Samstag, 25. Februar 2012

Die Frau am Fenster - Lesung in Neckarsteinach

Am 03. März werde ich um 14 Uhr auf der Buchmesse in Neckarsteinach aus meinem Roman DIE FRAU AM FENSTER lesen. Wer im Großraum Heidelberg wohnt und sich für Literatur und Philosophie interessiert, sollte sich den Termin merken - ein Mehrwert ist garantiert. Die sich normalerweise anschließende Diskussion kann hier nicht stattfinden, weil jedem Autor nur 30 Minuten zur Verfügung stehen. Ich werde im Anschluss aber noch am Stand der LitOff zu finden sein.

Aus diesem Grund hier noch einmal die Kritik von Sylvia aus dem Blog Herzbücher:

Auf der Suche nach einem Geschenk für seinen Freund Flemming erwirbt der Berliner Rechtsanwalt Achim Oster einen Packen alter Fotografien. Darunter befindet sich ein Schnappschuss aus dem Jahr 1929 von einer schönen Frau, die an einem Fenster sitzt.
Um der Ursache für seine Schlaflosigkeit auf die Spur zu kommen, konsultiert Achim einen Psychotherapeuten. Dieser vermutet ein traumatisches Erlebnis in Achims Kindheit und schlägt eine Hypnose vor, um an die in seinem Unterbewusstsein abgespeicherten Informationen zu gelangen. Nach kurzem Zaudern willigt Achim ein, und Dr. Vahrenholt fördert tatsächlich einen Traum aus seiner Kindheit zutage, der sich um ein abgestürztes Flugzeug alter Bauart dreht. Allmählich kristallisiert sich heraus, dass dieser Traum Erinnerungsfetzen aus einem früheren Leben Achims birgt. Während weiterer Sitzungen durchlebt er Stationen seiner Anfang des 20. Jahrhunderts als Max Lehnfeldt geführten Existenz. Dabei begegnet er der faszinierenden Frau von dem Foto...

 Das Thema Reinkarnation ist nur eines unter mehreren Themen, die Elk von Lyck in seinem Buch behandelt. Vor allem die politischen Folgen des verlorenen 
1. Weltkrieges und die daraus für Deutschland entstandene Problematik im Allgemeinen und für Ostpreußen im Besonderen spricht er an. Damit erwähnt er Dinge, die ungemein interessant, aber kaum bekannt sind. Das wiederum wirft die Frage auf, woher Lycks Informationen stammen. Die Angabe von seinen Quellen, eventuell in einem Nachwort, wäre deshalb hilfreich gewesen.

Die große Themenvielfalt setzt eine überaus umfangreiche und sicherlich sehr zeitraubende Recherche voraus. Elk von Lyck hat wahrlich im Vorfeld seines Romans seine Hausaufgaben gemacht. Er vermittelt Wissen aus Gebieten wie Psychologie, Theologie, Architektur, Kunstgeschichte, Malerei... und selbst vor Parfümkunde macht er nicht Halt. Hierbei gelingt es ihm hervorragend, diesen zum Teil doch recht trockenen Stoff höchst unterhaltsam in den Plot zu integrieren. Auch bin ich mir sicher, dass der Autor in Vorbereitung des Buches die meisten Schauplätze bereiste, denn er navigiert wie ein Einheimischer beispielsweise durch Paris, Berlin oder das ehemalige Ostpreußen, beschreibt die Umgebung derweil sehr bildlich, manchmal allerdings ein wenig zu ausschweifend.

Die Gegenwartsgeschichte wird in `Er-Form´ aus Achims Perspektive geschildert, wohingegen die Vergangenheitsstory, obschon aus Achims Mund, so doch aus Max´ Sicht in der 1. Person, und, zur perfekten Unterscheidung, darüber hinaus in der `gegenwärtigen Zeitform´, dem Präsens, erfährt. Der Handlungsablauf ist klar strukturiert und sowohl spannend als auch nachvollziehbar gestaltet. Lebendige und intelligente Dialoge sind eine Selbstverständlichkeit.

