Sonntag, 29. Januar 2012

Antisemitismus? Dummes Geschwätz!


Am 27.01. wurde der Holocaust-Gedenktag begangen. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, selbst polnisch-jüdischer Abstammung, sprach vor dem deutschen Bundestag, berichtete von der Umsiedlung und Vertreibung der Warschauer Juden, die nur ein Ziel hatte, "den Tod." Bundestagspräsident Norbert Lammert wollte den großen und schaurigen Worten nicht nachstehen, nannte die Erinnerung an die Opfer einen "immerwährenden Auftrag", der Holocaust ermahne dazu, "dass alle Menschen frei, gleich und ohne Angst leben dürfen."

Es war wie eine vertauschte Weihnachtsansprache des Bundeskanzlers, jedes Jahr dasselbe, kaum jemand merkt es, wenn man die Aufzeichnung des letzten Jahres wiederholt. Also ein unwichtiges Ritual, begangen von Politikern und Medienleuten?

Nein, leider nicht. Denn die unreflektierte Wiederholung von Gedanken und Gefühlen führt dazu, dass sich die Ereignisse - in anderer Form - wiederholen. Ein gutes Beispiel ist die Studie zum Thema Antisemitismus, die kurz zuvor veröffentlicht wurde und auf die Lammert in seiner Rede hinwies. Nach Ansicht so genannter "Experten" sind judenfeindliche Einstellungen in der deutschen Gesellschaft in "erheblichem Umfang" verbreitet, angeblich sind 20 Prozent der Bevölkerung latent antisemitisch eingestellt. Als Beleg dafür nennen sie u.a. Parolen wie "Juden gehören in die Gaskammer", die - nach Expertenmeinung - auf Tribünen deutscher Fußballplätze erschallen würden, und das Schimpfwort "Jude", das an deutschen Schulen vielerorts fast schon zum Allgemeingut gehören würde. Und dafür gibt man Steuergeld aus!

Würde man denselben Experten Geld dafür geben, dass sie eine Studie zum Thema Islamfeindlichkeit erstellen, kämen sie gewiss auf ähnliche Ergebnisse. Und bei den Themen Ausländer-, Frauen- und Behindertenfeindlichkeit wäre es nicht viel anders, ebenso wie bei der Frage, ob von  der bayrischen Weißwurst eine Gefahr für Europa ausgeht. Vermutlich sind 20 Prozent der Bevölkerung latent weißwurstfeindlich - wir wissen es nur noch nicht.
Mit anderen Worten: Wer das Geld gibt, bekommt das - bewusst oder unbewusst - gewünschte Ergebnis. Die "Experten" werden schließlich nicht ihre eigenen Arbeitsplätze gefährden. So wie auch die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes nicht daran interessiert sind, dass sich die NPD selbst auflöst. Oder so wie auch Hersteller von Waffen kein Interesse am Frieden haben.

Natürlich wird "Jude" an deutschen Schulen als Schimpfwort gebraucht. Aber doch nur, weil es eine Wirkung erzielt, weil der Benutzende weiß, dass man sich darüber aufregen wird. Er könnte auch ebenso Christ, Muslim, Atheist oder Weißwurst sagen. Würden Leute wie Norbert Lammert sich über das Wort "Weißwurst" aufregen, würde man es jeden Tag auf Schulhöfen hören.

Ursache und Wirkung sind miteinander verbunden. Wer ohne Angst leben will, muss die Angst in sich selbst auflösen.        

Sonntag, 22. Januar 2012

Buchkritik - Der Höllenmaschinist - jetzt auch als E-Book


Heute mal in eigener Sache. Geschrieben habe ich DER HÖLLENMASCHINIST als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 - inzwischen bahnt sich eine neue Finanzkrise an, die noch schlimmer zu werden droht. Dabei ist der Stoff keineswegs neu. Meine Erzählung basiert auf dem mittelalterlichen Mysterienspiel JEDERMANN und handelt vom Sterben eines reichen Mannes, der die Bilanz seines Lebens zieht. Die bekannteste Bearbeitung stammt zweifelsohne von Hugo von Hoffmannsthal und wird alljährlich mit großem Erfolg bei den Salzburger Festspielen aufgeführt. Allerdings ist Hoffmannshals Version sehr stark vom katholischen Glauben geprägt - meine Version hingegen ist aus einer ganzheitlichen Perspektive geschrieben und ist deshalb auch interessant für Protestanten, Muslime, Juden, Buddhisten, Atheisten, Agnostiker usw.

