Sonntag, 22. Juli 2012

Blutbad in Denver - Was steckt dahinter?


Wieder einmal hat sich in den USA ein Amoklauf ereignet. Diesmal hat es die Stadt Aurora nahe Denver getroffen, ein Dutzend Tote und über fünfzig Verletzte sind zu beklagen. Und wieder einmal fragt man sich: Warum konnte es geschehen? Die Antwort ist einfach: Es konnte geschehen, weil die Voraussetzungen dafür geschaffen waren. 


In vielen Kommentaren wird auf die liberalen Waffengesetze verwiesen, die es den Tätern leicht machen, an Schusswaffen und Munition zu gelangen. Sie tragen sicher zur hohen Zahl der Opfer bei, aber sie sind nicht der alleinige Grund. Viel wichtiger ist der psychische Zustand unserer menschlichen Gemeinschaft – nicht bloß der einzelner Personen. Wie gehen wir mit Hass und Gewalt um? Welche Position beziehen wir nach einem solchen Amoklauf? Was verändern wir? Leider ist die Antwort immer dieselbe: Gar nichts. Unsere Position ändert sich nicht. Wir akzeptieren Hass und Gewalt als feste Bestandteile unserer Welt. Und schlimmer noch: Wir wiederholen unser Verhalten ständig. So schaffen wir immer neue Opfer.

Selbstverständlich sollte man die Existenz von Hass und Gewalt nicht leugnen. Es kommt aber darauf an, wie wir damit umgehen. Im vorliegenden Fall hat sich der Täter so maskiert wie Bane, eine Figur aus dem neuen Batman-Film „The dark knight rises“. Das amerikanische Unterhaltungskino funktioniert immer nach demselben Rezept: Die Guten kämpfen gegen die Bösen. Am Ende gewinnen die Guten – und es liegen viele Opfer auf dem Schlachtfeld. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Motiven der handelnden Personen findet in der Regel nicht statt. Auch wird meist nicht darüber nachgedacht, welche Alternativen es zu Keule, Schwert und Pistole gegeben hätte. Diese Filme werden von Milliarden Menschen gesehen, demzufolge prägen sie die Psyche ganzer Nationen. Selbstverständlich wird nicht jeder, der einen Actionfilm sieht, zum Attentäter. Aber er wird zum teilnahmslosen Zuschauer, der nicht nachdenkt, weder über Ursachen noch über Alternativen. Ob man einen Spielfilm konsumiert oder die Tagesschau, macht keinen Unterschied.
  
Diese Verhaltensmuster übertragen sich in alle Lebensbereiche. Auch in die Politik, in die Wirtschaft, in die Wissenschaft. Ein Terrorist ist ein Terrorist, weil er sich dazu entschließt, ein Terrorist zu sein. Ein Nazi ist ein Nazi, weil er ein Nazi ist. Ein armer Mensch ist arm, weil es nicht genügend Reichtum auf der Welt gibt. Weiteres Nachdenken ist unerwünscht. Filme über Terroristen, Nazis und Rächer in dunklen Umhängen hingegen sind durchaus erwünscht. Deshalb werden Orte der fiktiven Gewalt immer wieder zu Orten der realen Gewalt.

Gibt es Auswege? Natürlich. Wir sollten es einfach nicht mehr akzeptieren. Wir sollten nachdenken. Pläne entwickeln. Intelligente, vielschichtige Drehbücher schreiben. Sie anbieten. Sich nicht von Absagen entmutigen lassen. Gute Filme schauen. Gute Bücher lesen. Mit anderen darüber sprechen.
Ein Beispiel gefällig? Gerne. Ich empfehle ein eigenes Buch: DIE AUSWERTERIN - ODER DAS ENDE VON AUSCHWITZ. Eine differenzierte und tiefgründige Analyse von Hass und Gewalt und davon, was man dagegen tun kann. Es geht auch anders.  

Freitag, 20. Juli 2012

Evolution - Darwinismus oder Kreationismus? Eine neue Sichtweise.


