Donnerstag, 20. Dezember 2012

Amoklauf von Newtown, versuchter Terroranschlag, Islamisierung - Ursachen und Auswege


Schlechte Nachrichten beherrschen unsere Medien. In Newtown im US-Bundesstaat Connecticut richtete ein Amokläufer ein Blutbad an, zwanzig Kinder und sieben Erwachsene verloren ihr Leben. Mehr Glück hatten die Reisenden auf dem Bonner Bahnhof. Ein dort geplanter Anschlag kam nicht zustande, weil die Bombe nicht zündete. Etliche Tote und Verletzte forderten die Unruhen in Ägypten. Auslöser war der Versuch der Muslimbrüder, dem Land eine islamistisch geprägte Verfassung aufzuzwingen.

Wieder einmal müssen wir uns fragen: Lernt die Menschheit denn nie aus ihren Fehlern? Ist kein Fortschritt möglich?

Die Antwort lautet: Selbstverständlich ist Fortschritt möglich. Terror und Extremismus können jederzeit beendet werden. Wir müssen nur endlich den nächsten Schritt vollziehen – von der kindlichen zur erwachsenen Zivilisation. Bislang haben wir uns wie Kinder benommen, wie ängstliche und wütende Kinder, die die Welt um sie herum nicht verstehen und keine Hilfe annehmen wollen. Bezeichnend ist, was die Lehrerin Kaitlin Roig während des Amoklaufs zu ihren Schülern sagte: "Das sind böse Leute draußen. Wir müssen warten, bis die guten kommen." (Quelle: Spiegel online vom 16.12.12) Auf diesem Niveau wird leider nicht nur zu Kindern gesprochen, sondern auch zu so genannten "Erwachsenen".

Damit ist das Dilemma im Grunde schon beschrieben. Wir haben die Grundprinzipien des Lebens nicht verstanden. Sie lauten folgendermaßen:
1. Das Leben ist ein Prozess.
2. Das menschliche Leben basiert auf Gefühlen.

Beginnen wir mit Punkt zwei: Gefühle als Grundlage unseres Seins. Amokläufe, Terroranschläge sowie politischer und religiöser Extremismus sind nicht die Folge vernünftiger Überlegungen, sondern sie entstehen aus übersteigerter Angst und Wut. Menschen fühlen sich ohnmächtig, beleidigt, bestohlen, bedroht und unterdrückt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Ursache real oder eingebildet ist. Der Amokläufer von Newtown war vermutlich psychisch krank, er lebte in einer Wahnwelt, die von bösen Menschen regiert wird, und sah als letzten Ausweg nur die Tötung seiner Feinde, ihrer Angehörigen und schließlich den Selbstmord.
Die islamischen Fundamentalisten sind mehrheitlich gewiss nicht psychisch krank. Aber auch sie sehen sich von bösen Menschen bedroht, wobei der Begriff „böse“ in ihrer Kultur meist  mit „ungläubig“ übersetzt wird. Sicherheit verspricht nur eine radikale Auslegung des Islam.

Punkt eins: der Prozess. Das Leben basiert nicht auf dem Prinzip Trennung – in gut und böse, richtig und falsch, gläubig und ungläubig. Das Leben ist ein einheitlicher Prozess, bei dem jeder das herausbekommt, was er eingibt. In den USA beispielsweise sind Waffen leicht erhältlich. Amokläufern wird es dadurch leicht gemacht, ihre Taten zu begehen. Ursache für die laxen Waffengesetze ist wiederum Angst. Waffen versprechen Sicherheit – und erzeugen dadurch neue Angst. Ein Kreislauf, der von den Medien angefeuert wird. Film und Fernsehen, Internet, Computerspiele und Nachrichten enthalten immer mehr Gewalt, sogar Kinder werden bombardiert mit Bildern von Kriegen und Verbrechen. Die Gewalt ist in der Regel unreflektiert, es werden lediglich die Folgen der Taten gezeigt, nicht jedoch deren tiefere Ursachen. Eine echte Problemlösung ist somit nicht möglich.
Der ägyptische Diktator Mubarak wurde jahrelang vom Westen unterstützt, er bekam wirtschaftliche und militärische Hilfe im Wert von vielen Milliarden Euro. Diese Hilfe kam jedoch nicht dem gesamten Volk zugute, sondern floss größtenteils in die Taschen von Mubaraks Familienclan und einer kleinen Führungsschicht. Zugleich sahen sich Millionen Ägypter von Armut und Gewalt bedroht. Die Fundamentalisten hatten somit leichtes Spiel, sie mussten die Angst und die Wut nur auf entsprechende Feindbilder lenken.