Lesen Sie dazu bitte die Kritik von Michael Kreisel von inkultura-online:


Alle Entscheidungen, die der Mensch im Lauf seines Lebens trifft, haben Konsequenzen. Für ihn selber, viel mehr aber noch für diejenigen, die direkt oder indirekt damit konfrontiert werden. Die Wahl einer Möglichkeit bedeutet gleichzeitig die Abwahl anderer Wahrscheinlichkeiten. Jedes Individuum befindet sich automatisch in einem Spannungsfeld, dessen Wirkung nicht zuletzt auch von anderen, uns gänzlich unbekannten Personen beeinflusst wird.
Es scheint ein verborgenes Gesetz der Natur zu sein, dass der Mensch bei existenziellen Krisen oftmals versucht, Sinn in seinem Leben zu finden, sich die Momente von Freud und Leid, Siegen, Niederlagen oder gar persönlichen Katastrophen noch einmal vor seinem inneren Auge abspielen kann. Diese Rückschau, justiziabel durch den strengsten Richter, den es für einen Menschen gibt - das eigene, normalerweise durch externe Einflüsse verborgene Wissen um richtig und falsch - kann zu einem Moment der Erleuchtung führen, der alles Materielle gleichsam auf Null zurücksetzt und nur noch die Handlungen des Individuums zum Maßstab macht.
Elk von Lyck hat sich in seinem Buch Der Höllenmaschinist mit dieser existenziellen Sinnfrage beschäftigt. Ein Mann, Peter Smit, wohlhabend und erfolgreich, liegt nach einem Unfall auf der Intensivstation eines Krankenhauses und kämpft um sein Leben. Einsam, hilflos und an medizinische Apparate angeschlossen, werden ihm noch einmal Momente seines Lebens vor Augen geführt. Eine mysteriöse Frau, Helena, begibt sich mit ihm zusammen zurück in die Vergangenheit.
Die materielle Fassade bröckelt zusehends auseinander und übrig bleiben die von anderen Menschen zu tragenden Konsequenzen seiner Entscheidungen. Jack, der nach langer Arbeitslosigkeit Selbstmord begeht, Leroy, der niemals eine wirkliche Chance hatte und Hassan, der im dritten Golfkrieg in den Trümmern seines zerstörten Panzers starb. Sie alle waren Mitspieler in einem Geflecht menschlicher Beziehungen und Entscheidungen, die das Pech hatten auf der Seite der Verlierer zu stehen.
Doch auch der vermeintliche Gewinner, Peter Smit, der scheinbar sowohl im Berufs- als auch Privatleben alles richtig gemacht hat, ist ein Verlierer. Seine Argumente über den Verlauf der Dinge erweisen sich schnell als eine unreflektierte Selbstbeschwichtigung zur Abwehr unbequemer Fragen.
Elk von Lyck nutzt die Erinnerungen Peter Smits als Versatzstücke und konstruiert daraus ein Geflecht aus Selbstzufriedenheit, die letzten Endes jedoch nur den Ausdruck eines verfehlten Lebens darstellt. Alle, Peter, Jack, Leroy und Hassan waren Puppen in einem Netz aus Abhängigkeiten, die zwar aus ihrer jeweiligen individuellen Situation das Logische und Richtige, teilweise sogar das Unvermeidliche getan haben, damit jedoch gescheitert sind.  
Die Episoden dieser Personen sind ein Beleg dafür, dass sich Geschichte, wenn sie nicht hinterfragt wird, immer wiederholt. Verletzte Gefühle, Oberflächlichkeit, ethische Blindheit, Egoismus und die Gier nach Ansehen, Wohlstand und Reichtum sorgen für die Perpetuierung des Status quo. Besteht Hoffnung? Aus jeder Ohnmacht, aus jedem Traum kann man erwachen. Die Vergangenheit ist zwar irreparabel, doch die Zukunft kann verändert werden. Zum Besseren? Das hängt von den Träumenden ab.

Meine Bewertung:Bewertung      Fünf von fünf Punkten.

Ende der Kritik.

Unter diesem Link finden Sie eine Videokritik meiner Werke.

DER HÖLLENMASCHINIST als E-Book für EUR 6,49 u.a. beim Kindle-Shop von Amazon erhältlich.
Weiterhin auch als gedrucktes Buch lieferbar. 104 Seiten für EUR 7,90 u.a. bei Amazon.