Seit einigen Jahren tobt ein Streit zwischen Darwinisten und Kreationisten. Darwinisten sind überzeugt, dass das Leben aus der Materie entstanden ist und sich durch natürliche Auslese an wechselnde Lebensräume anpasst. Kreationisten glauben ebenfalls an eine Form der Evolution, nur dass diese von einem Gott initiiert, beeinflusst oder gesteuert wird. Beide Gruppen haben Recht – auf ihre Weise.

Um zu einem tiefen Verständnis der Evolution zu gelangen, müssen wir einen Kardinalfehler beheben, der in unserer eingeschränkten Sichtweise begründet liegt. Bislang haben wir uns die Evolution als eine ansteigende Linie vorgestellt: Eine Art entsteht aus einem Ursprung heraus und entwickelt sich höher bzw. passt sich an seine Umgebung an. Diese Vorstellung ist falsch, denn sie ist unvollständig. Sie basiert auf der Idee der Bewegung von A nach B, von gestern zum Morgen, von hier nach da. Das ist „relativ richtig“, aber unsere Wirklichkeit ist sehr viel größer.

Die Welt ist ein Netzwerk. Es existiert in seiner vollen Ausdehnung, es wird niemals kleiner oder größer, aber es erfährt sich selbst immer wieder neu. Im gesamten Universum gibt es nur zwei Strukturen, Kreisläufe und Netzwerke, man findet sie im Mikrokosmos ebenso wie im Makrokosmos. Nach dem Orbitalmodell besteht das Atom aus einem Kern, der von Orbitalen umgeben ist, in denen sich wiederum die Elektronen aufhalten. Atome schließen sich zu netzwerkartigen Molekülen zusammen. Nach einer gewissen Zeit zerfallen die Moleküle und die frei gewordenen Atome schließen sich zu neuen Molekülen zusammen. Im Universum beobachten wir Planeten, die Sonnen umkreisen, Sonnensysteme schließen sich zu Galaxien zusammen. Dieser ewige Wandlungsprozess erreicht jedoch niemals ein Ziel oder einen höheren Zustand.

Ähnliche Strukturen finden wir auch in der Natur. Es ist jedoch nicht ratsam, den Blick auf eine einzelne Art zu beschränken. Besser ist es, einen ganzen Lebensraum zu betrachten. Als Beispiel sei die Sahara genannt, ein Ökosystem, das wir heute als Wüste kennen. Eine Wüste ist ein relativ einfacher Lebensraum, in dem nur wenige Arten vorkommen. Die Sahara war jedoch nicht immer eine Wüste, zeitweise existierte sie auch als Savanne. Diese Landschaftsform besteht aus Grasflächen und Bäumen, es leben dort Pflanzen- und Fleischfresser in größerer Anzahl. Während der letzten 200.000 Jahre war die Sahara insgesamt drei Mal eine Savanne, danach wurde sie wieder zur Wüste. Demzufolge besitzen auch Lebensräume den Charakter eines Kreislaufes, aber sie erreichen niemals ein Ziel oder einen höheren Zustand. Das einzige Ziel besteht darin, sich selbst zu erfahren.

Dieses Prinzip wiederholt sich auch in Bereichen, in denen man es nicht unbedingt erwartet, etwa in der Kunst. Über Jahrhunderte hinweg bemühten sich Künstler, die Natur möglichst realistisch darzustellen. Die Maltechniken wurden immer komplexer, die Anzahl der Farbnuancen nahm zu. Um 1900 herum entstand die "moderne Kunst" (heute Klassische Moderne) und mit ihr die Unterart der abstrakten Kunst, die versuchte, Welten jenseits des Sichtbaren zu erschließen. Hierbei kam es oft zu einer Vereinfachung der Maltechniken und zur Reduzierung der Farbnuancen. Die Resultate erinnerten manchmal an Höhlenmalereien oder an Bilder, die von Kindern gemalt wurden.

Alles hat seine Bedeutung. Die gegenständliche Malerei ist nicht besser als die abstrakte (und umgekehrt), mehr noch, erst dadurch, dass beides ausprobiert wird, kommt es zu einem Gleichgewicht im Erfahrungsprozess.

