Sonntag, 25. März 2012

Sonntag, 18. März 2012

Kampf für Gerechtigkeit - sinnlos


In Den Haag hat sich eine Premiere ereignet: Zum ersten Mal wurde ein Kriegsverbrecher vom Internationalen Strafgerichtshof (ICC) schuldig gesprochen. Der Kongolese Thomas Lubanga Dyilo war angeklagt, Kinder als Soldaten missbraucht zu haben. Das Strafmaß wird später verkündigt.
Befürworter dieses Systems sprechen von einem Sieg im Kampf für die Gerechtigkeit - was für ein Unsinn!

In diesem Fall gibt es zwei große Kritikpunkte, beide haben mit der Aufteilung in schwarz und weiß zu tun, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn:

1. Kolonialjustiz. Die drei Richter des ICC sind Weiße, der Chefankläger ist ebenfalls ein Weißer. Alle Angeklagten, gegen die derzeit verhandelt wird, sind Schwarze.
2. Kolonialpolitik. Die Lage im Kongo ist ein Musterbeispiel dafür, was in Afrika alles schiefläuft. Der Staat entstand 1885 auf der Berliner Kongokonferenz und ist seither ein Spielball fremder Mächte. Die natürlichen Schätze des Landes, z.B. Diamanten, Gold, Kupfer, Coltan, Erdöl, werden hemmungslos ausgebeutet und international vermarktet. Trotzdem zählt die Bevölkerung zu den ärmsten der Welt, im Human Development Index der Vereinten Nationen nahm der Kongo 2011 den letzten Platz ein.

Mit anderen Worten: Die Welt profitiert von der Lage im Kongo - und richtet gleichzeitig über die Menschen im Kongo.

Die Probleme müssen also viel grundsätzlicher angegangen werden. Wir dürfen nicht einen Milizenführer mit Waffen beliefern und ihm seine Rohstoffe abkaufen, während ein anderer boykottiert wird. Ebenso wenig dürfen wir eine Gruppe von Menschen verhaften und verurteilen, während andere ungeschoren davonkommen - z.B. Rohstoff- und Waffenhändler. Auch hier gilt der alte Grundsatz: Gerechtigkeit für alle!  
  
Das heißt konkret:
1. Keine Waffenlieferungen in Krisengebiete. Natürlich kann man einen Menschen auch mit einer Machete erschlagen - dazu muss man ihn aber erstmal erwischen.
2. Überwachung des Rohstoffhandels. Gewinne notfalls treuhänderisch verwalten.
3. Schaffung einer neuen Kultur, die nicht auf dem Prinzip Kampf basiert - sondern auf Verstehen und Gestalten.

In einem Satz: Nicht für Gerechtigkeit kämpfen, sondern gerecht sein.
 

Montag, 12. März 2012

Hilfe für die Menschen der Zukunft


Eine gute Nachricht: Die Vereinten Nationen planen eine Ombudsperson zu ernennen, die die Interessen künftiger Generationen vertreten soll.
In dem Zeitraum, den wir als "Gegenwart" empfinden, handelt die Menschheit leider nicht sehr verantwortungsbewusst. Wir zerstören die Natur, rotten Arten aus, bringen das Klima durcheinander, vermehren uns hemmungslos und häufen immer mehr Schulden an. Zu leiden haben darunter vor allem die Generationen, die nach uns kommen - denn die müssen den größten Teil der Rechnung zahlen.

Demnächst jedoch sollen die heute noch ungeborenen Menschen "mit am Tisch sitzen", wenn über deren Schicksal entschieden wird. Vorreiter ist dabei ausgerechnet das zuletzt wegen seiner Demokratiedefizite heftig gescholtene Ungarn. Im Budapester Parlament sitzen seit 2008 "Ombudsleute für die Zukunft", die das Recht haben, Einspruch gegen politische Vorhaben zu erheben, Gutachten in Auftrag zu geben und Einsicht in Dokumente zu verlangen. Die Vereinten Nationen haben jetzt ein ähnliches Konzept entwickelt und auf ihre Agenda für den Umweltgipfel RIO+20 gesetzt.

Natürlich hat der Plan auch Schwächen. Es besteht die Gefahr, dass dadurch neue Bürokratie entsteht, dass Posten geschaffen werden, auf denen profilierungssüchtige Politiker hauptsächlich ihre eigenen Interessen vertreten und die Steuerzahler - auch die zukünftigen - dafür zur Kasse gebeten werden. Trotzdem ist der Ansatz richtig. Wir müssen endlich eine Politik betreiben, von der alle Menschen profitieren, nicht nur diejenigen, die heute das Wahlrecht besitzen. Die Einsetzung einer Ombudsperson - besser noch die Schaffung einer Ombudsbehörde - ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Bewusstsein.     