Donnerstag, 19. Januar 2012

50 Jahre James Bond - kein Grund zum Feiern


Im Januar 1962 begannen auf der Insel Jamaika die Dreharbeiten zu Dr. No - dem ersten James-Bond-Film. Derzeit bereitet man unter dem Titel Skyfall den 23. und gewiss nicht letzten Film vor. Damit sind die Abenteuer des britischen Geheimagenten die am längsten laufende und kommerziell erfolgreichste Filmreihe der Welt. Leider - muss man sagen, denn die britisch-amerikanischen Produzenten verbreiten ein primitives Menschenbild, das überall auf der Welt, insbesondere unter jungen Menschen eine negative Wirkung entfaltet.

Worum geht es in der Reihe? Vordergründig um einen Superhelden, der das Böse bekämpft und dem Guten zum Sieg verhilft. Um dieses Ziel zu erreichen, ist Bond mit viel Geld, schnellen Autos und Waffen aller Art ausgestattet. Und: Er besitzt die Lizenz zum Töten. Wenn er auftritt, fallen seine Gegner reihenweise tot um - und Frauen fallen reihenweise in sein Bett. Das Ganze ist natürlich nicht ernst gemeint, Bond ist eine literarische und eine filmische Figur. Dennoch werden über Bücher und Filme Inhalte verbreitet, Gefühls- und Gedankenmuster werden eingeübt, bewusst und unbewusst.

Welche Inhalte überträgt die James-Bond-Reihe?
1. Das Prinzip Spaltung.
Die Welt ist gespalten in einen guten und einen bösen Teil. Der Geheimagent und seine Auftraggeber stehen auf der Seite des Guten, also auf der Seite des Westens, des Kapitalismus, der Freiheit, der Gerechtigkeit usw. Die anderen stehen auf der Seite des Bösen, also auf der Seite des Kommunismus, des Terrorismus, des Faschismus, der Unfreiheit, der Ungerechtigkeit usw.

2. Das Prinzip Kampf.
Die beiden Seiten bekämpfen einander, wobei die Bösen selbstverständlich immer angefangen haben und immer schuld sind. In jedem Film gibt es einen Schurken, der die Welt erpressen, versklaven oder vernichten will. Weil die Bedrohung so gewaltig ist, ist in diesem Kampf alles erlaubt. Bond darf spionieren, einbrechen, verführen, stehlen und morden, er darf einen Menschen töten und er darf hunderte Menschen töten, denn alles geschieht im Namen des Guten.

Was bewirkt das beim - vor allem jugendlichen - Publikum?
1. Angst entsteht.
Menschen, die immer wieder an das Prinzip Spaltung erinnert werden, halten irgendwann selbst Ausschau nach dem Guten und dem Bösen, dem Wertigen und dem Minderwertigen in ihrer Welt. Und sie werden fündig. Sie entdecken Mitmenschen, die andere Überzeugungen haben als sie, die anders aussehen, andere Sprachen sprechen usw. Damit bestätigt sich - scheinbar - das Prinzip.

2. Kritisches Denken wird vermieden.
Zu Beginn jedes Bond-Films bekommt der Geheimagent einen Auftrag von seinem Chef M. Bond hinterfragt diesen Auftrag nicht. Er fragt nicht, was den Schurken dazu bringt, die Welt zu bedrohen. Vielleicht ist er in einer Welt aufgewachsen, in der es legitim ist, die eigenen Überzeugungen mit Gewalt durchzusetzen. Bond fragt auch nicht, was die Helfer des Schurken dazu bringt, bei dem Plan mitzuwirken. Vielleicht ist einfach nur die nackte Existenznot. Bond tut das, was man von ihm erwartet, er führt den Auftrag aus und tötet seine Gegner.

Und so folgt auf den 23. Film der 24. Film. Und in der wahren Welt folgt auf eine Krise die nächste Krise. Auf den Kampf gegen den Kommunismus folgt der Kampf gegen den Islamismus. Was kommt als nächstes? Fragen Sie M.

Sonntag, 15. Januar 2012

Iranisches Atomprogramm - ist alles erlaubt?



Am 11.01.12 ist der iranische Nuklearforscher Mostafa Roschan in Teheran bei einem Anschlag ums Leben gekommen. Nach Berichten von Augenzeugen deponierten zwei Motorradfahrer zuvor einen Sprengsatz unter dem Auto des Universitätsprofessors. Die iranische Regierung macht den israelischen Geheimdienst für das Attentat verantwortlich. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht, vielleicht wird niemals herauskommen, wer die Morde (laut Nachrichtenagentur Reuters wurde noch eine zweite Person getötet) in Auftrag gegeben hat. Da jedoch bereits mehrere Wissenschaftler eines gewaltsamen Todes starben, gelten ausländische Geheimdienste als wahrscheinlichste Verursacher.