Welche Auswege bieten sich?

1. Wir sollten uns unserer Gefühle bewusst werden. Es gibt keinen Grund Angst zu haben oder wütend zu sein, denn es gibt keinen Feind. Das Böse existiert nicht, es ist lediglich ein Zerrbild von uns selbst.

2. Wir sollten den Prozess bewusst gestalten. Das heißt, negative Energien wie Waffen oder gewalttätige Medien reduzieren. Stattdessen positive Energien wie psychologische Hilfen und reflektierende Medien stärken.
Und eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass wir Diktatoren wie Mubarak, Saddam Hussein, Gaddafi usw. nicht unterstützen.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang unser Verhältnis zur Geschichte. Bis heute hat keine ehrliche Aufarbeitung des Faschismus stattgefunden, die bisherigen Publikationen zu diesem Thema sind einseitig und unvollständig, auch sie sind von Angst und Wut getrieben. Auch deshalb werden die Fehler der Vergangenheit ständig wiederholt. 

Der nächste Schritt ist leicht zu vollziehen. Wir müssen ihn bloß wagen. 


Weitere Informationen zu den Grundprinzipien des Lebens finden Sie in meinem Sachbuch Die Fischnetz-Theorie.

In meinem Roman Die Auswerterin - oder Das Ende von Auschwitz erleben Sie die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel und erfahren Dinge, von denen die meisten Menschen bisher nichts wussten.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Klimakatastrophe, Finanzkrise und Wiedergeburt - ein Ausweg


Kopenhagen, Cancun, Durban, Doha... Wieder ist eine UN-Klimakonferenz zu Ende gegangen, und wieder ist nicht viel herausgekommen. Das Kyoto-Protokoll wird bis 2020 verlängert, ein weltweites Abkommen zum Klimaschutz ist auf 2015 verschoben. Dabei ist das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung von CO2 ohnehin nur ein windelweicher Kompromiss, dem sich große Wirtschaftsnationen wie die USA, Kanada, China und Indien nicht angeschlossen haben.
Wie geht es dem Klima in der Zwischenzeit? Es wird wärmer. Eine neue Studie vom norwegischen Forschungsinstitut Cicero deutet darauf hin, dass das Ziel von zwei Grad Erwärmung nicht zu halten ist, wahrscheinlich werden es fünf Grad. Mögliche Folgen sind ein Abschmelzen von Gletschern und Polkappen, ein dramatisch steigender Meeresspiegel, Dürren sowie weltweite Migrationsströme.

Der Klimawandel ist jedoch nicht das einzige große Problem der Menschheit, ebenso bedrohlich erscheint die weltweite Schuldenkrise. Auch hier sind neue Höchststände zu vermelden. Die Staatsverschuldung Deutschlands beträgt mehr als zwei Billionen Euro, der offiziell ausgewiesene Schuldenstand liegt mit 81 Prozent des Bruttoinlandsproduktes deutlich über der in der EU zulässigen Grenze von 60 Prozent. Rechnet man die versteckten Schulden (Forderungen der Sozialsysteme) hinzu sind es sogar 136 Prozent. Und damit sind wir noch keineswegs die Könige der Schuldenmacher. In den USA beträgt die offizielle Schuldenlast 16 Billionen Dollar (110 Prozent des BIP), einschließlich der versteckten Schulden sind es vermutlich weit mehr als 100 Billionen Dollar, was über 1.300 Prozent des BIP entspricht (Quellen: Europäische Kommission, AMECO Database, Eurostat, Stiftung Markwirtschaft).