Dienstag, 6. März 2012

Filmkritik - Dschungelkind - auf DVD


Inhalt:

Die achtjährige Sabine (Stella Kunkat) reist mit ihren Eltern nach West-Papua, wo ihr Vater als Missionar und Sprachforscher arbeiten möchte. Natürlich kann man derartige Studien nicht in einer modernen Großstadt betreiben, deshalb werden sie tief in den Dschungel gebracht. Die Familienmitglieder reagieren unterschiedlich auf die Situation. Der Vater (Thomas Kretschmann) hat zunächst ein wissenschaftliches Interesse an dem fremden Volk, er hält Abstand zu den Menschen, weil er der Ansicht ist, man solle sich nicht in deren Kultur einmischen. Die Mutter (Nadja Uhl) hält ebenso Abstand, weil sie mit den Traditionen und Riten nicht zurechtkommt. Nur der offenen und lebensfrohen Sabine gelingt es, Kontakt zu den Einheimischen aufzunehmen.
Dann jedoch findet die Familie einen verletzten Jungen und nimmt ihn bei sich auf. Damit geraten die Fremden in einen Konflikt zwischen zwei rivalisierenden Stämmen...

Bewertung:

Roland Suso Richter ist in erster Linie fürs Fernsehen tätig, und das merkt man diesem Film auch an. Die Dramaturgie konzentriert sich sehr auf die Konflikte zwischen den Personen, hat stellenweise den Charakter eines Kammerspiels. Wer darauf hofft, dass die Landschaft eine bedeutende Rolle spielt, etwa in der Art von "Jenseits von Afrika", wird enttäuscht. Die Natur dient hier nur als Kulisse.
Auffällig sind die Parallelen zu dem Film Poll , der fast gleichzeitig in unseren Kinos startete. Hier wie da wird ein Mädchen in eine fremde Kultur versetzt, und es kommt zur Begegnung mit einem Verwundeten, der anschließend gesund gepflegt wird. Möglicherweise ist damit ein neues Genre entstanden, man könnte es "Pflegefilm vor exotischer Kulisse" nennen.
Roland Suso Richter gelingt es leider nicht, dieser Konstellation neue Seiten abzugewinnen, aber immerhin liefert er solide Handwerkskunst ab. Zwei Stunden gute Unterhaltung sind nicht zu verachten.
Ebenso wie in Poll zeigen sich auch im Dschungelkind die Schauspieler in Topform, und auch hier sticht die Darstellerin des Mädchens besonders hervor. Stella Kunkat kann man eine große Zukunft vorhersagen.

Infos zur DVD:

Enthält ein Making of (sehr interessant), einen Bericht über die Premierenfeier (sehr unnötig) und einen Audiokommentar des Regisseurs.
Nicht sehr gelungen ist leider die Tonmischung auf der DVD. Die Musik ist teilweise so laut, dass man die Dialoge nicht verstehen kann.
Einen Eindruck davon gibt der deutsche Kinotrailer.


Buchkritik - Dschungelkind von Sabine Kuegler

Inhalt:

Im Alter von fünf Jahren reist Sabine Kuegler mit ihrer Familie nach West-Papua, wo ihr Vater als Sprachforscher und Missionar arbeitet. Die kleine Sabine erlebt diese ferne Land als eine Art riesigen Abenteuerspielplatz. Sie lernt dort Menschen kennen, deren Riten und Lebensgewohnheiten sie völlig unbefangen in sich aufnimmt, und eine Natur, die zum damaligen Zeitpunkt noch wild und ungezähmt ist.
Sabine verlebt einige unbeschwerte Jahre. Im Alter von siebzehn Jahren endet diese Zeit jedoch abrupt, weil sie auf ein Schweizer Internat geschickt wird. In Europa erlebt sie einen Kulturschock, in dieser fremden Welt, deren Rituale und Gewohnheiten ebenso schwer zu verstehen sind wie jene der Ureinwohner Papuas, fühlt sie sich als Außenseiterin, sehnt sich zurück in den Dschungel.

Bewertung:

Das Werk macht einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits ist es ein gut gemachtes Abenteuerbuch, das den Leser mitnimmt in eine exotische Umwelt, diese detailreich und emotional beschreibt. Der Zusammenprall der Kulturen ist zwar nicht neu, aber ebenso gut beschrieben, und auch die Sehnsucht nach der alten Heimat, die Sabine im Schweizer Internat empfindet, kann der Leser nachvollziehen.
Aber dann gibt es noch die andere Seite. Sabine Kueglers Vater hat in West-Papua für die Wycliffe Bibelgesellschaft gearbeitet. Deren Missionare betreiben nicht nur Sprachstudien, sie versuchen auch, die „Wilden“ zum christlichen Glauben zu bekehren. Die Gesellschaft für Bedrohte Völker und andere Organisationen haben sich deshalb kritisch zu dem Buch Dschungelkind geäußert.
Gerechterweise muss man aber auch sagen, dass sich Sabine Kuegler heute für das Kinderhilfswerk World Vision und die Tropenwaldstiftung Oro Verde einsetzt. Man sieht also, die Situation ist kompliziert, mit einfachen Gut-Böse-Begriffen kommt man hier nicht weiter. Jeder sollte sich am besten selbst ein Urteil bilden.