Wenn man die internationalen Kommentare verfolgt, findet man viel Zustimmung für dieses Vorgehen. Der Iran wird allgemein als "Schurkenstaat" betrachtet, der mit seinem Atomprogramm die gesamte Region, insbesondere Israel bedroht. Richtig ist, dass das Land am Golf undemokratisch regiert wird und - wahrscheinlich - neben seinem zivilen Kernforschungsprojekt auch eine eigene Atombombe entwickelt. Doch ist das wirklich die ganze Wahrheit?

Keineswegs. Wenn man etwas genauer hinschaut, entdeckt man weitere Ursachen für die Eskalation der Lage. Es gibt bereits mehrere Mächte, die in der Region aktiv sind und Atomwaffen besitzen, allen voran Israel. Laut Schätzungen besitzt der jüdische Staat zwischen 100 und 400 Sprengköpfe. Die USA haben vermutlich 9400 Sprengköpfe in ihren etwas weiter entfernten Arsenalen, die ehemaligen "Schutzmächte" Britannien und Frankreich 185 bzw. 300 Stück. In Tel Aviv kann man sicher gut schlafen, wenn man weiß, dass im Falle eines großen Krieges die eigenen Truppen oder die Verbündeten die Stadt Teheran einfach so von der Landkarte radieren könnten. Aber was ist, wenn man in Teheran lebt?

Auch müssen sich Israelis, Amerikaner, Briten und Franzosen die Frage gefallen lassen, ob sie damit einverstanden wären, wenn ein ausländischer Geheimdienst nach eigenem Gutdünken "böse" Menschen auf ihrem Territorium töten würde? Diese Menschen bekommen keinen gerechten Prozess, sie erfahren nichts von der Anklage, die gegen sie erhoben wird, dürfen sich nicht rechtfertigen, keine Beweise für ihre Unschuld vorlegen und keine Zeugen benennen.

Die westlichen Nationen gönnen sich selbst Demokratie, Menschenrechte und Sicherheit - ihren Feinden verweigern sie dies jedoch. Dadurch entsteht eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: "Schurkenstaaten" werden bedroht und bekämpft, Angst und Wut breiten sich aus, politische und religiöse Extremisten profitieren davon, Gemäßigte und Oppositionelle leiden darunter.

Es ist an der Zeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Frieden! Für alle! Jetzt!     



Donnerstag, 12. Januar 2012

Filmkritik - Der ganz große Traum - auf DVD




Dieses Jahr findet in Polen und der Ukraine die Fußball-Europameisterschaft statt (Nebenbei bemerkt: Wir holen den Titel !!!). Zur Einstimmung empfehle ich diesen Film. Er verdient zwar ein paar gelbe Karten, ist aber insgesamt recht gelungen.

Inhalt:

Deutschland 1874. Der junge Lehrer Konrad Koch (Daniel Brühl) wird an ein Braunschweiger Gymnasium versetzt, wo er Englisch unterrichten soll. Um die Schüler für die fremde Sprache zu begeistern, setzt er ein ungewöhnliches Hilfsmittel ein: den Fußball. Diese noch weitgehend unbekannte Sportart hat er selbst bei einem Aufenthalt auf der Insel kennengelernt. Während er seinen Schülern die Grundlagen des Spiels beibringt, konfrontiert er sie nebenbei mit den Regeln des „Fairplays“.
Der sonstige Lehrkörper ist hoch konservativ. Doktor Jessen will die Schüler im Geiste des Turnvaters Jahn drillen, für Doktor Bosch besteht die Geschichte aus einer Abfolge ruhmreicher Schlachten fürs Vaterland, wobei er schon die nächste vorbereitet, der Pfarrer gibt dazu seinen Segen, und der Vorsitzende des Fördervereins kennt auch nur Zucht und Ordnung. All diese Herren sehen in dem neuen Spiel - das sie abfällig als Fußlümmelei bezeichnen - einen Angriff auf Sitte und Moral, den sie zurückzuschlagen gedenken.
Den Versuch, Koch aus seinem Amt zu entfernen, parieren jedoch dessen Schüler...       

