutern lässt. Alles deutet darauf hin, dass wir nicht von unserer Umwelt getrennt, sondern Teil einer großen Einheit sind. Für diese große Einheit gibt es viele Namen: Universum, Multiversum, Natur, Gott, Weltseele, Alles-was-ist... Jede Kultur hat Vorstellungen darüber entwickelt, auch in der Wissenschaft finden sich Theorien dazu.   

Entgegen unserer Wahrnehmung ist das Leben keine Entwicklung von A nach B, alle Dinge und Ereignisse existieren parallel nebeneinander. Das Leben ist ein Netzwerk, das niemals kleiner oder größer wird, sich aber selbst immer wieder neu erfährt. Alles was darin geschieht, hat Auswirkungen auf das gesamte Netzwerk. Der beste Beweis ist der Klimawandel selbst. Auch die kleinste Menge Treibhausgas beeinflusst das Klima, nicht nur am Ort der Erzeugung. Solche Gase zu emitieren, ist weder gut noch böse, weder richtig noch falsch. Es ist einfach das, was wir tun.

Das Prinzip des Netzwerks wiederholt sich auf vielen Ebenen. Auf der Ebene des Makrokosmos und des Mikrokosmos, in der Natur, in der Kultur, in der Wissenschaft, Technik, Wirtschaft... Und auf der Ebene unserer persönlichen menschlichen Existenz. Wir alle existieren vielfach. Wir leben nicht bloß einmal, wir haben viele Leben. Auch hierzu gibt es zahllose Hinweise, aus allen Epochen und Kulturen sind Berichte von Menschen bekannt, die von anderen, von "früheren" Leben handeln. Derzeit fehlt noch ein wissenschaftlicher Beweis für die Richtigkeit dieses Konzepts. Aber auch das ist kulturell bedingt. In unserer Zivilisation haben wir uns bislang auf technischen Fortschritt und auf Wirtschaftswachstum konzentriert - die Folgen sind Umweltzerstörung und Schuldenkrise. Doch wenn wir nicht nur "jetzt" leben, sondern auch "später", dann schaden wir uns selbst durch unser "derzeitiges" Handeln. Wenn wir aber verantwortungsbewusst mit unserer Umwelt und unseren Finanzen umgehen, dann helfen wir uns selbst. Denn die Menschen, die in 100 Jahren leben, sind nicht irgendwelche Leute - wir sind es selbst. 

Eine andere Zivilisation ist denkbar. Eine, die nicht auf Trennung beruht, sondern auf Einheit. Eine Zivilisation, in der alle Menschen dieselben Rechte besitzen - alle nahen und fernen Menschen, alle gegenwärtigen und zukünftigen.

Es bleibt aber nicht mehr viel Zeit. Die Probleme, dir wir geschaffen haben, sind gewaltig. Wir müssen jetzt den großen zivilisatorischen Sprung machen.
Liebe! Für alle! Jetzt!


Weitere Informationen zum Konzept des Netzwerkes erhalten Sie in meinem Buch Die Fischnetz-Theorie.

Das Thema Wiedergeburt wird auf unterhaltsame Weise in meinem Roman Die Frau am Fenster behandelt.

Das obige Foto zeigt eine Bronzeskulptur von Richard Haizmann. Für mich symbolisiert dieser Kopf mit den übereinander liegenden Gesichtern die verschiedenen Leben einer Person. Mehr über diesen interessanten Künstler erfahren Sie im Richard-Haizmann-Museum in Niebüll.