Sonntag, 29. April 2012

Pakistan testet Atomrakete - der Irrsinn geht weiter


Eine Woche nach Indien hat auch Pakistan eine atomwaffenfähige Rakete getestet. Die Hatf-IV/Saheen-1A besitzt eine Reichweite von vermutlich 3000 Kilometer und ist somit in der Lage, alle großen indischen Städte zu treffen. Die beiden Nachbarn führten seit der Unabhängigkeit von Britannien im Jahr 1947 drei Kriege gegeneinander. Seit ihrer atomaren Bewaffnung Ende der 90er Jahre gibt es auf beiden Seiten immer wieder Raketentests. 2002 standen die beiden Rivalen wegen Gebietsansprüchen auf die Kaschmir-Region kurz vor einem Atomkrieg.

Auch hier muss man eine Kettenreaktion vermuten. Pakistan fühlte sich von Indien bedroht, das zuerst Atomwaffen besaß. Zuvor fühlte sich Indien von China bedroht, China fühlte sich von Russland bedroht und Russland von den USA.

Im Fall von Pakistan kommt noch eine besondere Gefahr hinzu. Das Land ist instabil, islamische Fundamentalisten sind auf dem Vormarsch, Terroristen finden - ob mit oder ohne Wissen der Regierung - in Pakistan Unterschlupf (siehe Osama bin Laden). Es ist nicht auszuschließen, dass atomwaffenfähiges Material in falsche Hände gelangt. Möglicherweise wird Al-Quida eines Tages eine schmutzige Bombe in New York zünden. Vielleicht werden die USA danach als Vergeltungsmaßnahme Pakistan angreifen, weil der US-Präsident von der Schuld der Pakistaner überzeugt ist.

Auch dieses Beispiel macht deutlich, was geschieht, wenn wir die Dinge schleifen lassen, wenn wir unsere Ziele nicht klar definieren und durchsetzen. Eines der ersten Ziele muss die Schaffung einer Welt sein, die - vollständig - frei von Atomwaffen ist.

Samstag, 21. April 2012

Indien testet Atomrakete - der Irrsinn geht weiter


Am 19.04.12 hat Indien erstmals eine Interkontinentalrakete getestet. Die Agni IV kann atomare Sprengköpfe von mehr als einer Tonne Gewicht bis zu 5000 Kilometer weit transportieren. Diese Leistungsdaten sind sicher nicht zufällig gewählt, denn damit liegen auch die chinesischen Metropolen Peking und Shanghai in Reichweite der indischen Atomwaffe.

Bereits seit einigen Jahren ist ein Wettrüsten in dieser Region zu beobachten. China ist gerade dabei, seine Volksbefreiungsarmee zu einer der stärksten Militärmächte der Welt auszubauen. Derzeit werden nuklearbetriebene U-Boote und Flugzeugträger entwickelt, die neueste chinesische Rakete (JL-2) hat eine Reichweite von 8000 Kilometern. China ist seit 1964 im Besitz von Kernwaffen.

Besonders widersinnig erscheint diese Entwicklung angsichts der gewaltigen Armut, die noch immer in beiden Ländern herrscht. In Indien leben 44 Prozent der Menschen von weniger als einem Dollar pro Tag, in China verdient die Landbevölkerung etwa 40 Euro im Monat. Trotzdem leisten sich beide Regierungen Rüstungsprogramme im Wert von vielen Milliarden Dollar.

Ist das Ganze nur eine lokal begrenzte Idiotie? Nein - denn alles hängt mit allem zusammen. Indien fühlt sich von der chinesischen Atombombe bedroht. China fühlte sich zuvor von der sowjetischen Atombombe bedroht. Die damalige Sowjetunion fühlte sich von der amerikanischen Atombombe bedroht. 
 
Gibt es ein Gegenmittel? Ja - z.B. den Atomwaffensperrvertrag. Er verbietet nicht nur die Verbreitung von Atomwaffen, sondern verlangt auch die vollständige Abrüstung aller bereits existierenden Atomwaffen. Vermutlich ist er einer der wichtigsten Verträge, die die Menschheit mit sich selbst geschlossen hat - und einer derjenigen, die am häufigsten gebrochen wurden. 

Dieses Beispiel zeigt wieder einmal, dass wir uns zu sehr auf den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt konzentrieren. Viel sinnvoller ist der geistig-moralische Fortschritt - daran müssen wir arbeiten.

Sonntag, 15. April 2012

Filmkritik - Friendship! - auf DVD



Endlich - ein Ex-DDR-Bürger ist Bundespräsident, das Kanzleramt ist schon längst in der Hand einer Ostdeutschen. Höchste Zeit, etwas über jenes Volk zu lernen, das jahrzehntelang in einem Unrechtsstaat eingesperrt war. Über die Freilassung berichtet dieser Film.

Inhalt:

Ostdeutschland, kurz nach dem Mauerfall. Veit (Friedrich Mücke) hat einen Traum, er will unbedingt zum westlichsten Punkt der USA reisen - zumindest sagt er es so seinem besten Freund Tom (Matthias Schweighöfer). Tatsächlich jedoch sucht er seinen Vater, der nach Amerika auswanderte, als Veit noch ein Kind war. Alles, was er von ihm besitzt, ist ein Bündel Postkarten, abgestempelt in einem Postamt in San Francisco.
Die beiden machen sich auf den Weg. Leider geht ihnen schon in New York das Geld aus, weshalb sie fortan gezwungen sind, das riesige Land auf möglichst preisgünstige Weise zu durchqueren. Wenig hilfreich ist dabei, dass sie nur ein englisches Wort kennen, eben jenes titelgebende Friendship!