Bewertung:

Schon diese kurze Inhaltsbeschreibung macht deutlich, dass der Film eine Reihe von Klischees abarbeitet. Die Deutschen sind fast alle einfältig und böse, die Rettung kommt wieder einmal aus dem Ausland, in diesem Fall aus England. Zum Gähnen.
Dass die Briten damals keinesfalls die Regeln des Fairplays einhielten, zeigt ein rascher Blick in die Kolonien. Beispielsweise wurde Ende des 19. Jahrhunderts die Urbevölkerung von Tasmanien vollständig ausgerottet. Doch darüber schweigen die Briten bis heute - und darüber schweigt auch der Film.
Abgesehen davon ist er jedoch kurzweilig und unterhaltsam. Daniel Brühl spielt sehr sympathisch, und auch die gesamte Kinderschar zeigt sehr gute Leistungen. Das ist überhaupt ein interessanter Aspekt des jüngeren deutschen Films, der Beachtung verdient. Auch in Filmen wie Poll oder Dschungelkind treten viele hervorragende Jungdarsteller auf, die die Erwachsenen teilweise an die Wand spielen. Wenn nur die Geschichten nicht so eindimensional wären...
Hoffen wir, dass sich die junge Generation davon nicht blenden lässt und selbst einmal bessere Filme inszeniert.


Infos zur DVD:

Recht ordentlich. 30-minütiges Making Of, Audiokommentare, entfallene Szenen, Outtakes und Bildergalerie. 




Mittwoch, 4. Januar 2012

Über Krieg und Frieden

Boeing-Drohne mit Kamera "Argus-IS"

Oops!... We did it Again! Ein neues Jahr hat begonnen, und die Amerikaner machen weiter wie bisher. Washington will seine Verbündeten im arabischen Raum mit milliardenschweren Waffenlieferungen unterstützen. Saudi-Arabien soll Kampfflugzeuge des Typs F-15 im Wert von 30 Milliarden Dollar erhalten, der Irak soll für 11 Milliarden Dollar Kriegsmaterial geliefert bekommen. 
Auch andere Länder werden mit US-Waffen beglückt, jedoch ohne dass sie selbst darüber verfügen dürfen. Über Afghanistan sollen demnächst Drohnen von Boeing kreisen, die mit dem neuen Argus-IS-Kamerasystem ausgerüstet sind. Es besitzt 368 Bildsensoren, zusammen erbringen sie eine Auflösung von 1,8 Gigapixeln. Damit soll es möglich sein, in einem Umkreis von bis zu 7 Kilometern bis zu 65 Objekte oder Personen gleichzeitig zu überwachen.

Wieder einmal stellt sich die Frage: Warum machen die das? Und wieder einmal lautet die Antwort: Um a) den Frieden zu sichern und b) den Krieg zu gewinnen.
Und wieder einmal ist beides falsch.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Waffenlieferungen das Pulverfass Persischer Golf nicht sicherer machen. Erst kürzlich hat der Iran damit gedroht, die Straße von Hormus abzuriegeln und damit den Ölexport aus der Region zu unterbinden. Nun könnte man damit argumentieren, das Mullah-Regime in Teheran trüge die Alleinschuld an der verfahrenen Situation. Das ist jedoch nicht richtig, die westlichen Staaten, allen voran die USA haben über Jahrzehnte hinweg immer wieder in die Geschicke dieser Region eingegriffen, meist mit negativen Folgen. Exemplarisch steht dafür die Operation Ajax, mit welcher der britische und der amerikanische Geheimdienst 1953 versuchten, den demokratisch gewählten Premier Mossadegh zu beseitigen. Unter den Nachwirkungen dieser Aktion leidet das Land bis heute.

Kurios erscheint in diesem Zusammenhang der Einsatz des Argus-IS-Systems.
1,8 Gigapixel - eine solch hohe Auflösung wurde bisher nicht erreicht. Aber was sehen die Bediener dieses Systems? Nicht mehr, als sie auch mit einer Stummfilmkamera, einem Fernrohr oder einem Monokel sehen würden. Sie sehen Freunde und Feinde, gute und böse Menschen. Die einen werden mit Bomben beliefert, die anderen mit Bomben beworfen - und bald darauf werden die Rollen getauscht. So wird kein Friede gesichert und kein Krieg gewonnen.

Wer in Frieden leben will, muss selbst friedlich sein. Kriege werden beendet, aber nicht gewonnen. Von einem Gewinn kann man nur sprechen, wenn ein Mehrwert entsteht, wenn Leben geschützt, bereichert oder entwickelt wird. Die jüngsten Kriege im Irak und Afghanistan hingegen haben mehrere Hunderttausend Tote und Verletzte gefordert. Gewinne machen allenfalls die Hersteller von Waffen und Munition. Eine ganz einfache Erkenntnis - vielleicht wird sie sich im Jahr 2012 endlich durchsetzen.