Die Evolution ist also kein Entstehungsprozess, sondern ein Erfahrungsprozess. Die Bausteine sind immer dieselben, Atome und Moleküle, Farben und Formen. Alte Bausteine wurden nicht abgeschafft, neue sind nicht hinzugekommen. Das Netz wird niemals kleiner oder größer, die Masse im Universum ist stets gleich. Das Netz ist immer in einem perfekten Gleichgewicht. Deshalb besitzt das Netz auch keinen höheren oder niederen, keinen besseren oder schlechteren Teil, alle Erfahrungen sind gleich wertvoll.

Aus diesem Grund geht auch der Streit zwischen Darwinisten und Kreationisten unentschieden aus. Mit ihren Überzeugungen markieren beide Gruppen Erfahrungshorizonte, dazwischen ist jede Abstufung möglich. Beide Gruppen tragen zum Erfahrungsprozess bei. Der Mensch nimmt in diesem Prozess eine Sonderrolle ein, er ist weit mehr als eine Mutation innerhalb der Affenfamilie. Mehr dazu in einem späteren Text.

Wir sollten uns die Evolution als eine Blume vorstellen, die in alle Richtungen gleichzeitig wächst. Dabei entwickelt sie nur großartige und wertvolle Triebe. Die Knospe ist genauso wichtig wie die voll entwickelte Blüte, und die ist genauso bedeutsam wie der Trieb, der mit Dornen bewehrt ist. Alles bereichert den Erfahrungsprozess – jede Tat, jeder Gedanke und jede Empfindung ist unendlich wertvoll.
   

Hier ist mein YouTube-Video zum selben Thema.


Mehr dazu (und zu weiteren Themen):

   
      DIE FISCHNETZ-THEORIE

      88 Seiten     EUR  6,90  erhältlich u. a. bei Amazon

      Auch erhältlich als E-Book für EUR 6,49 u. a. bei Amazon 
                          
   


Hier finden Sie einen erklärenden Text zur FISCHNETZ-THEORIE


Donnerstag, 19. Juli 2012

Video zur Evolution: Darwinismus oder Kreationismus? Eine neue Sichtweise.


Die Evolution ist nicht allein eine Entwicklung von A nach B, sie ist eingebunden in Kreisläufe und Netzwerke. Deshalb ist sie kein Entstehungs-, sondern ein Erfahrungsprozess. Der Mensch ist mehr als nur eine Mutation. Darwinisten und Kreationisten tragen zur Vervollständigung des Prozesses bei.

Weitere Infos unter: www.elkvonlyck.de


Sonntag, 8. Juli 2012

Lesung von DIE AUSWERTERIN auf der KultTour 2012 in Mannheim


Am 14.07.12 werde ich meinen neuen Roman DIE AUSWERTERIN - ODER DAS ENDE VON AUSCHWITZ auf der Mannheimer KultTour vorstellen. Ort der Lesung ist das theater oliv, es geht los um 19:00 Uhr.
Zur Einstimmung hier die Kritik von Sylvia aus dem Blog Herzbücher:


England, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges. Auf kraftlosen Beinen steht Emily Brown vor dem Büro von Arthur Harris, Oberbefehlshaber der britischen Luftstreitkräfte. Noch kann sie sich anders besinnen, kann das Teetablett in ihren schweißnassen Händen vor Marschall Harris abstellen, den Rückzug antreten und einfach so tun als hätte sie nichts gesehen. Während ihrer Tätigkeit als Auswerterin von Luftaufnahmen entdeckte sie kürzlich auf einer solchen Aufnahme das Konzentrationslager in Auschwitz. Sie sah die Menschen - Männer, Frauen, Kinder - die man aus etlichen Güterwaggons holte und wie Tiere in das Lager trieb. Ihre Vorgesetzten ignorierten ihre Hinweise, aber Emily vermag nicht über das Elend, dessen sie gewahr wurde, hinwegzusehen. Deshalb steht sie nun hier, bereit, Marschall Harris zu überreden, das Lager zu befreien. Ihrer zittrigen Beine zum Trotz betritt Emily den Raum. Zunächst versucht sie, Harris mit den Aufnahmen, die sie ihm vorlegt, zu überzeugen. Doch er wiegelt ab, also zückt sie eine Pistole. Um sein Leben zu retten, erteilt Harris die Order, Auschwitz aus der Luft anzugreifen. Damit er seinen Befehl nicht revidieren kann, will Emily den Marschall mit vorgehaltener Waffe so lange in Schach halten, bis der Bericht über die erfolgte Bombardierung eingeht. Während der Wartezeit liefern sich beide eine hitzige verbale Auseinandersetzung.