Bewertung:

Gute Unterhaltung für knapp zwei Stunden. Es gibt viel zu lachen, die ostdeutschen Klischees bleiben im Rahmen und die Suche nach Veits Vater sorgt sogar für ein wenig Tiefgang.
Die DVD bietet nette Extras, neben dem obligatorischen „Making of“ auch einen lustigen Englischkurs.
Hier ein paar Beispiele:

- Your english is under all pig! – Dein Englisch ist unter aller Sau!
- I believe you spider! – Ich glaub, du spinnst!
- That is me sausage. – Das ist mir Wurst.
- Now we sit quite beautifully in the ink. – Jetzt sitzen wir ganz schön in der Tinte.
- Take yourself in eight! – Nimm dich in Acht!
- That makes you so fast nobody after. – Das macht dir so schnell keiner nach.
- Make you only so wider! – Mach du nur so weiter!
- Then I make me me nothing you nothing out of the powder. – Dann mache ich mich mir nichts, dir nichts aus dem Staub.
- There stand one yes the hairs to mountain. – Da stehen einem ja die Haare zu Berge.
- I have the nose full, painted full! – Ich habe die Nase voll, gestrichen voll!
- Nothing for ungood. – Nichts für ungut.
- I only understand railroad station. – Ich versteh nur Bahnhof.
- You go me on the alarm-clock! – Du gehst mir auf den Wecker!
- Trip back kick insurance – Reiserücktrittsversicherung
- If you think you can beat me over the ear, you are on the wood way. – Wenn du denkst, du kannst mich übers Ohr hauen, bist du auf dem Holzweg.
- Do you do mouth-sex? – Kann ich dich für Oralverkehr begeistern?
- My dear mister singing club! – Mein lieber Herr Gesangsverein!
- Here is real dead trouser. – Hier ist echt tote Hose.
- Striptease table – Ausziehtisch
- Mister Above, the calculation please! – Herr Ober, die Rechnung bitte!
- Sick sister – Krankenschwester
- Human being Meier! – Mensch Meier!
- Beforehangingcastle – Vorhängeschloss
- and in this togetherhanging - und in diesem Zusammenhang


 Hier ist der Link zum Kinotrailer.

Mittwoch, 4. April 2012

Buchkritik - Die Insel unter dem Meer von Isabel Allende


 Inhalt:

Die Insel Saint Domingue (heute Haiti), Ende des 18. Jahrhunderts. Die erst neunjährige Sklavin Zarité wird an einen französischen Plantagenbesitzer verkauft. Damit beginnt ein furchtbares Martyrium, das Kind wird gequält und viele Male vergewaltigt, später wird sie mehrfach schwanger. Zarité zerbricht jedoch nicht daran, innerlich ist sie stärker als ihre „Besitzer“, sie pflegt sogar die psychisch labile Frau ihres Peinigers und kümmert sich um deren Kinder.
Hoffnung keimt für sie auf, als die Sklaven revoltieren und die Franzosen nach schweren Kämpfen davongejagt werden. Auch Zarité und ihre Familie müssen die Insel verlassen, in New Orleans, ihrer neuen Heimat, geht das Ringen um Freiheit und Gerechtigkeit weiter.


Bewertung:

 Normalerweise sollte man nicht mit dem Ende anfangen, in diesem Fall jedoch lässt sich das gesamte Buch in einem Dialogsatz zusammenfassen. Die Hauptfigur sagt am Ende ihres Lebens: „Wir alle tragen unvermutete Kraftreserven in uns, die zutage treten, wenn das Leben uns auf die Probe stellt.“ Man könnte fast jedes Buch von Isabel Allende an einer beliebigen Stelle aufschlagen und diesen Satz dort einfügen, denn meistens geht es um starke Frauen, die sich in einer von bösen und dummen Männern dominierten Welt behaupten müssen. Obwohl bei Suhrkamp erschienen, liegt "Die Insel unter dem Meer" offenbar auf dem Planeten der Trivialliteratur. Hera Lind und Gaby Hauptmann machen das auch nicht anders.

Entschuldigung, das war jetzt etwas bösartig. Was Allende von den beiden unterscheidet, ist die Wahl des Themas und die Konsequenz, mit der sie es umsetzt. Und dafür gebührt ihr ein dickes Lob. Allende hat es gewagt, die entsetzlichen Verbrechen der Franzosen, begangen in deren Kolonien, offen anzusprechen, teils in sehr drastischen Worten. Natürlich bilden die Kolonialverbrechen nicht das Hauptmotiv des Buches, sie sind aber ein wesentlicher Bestandteil. Wenn man heute durch Frankreich reist, französische Bücher liest oder Filme schaut, könnte man glauben, die Geschichte des Landes besteht nur aus der Revolution und der Okkupation durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Anscheinend ist doch ein bisschen mehr passiert....
Ebenfalls bemerkenswert ist, dass sich in jüngster Zeit zwei Frauen mit dem Thema Sklaverei, speziell der Ausbeutung und Misshandlung weiblicher Sklaven, befasst haben. Neben Isabel Allende ist es die Nobelpreisträgerin Toni Morrison, von der Anfang 2010 ein ähnliches Buch mit dem Titel „Gnade“ in deutscher Übersetzung erschien.
Politisch korrekte Autoren wie Günter Grass oder Guido Knopp werden sich an den Stoff gewiss nicht heranwagen.     

Fazit: Trotz einiger Stereotypen lesenswert, weil es den Blick auf die Geschichte erheblich ausweitet.