Der anspruchsvolle Roman erlaubt es nicht, ihn auf die Schnelle mal eben nebenher zu lesen. Wort für Wort, Satz für Satz wollen verinnerlicht werden, was volle Konzentration erfordert. Dass sich die Seiten nicht im Eiltempo umblättern lassen, liegt außerdem nicht etwa an Elk von Lycks Schreibstil, denn der ist sehr flüssig, und es finden sich weder Wortwiederholungen noch Schachtelsätze, sondern an der Tatsache, dass sie ziemlich eng bedruckt sind. Den Grund erklärt der Autor auf seiner Homepage.
Lyck kommt mit einer relativ kleinen und somit übersichtlichen Besetzungscrew sowie ohne Antagonist aus. Die Charaktere, allen voran die Hauptprotagonisten Achim und Max, sind vielschichtig konzipiert. Allerdings fehlt gelegentlich die Beschreibung tiefergehender Emotionen. Überdies vermisste ich ein wenig, Romantikerin die ich bin, in Fionas und Max` Beziehung die prickelnde Komponente.

Fazit:
„Die Frau am Fenster“ ist ein anspruchsvoller, fesselnder, hervorragend recherchierter Roman mit intelligenten Dialogen, der von einem höchst talentierten Autor niveauvoll präsentiert wird. Trotz einiger geringer Mängel auf dem Unterhaltungssektor kann ich das Buch auch jenen Lesern empfehlen, die sich neben ihrer üblichen leichten Kost einmal einen etwas schwerer verdaulichen `Stoff´einverleiben möchten.

Und hier ist eine Videorezension aus dem Blog Ankas Geblubber:



Donnerstag, 23. Februar 2012

Israel und Iran - eine Rauferei unter Schuljungen

(Grafik: Wikipedia)

Wieder einmal erleben wir die Eskalation eines Konflikts. Diesmal ist es der Streit um das iranische Atomprogramm, das vermutlich auf den Bau einer Atombombe hinausläuft. Kontrolleure der Internationalen Atomenergiebehörde wollten kürzlich (22.02.12) eine wichtige Forschungsanlage besuchen, die Regierung in Teheran verweigerte ihre Zustimmung. Zuvor (13.02.) ereignete sich eine Serie von Anschlägen auf israelische Diplomaten in Neu-Dehli und Tiflis. Davor wiederum (11.01.) wurde ein iranischer Nuklearforscher bei einem Anschlag getötet.

Wir haben es hier also mit einer typischen Kettenreaktion zu tun: ein Ereignis führt zum nächsten, zum nächsten, zum nächsten... Als Auslöser dieser Reaktion wird in Medien und Politik mehrheitlich der Iran genannt, angeblich bedroht das Mullah-Regime die Sicherheit der gesamten Region. Doch ist das die ganze Wahrheit? Natürlich nicht. Wieder einmal werden wesentliche Fakten unterschlagen:

1. Der Konflikt ist auch ein religiöser Konflikt zwischen Juden, Christen und Muslimen. Die Juden und Christen, die in dieser Region ihre Interessen verteidigen, besitzen bereits Atombomben, die Muslime hingegen noch nicht. Erwarten unsere Politiker ernsthaft, dass sich die Muslime mit dieser Situation zufriedengeben?
2. Feindbild Iran. Seit 2005 regiert Mahmud Ahmadinedschad den Iran, ein extremistischer Politiker, der den Holocaust leugnet und Israel mit der Vernichtung droht. Zuvor allerdings hatte ein westlicher Politiker dem Iran mit der Vernichtung gedroht. 2002 hielt der amerikanische Präsident George Bush eine Rede, in der er Nordkorea, Iran und Irak als "Achse des Bösen" bezeichnete. Der Irak, Nachbarland des Iran, wurde 2003 von einer "Koalition der Willigen" angegriffen und in einen langen und blutigen Krieg verwickelt, der bis heute anhält.
3. Iranische Revolution. Das Mullah-Regime ist seit 1979 an der Macht. Zuvor wurde das Land von Schah Reza Pahlavi diktatorisch regiert. An die Macht gebracht und unterstützt wurde der Schah von denselben Nationen, die sich später als "Koalition der Willigen" bezeichneten.

Also auch hier haben wir es mit einer Kettenreaktion zu tun, ein Ereignis führt zum nächsten. Und es gibt immer ein "vorheriges" Ereignis, es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wer die Reaktion ausgelöst hat. Deshalb ist diese Frage auch nicht von Bedeutung. Viel wichtiger ist es, die Reaktion zu beenden. Das wiederum kann nur geschehen, indem man dem Prozess die reaktiven Stoffe entzieht.

Das heißt unter anderem:
1. Keine Diktatoren unterstützen.
2. Keine Waffen in Krisengebiete liefern.
3. Niemanden mit Atomwaffen bedrohen. 