In Die Auswerterin befördert Elk von Lyck einige interessante politische Ereignisse ans Tageslicht, die man kaum in einem Geschichtsbuch findet. Brisante Dinge, die von den Verantwortlichen wohl aus gutem Grund nicht an die große Glocke gehängt wurden. Vornehmlich geht er der Frage nach, was genau die Alliierten über Auschwitz wussten. Außerdem sucht er nach Gründen für die ziemlich spät erfolgte Befreiung des Lagers. Schuldzuweisungen, um das eigene Gewissen zu beruhigen, ist ebenso ein Thema wie die Suche nach den Auslösern, die den Weg der Nazis an die Macht ebneten. Hierzu begibt er sich weit in die Vergangenheit, bis zum Ende des 1. Weltkrieges. Der Autor zeigt die Verfehlungen der Alliierten auf und beschönigt währenddessen nicht die Taten der Nazis.

Der höchst niveauvolle Wortwechsel zwischen der fiktiven Person Emily Brown und dem Chef der britischen Luftwaffe, Arthur Harris, der tatsächlich gelebt hat, nimmt den größten Platz in der Geschichte ein. Während Harris stur seinen Standpunkt vertritt, indem er alle politischen Entscheidungen der Alliierten als gut und richtig hinstellt, hält Emiliy, gewappnet mit fundiertem Hintergrundwissen, dagegen. Worte fliegen hin und her, Argumente treffen auf Gegenargumente. Beide schenken sich nichts und bieten damit dem Leser ein gelungenes Rededuell.

Regelmäßige Schwenks zu diversen Schauplätzen vermitteln zunächst den Eindruck, als handele es sich um zusätzliche Handlungsstränge, die parallel zueinander laufen. Dass dem keineswegs so ist stellt sich erst ab etwa der Buchmitte heraus, verwirrte mich aber nicht im Geringsten. Elk von Lyck beherrscht das „Spiel mit der Chronologie“ perfekt.

Mit der aufwühlenden Geschichte des kleinen Jacques und dessen Familie veranschaulicht der Autor die damalige Situation der Juden. Ein weiterer Handlungsstrang beschäftigt sich mit Walker, einem britischen Piloten. Hierbei beweist der Autor eine genaue Kenntnis technischer Details von verschiedenen Flugzeugtypen. Indem er derlei in die Handlung einfließen lässt, vermittelt er auf unterhaltsame Art, so ganz nebenbei, technisches Wissen.

Emily fungiert sozusagen als Stimme des Gewissens. Darüber hinaus zeigt Elk von Lyck am Beispiel seiner Hauptprotagonistin auf, dass auch ein „unbedeutender“ Mensch das Potenzial besitzt eine große Wirkung zu erzielen. Der Autor will erreichen - und das ist der tiefere Sinn, den ich dem Buch entnehmen konnte, und Lycks Botschaft an seine Leser - dass jeder einzelne sein Schicksal selbst in die Hand nimmt, Entscheidungen hinterfragt und nicht zusieht, sondern handelt.

Fazit
Die Auswerterin: oder Das Ende von Auschwitz ließ mich nachdenklich und aufgewühlt zurück, und genau das war meiner Meinung nach Elk von Lycks Absicht. Der Autor hat seinem Buch einen tieferen Sinn verliehen, und ich wünsche ihm, dass seine Botschaft möglichst viele Leser erreicht. Bei mir ist sie angekommen.





DIE AUSWERTERIN - ODER DAS ENDE VON AUSCHWITZ
132 Seiten   EUR 9,90  erhältlich u.a. bei Amazon.
Auch erhältlich als E-Book für EUR 7,99 u.a. bei Amazon.



Hier ist die Kritik von inkultura-online.

Und hier ist ein YouTube-Video, in dem ich mich zu dem Roman äußere.