Stattdessen:
1. Demokratische Kräfte unterstützen.
2. Hilfsgüter in Krisengebiete liefern.
3. Atomwaffen abrüsten - so wie es im Atomwaffensperrvertrag festgeschrieben ist.
       
All das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Trotzdem erleben wir es immer wieder, dass sich erwachsene Menschen wie Kinder benehmen. Sie prügeln sich auf dem Schulhof, und wenn der Lehrer kommt, um den Streit zu beenden, zeigen sie auf den jeweils anderen und sagen: "Der hat angefangen." Und was tun die anderen Schuljungen? Anstatt zu schlichten, heizen sie den Streit noch an, unterstützen mal den einen und mal den anderen. Fast schon könnte man sich amüsieren über diese lächerliche kleine Geschichte - doch diese Schuljungen besitzen die schlimmsten Waffen, die die Menschheit erfunden hat.   
 

Samstag, 18. Februar 2012

Filmkritik - Eine Insel namens Udo - auf DVD

Inhalt:

Udo (Kurt Krömer) hat ein Problem: man nimmt ihn einfach nicht wahr. In Alltagssituationen, im Berufs- und Privatleben, ständig wird er übersehen, angerempelt, beiseite geschoben. Udo versucht, das Beste daraus zu machen. Als Kaufhausdetektiv ist er brillant, denn auch die Ladendiebe bemerken ihn nicht, und weil es so schön praktisch ist, wohnt er auch gleich in einem Zelt in der Campingabteilung.
Eines Tages erscheint die Hotelmanagerin Jasmin (Fritzi Haberlandt) an seinem Arbeitsplatz. Das Unfassbare geschieht: Jasmin kann ihn sehen. Und schlimmer noch, Udo verliebt sich in Jasmin. Sie verbringen eine gemeinsame Nacht und plötzlich kann ihn jeder sehen. Statt einem hat Udo jetzt tausend Probleme, er wird Teil jener Welt, die er bisher nur von außen beobachtete...

Bewertung:

Fangen wir mit dem Positiven an. Der Film bietet viele lustige und poetische Szenen, etwa wenn Udo und Jasmin auf Rollschuhen durchs nächtliche Kaufhaus laufen. Auch kann Kurt Krömer sein Talent als Komiker hier voll ausspielen, obwohl er nicht auf die Pauke hauen darf und sich stattdessen auf das feine Glöckchen beschränken muss, Fritzi Haberlandt ist als vielfach ausgezeichnete Theaterschauspielerin ohnehin über jeden Zweifel erhaben.
Jetzt das Negative: Der  Film besteht aus vielen lustigen und poetischen Szenen, die aber keine Einheit ergeben. Es fehlen ein durchgehender Spannungsbogen, ein starker Konflikt und eine stimmige Auflösung, mehr Tempo hätte ebenfalls nicht geschadet. Ursache ist wahrscheinlich - wie bei vielen deutschen  Produktionen -, dass man zu wenig Gewicht auf die Drehbuchentwicklung gelegt hat, denn schon in dieser frühen Phase hätten die Fehler auffallen müssen. Schade, damit wurde das große Potenzial der Grundidee und der sympathischen Darsteller verschenkt.
Fazit: nette Unterhaltung, guter Durchschnitt.  

Infos zur DVD:

Leicht überdurchschnittlich. Audiokommentare von Kurt Krömer und Regisseur Markus Sehr, Making of, entfernte Szenen, Funny Takes, Featurette, Trailer.

Montag, 13. Februar 2012

Buchkritik - Das Ereignis von Jancu Sinca



Inhalt:

Ein Mann sitzt an seinem Schreibtisch, er will etwas aufschreiben. Ein Ereignis beschäftigt ihn. Er versucht es einzukreisen, bekommt es aber nicht zu fassen. Seine Gedanken schweifen ab, er träumt von einem Zug, der ihn fortbringen könnte, fort von seinem belanglosen Leben, seinem Beruf als Bibliothekar, dem nicht gelebten Traum Schauspieler zu werden und der unerfüllten Liebe zu einer jungen Frau.
Diese Frau, eine Arbeitskollegin von ihm, hat sie etwas mit dem Ereignis zu tun? Alles begann mit einem Schrei. Der Bibliothekar hörte ihn bei einem Spaziergang am Neckar. Er sah aufs Wasser hinaus, konnte jedoch niemanden entdecken. Vielleicht kam der Schrei auch aus dem Wald. Er rang mit sich selbst, sollte er der Sache nachgehen, Hilfe leisten, oder war es vielleicht nur ein Freudenschrei, ausgestoßen bei einem Spiel unter Freunden? Letztlich tat er nichts, kehrte nach Hause zurück.
Dieses Ereignis geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Hat er sich schuldig gemacht, schuldig der unterlassenen Hilfeleistung, oder ist er noch viel tiefer darin verstrickt, als er gegenüber sich selbst zugeben möchte? Zwanghaft zieht es ihn zurück an den Tatort und zurück an den Schreibtisch, er muss das Ereignis aufarbeiten...   
  
Bewertung:

Auf den ersten Blick scheint hier einer jener Regionalkrimis vorzuliegen, die seit Jahren unseren Buchmarkt überschwemmen. „Das Ereignis“ ist jedoch mehr als das, es ist ein Spiel mit der Wirklichkeit. Die grundlegende Frage lautet: Was ist wirklich geschehen? Hat das Ereignis tatsächlich stattgefunden, oder wird es nur in gedanklicher Form im Kopf des Protagonisten durchgespielt? Ist der Mann ein Künstler oder ein Verbrecher, ist er geistig gesund oder krank? Auffällig ist, dass er von sich selbst in der Du-Form spricht, was auf eine Persönlichkeitsspaltung hindeutet. Ist sie durch das Ereignis ausgelöst worden, oder hat sie bereits vorher bestanden?
Aus der einen Frage ergeben sich viele weitere Fragen, aber nicht alle finden eine klare Antwort. Vieles bleibt der Fantasie des Lesers überlassen, der dadurch angeregt wird, seine eigenen Gedanken zu entwickeln über das, was wir als Wirklichkeit bezeichnen.
Die Sprache entfaltet dabei eine hypnotische Wirkung, sie ist fein austariert und äußerst mitteilsam. Dadurch funktioniert der Text letztlich doch als Regionalkrimi, denn die Wege, die der Protagonist beschreitet, können vom Leser nachvollzogen werden, in Neckarsteinach am Neckar.
Insgesamt erinnert die Form des Textes ein wenig an Zoran Drvenkars Du, in dem der Autor seine Figuren ebenfalls sehr direkt und mit eben jenem „Du“ anredet. Wer hier an ein Plagiat denkt, liegt jedoch falsch: Sinca veröffentlichte seine Novelle fünf Jahre zuvor.        

"Das Ereignis" ist im Seidler Verlag erschienen und kostet 10,80 Euro.

Dienstag, 7. Februar 2012

Italien - Land der unschuldigen Opfer?



Der Internationale Gerichtshof hat entschieden, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht für Verbrechen haftbar gemacht werden kann, die sich während der deutschen Besetzung Italiens zwischen September 1943 und Mai 1945 ereignet haben. Zugrunde liegt ein Urteil des italienischen Kassationsgerichtshofes, wonach Deutschland den Hinterbliebenen eines Massakers der Wehrmacht in Civitella im Juni 1944 mit mehr als 200 Ermordeten Entschädigung leisten müsse.

Dieses Urteil sagt sehr viel über das Geschichtsverständnis der Italiener aus. Nicht nur die Justiz reduziert den Zweiten Weltkrieg auf die deutschen Verbrechen, das gesamte italienische Volk scheint so zu denken, wie man u.a. an dem Erfolg von Roberto Benignis Film Das Leben ist schön ablesen kann. Das Prinzip ist immer dasselbe: Man lebt friedlich vor sich hin, dann fallen die Deutschen ein und errichten ihre Schreckensherrschaft, zum Schluss werden die Deutschen von den Alliierten besiegt. Eine ehrliche und umfassende Vorgeschichte gibt es nicht. Man schweigt über vieles, z.B. darüber, dass der Faschismus in Italien entstanden ist und sich von dort aus über die halbe Welt verbreitet hat. Damit soll selbstverständlich nicht gesagt werden, die Italiener seien am Zweiten Weltkrieg und all den Verbrechen schuld, die sich in seinem Verlauf ereignet haben. Das wäre eine unzulässige Verkürzung der Geschichte, gerade diese Art des Schwarzweißdenkens bringt uns immer wieder in neue Schwierigkeiten. Stattdessen sollten wir uns darüber bewusst werden, dass die Geschichte - und somit das Leben insgesamt - ein Prozess ist, der von vielen Faktoren beeinflusst wird.

Die Vorgeschichte des Faschismus ist dazu ein lehrreiches Beispiel. Eine seiner Grundlagen wurde bereits im Jahr 1915 gelegt. Die Alliierten versprachen den Italienern im Londoner Geheimvertrag für ihren Eintritt in den Ersten Weltkrieg umfangreiche Gebietsgewinne - zu Lasten der späteren Verlierer. Um die Kriegsbegeisterung des Volkes anzuheizen, förderten Frankreich und Britannien den Extremisten Mussolini und dessen Zeitung mit erheblichen finanziellen Mitteln. Nach dem Krieg jedoch verweigerten sie Italien die meisten der vertraglich zugesagten Gebiete, Mussolini, ihren ehemaligen Verbündeten, ließen sie fallen. Inzwischen war das Land durch die Kriegsanstrengungen wirtschaftlich ruiniert, Millionen Italiener lebten im Elend. Was tut man in solch einer Situation? Man wendet sich einem Extremisten zu, der schnelle und radikale Lösungen verspricht. Und dafür bot sich vor allem einer an: Mussolini.

Leider haben wir diesen Fehler danach viele Male wiederholt. Saddam Hussein, Osama bin Laden, Gaddafi, Mubarak und viele andere Extremisten wurden - zumindest zeitweise - von den westlichen Nationen unterstützt. Die Folgen dieser Politik waren und sind verheerend. Wenn wir wirklich aus der Geschichte lernen wollen, müssen wir sie vollständig betrachten - ohne Scheuklappen und Vorurteile. Wir sollten sie nicht als Projektionsfläche für unsere Angst und unsere Wut missbrauchen und auch nicht dafür, um schnelles Geld zu machen.

Lesen Sie in diesem Zusammenhang bitte auch meine Posts zu den Themen amerikanische Rüstung und deutsche Waffenlieferungen.
   

Mittwoch, 1. Februar 2012

Filmkritik - Drive


Inhalt:

Er hat keinen Namen, und er ist ein Einzelgänger (und wird gespielt von Ryan Gosling). Tagsüber arbeitet der Driver als Mechaniker und Stuntman, nachts verkauft er sein Talent an die Unterwelt. Fünf Minuten - so viel Zeit hat jeder Gangster für seinen Überfall. Wenn die Zeit abgelaufen ist, fährt der Driver los - mit oder ohne Fahrgast. Weil er sich dabei nicht allein auf seine Fahrkünste verlässt, sondern zur Sicherheit auch den Polizeifunk abhört, wurde er bislang noch nie geschnappt.
Einer Person kann er jedoch nicht entkommen: seiner Nachbarin Irene (Carey Mulligan). Es beginnt harmlos, Irenes Auto hat einen Motorschaden, der Driver bringt sie nach Hause. Dummerweise ist Irene mit einem Mann namens Standart verheiratet, der der albanischen Mafia viel Geld schuldet. Um Irene zu beschützen, bietet der Driver an, Standart bei einem Überall auf ein Pfandhaus zu helfen. Der Plan scheint zu gelingen, Standard hält die Fünf-Minuten-Regel ein. Dann aber wird er erschossen, und der Driver hat plötzlich eine Million Dollar im Auto und die Mafia auf den Fersen.

Bewertung:

Achtung: Der Film ist ab 18 Jahren freigegeben, und das hat seinen Grund. Der Einfluss von Quentin Tarantino macht sich unangenehm bemerkbar, seit dem Erfolg von PULP FICTION werden Actionfilme immer brutaler. Heute reicht es nicht mehr aus, wenn Menschen einfach nur verprügelt werden, in diesem Film droht der Hauptdarsteller (nicht der Bösewicht!) einem Menschen an, ihm mit einem Hammer eine Kugel in den Kopf zu schlagen - und das eigentliche Blutbad kommt erst noch. Die Verrohung unserer Alltagskultur schreitet voran.
Daneben hält DRIVE aber auch einige sehr schöne ruhige Momente bereit, die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptpersonen erlebt man in dieser Intensität sonst nur im Arthouse-Kino.
Herausragend ist auch die Bildsprache des Films. Ästhetische Bilder sieht man regelmäßig im modernen Kino, oft jedoch in einer Monotonie, die an Werbeblöcke im Fernsehen erinnert. Hier hingegen sitzt jeder Licht- und Schatteneffekt, Gefühle von Einsamkeit und Verlorenheit werden durch kühle Farben und karge Szenerien vermittelt.    
DRIVE ist somit eine gelungene Kombination aus hartem Actionfilm und Drama und hat mit Recht den Regiepreis in Cannes gewonnen.   

Hier ist der Link zum deutschsprachigen Trailer