Mit anderen Worten: Wir hinterlassen den folgenden Generationen schier unlösbare Probleme.

Was kann man dagegen tun? Politische Lösungen gibt es nicht. Demokratie funktioniert nicht. Das zeigen sowohl die Klima- als auch die Schuldenkonferenzen. Probleme werden bestenfalls vertagt, aber nicht gelöst.
Der Klimawandel wird vermutlich erst in 50 oder 100 Jahren seine schlimmsten Auswirkungen zeigen. Bis dahin sind diejenigen, die ihn verursacht haben, längst tot. Der Zusammenbruch des Weltfinanzsystems wird vermutlich ebenfalls noch einige Jahrzehnte auf sich warten lassen. Bis dahin sind diejenigen, die die Schulden aufgenommen haben, ebenfalls längst tot. Also warum sollten sich die Verursacher der Probleme um deren Folgen kümmern? Wer in 50 oder 100 Jahren auf der Erde lebt, wer heute noch nicht einmal geboren ist, hat kein Wahlrecht. Keine Stimme, keine Rechte. 

Deshalb müssen wir völlig neue Wege beschreiten. Wir brauchen einen umfassenden Bewusstseinswandel. Wie kann man einen Menschen dazu bringen, Verantwortung für spätere Generationen zu übernehmen? Indem man ihn davon überzeugt, dass er selbst ein Mensch der Zukunft ist. Ein tollkühner Gedanke, der sich aber näher erläutern lässt. Alles deutet darauf hin, dass wir nicht von unserer Umwelt getrennt, sondern Teil einer großen Einheit sind. Für diese große Einheit gibt es viele Namen: Universum, Multiversum, Natur, Gott, Weltseele, Alles-was-ist... Jede Kultur hat Vorstellungen darüber entwickelt, auch in der Wissenschaft finden sich Theorien dazu.   

Entgegen unserer Wahrnehmung ist das Leben keine Entwicklung von A nach B, alle Dinge und Ereignisse existieren parallel nebeneinander. Das Leben ist ein Netzwerk, das niemals kleiner oder größer wird, sich aber selbst immer wieder neu erfährt. Alles was darin geschieht, hat Auswirkungen auf das gesamte Netzwerk. Der beste Beweis ist der Klimawandel selbst. Auch die kleinste Menge Treibhausgas beeinflusst das Klima, nicht nur am Ort der Erzeugung. Solche Gase zu emitieren, ist weder gut noch böse, weder richtig noch falsch. Es ist einfach das, was wir tun.

Das Prinzip des Netzwerks wiederholt sich auf vielen Ebenen. Auf der Ebene des Makrokosmos und des Mikrokosmos, in der Natur, in der Kultur, in der Wissenschaft, Technik, Wirtschaft... Und auf der Ebene unserer persönlichen menschlichen Existenz. Wir alle existieren vielfach. Wir leben nicht bloß einmal, wir haben viele Leben. Auch hierzu gibt es zahllose Hinweise, aus allen Epochen und Kulturen sind Berichte von Menschen bekannt, die von anderen, von "früheren" Leben handeln. Derzeit fehlt noch ein wissenschaftlicher Beweis für die Richtigkeit dieses Konzepts. Aber auch das ist kulturell bedingt. In unserer Zivilisation haben wir uns bislang auf technischen Fortschritt und auf Wirtschaftswachstum konzentriert - die Folgen sind Umweltzerstörung und Schuldenkrise. Doch wenn wir nicht nur "jetzt" leben, sondern auch "später", dann schaden wir uns selbst durch unser "derzeitiges" Handeln. Wenn wir aber verantwortungsbewusst mit unserer Umwelt und unseren Finanzen umgehen, dann helfen wir uns selbst. Denn die Menschen, die in 100 Jahren leben, sind nicht irgendwelche Leute - wir sind es selbst. 

Eine andere Zivilisation ist denkbar. Eine, die nicht auf Trennung beruht, sondern auf Einheit. Eine Zivilisation, in der alle Menschen dieselben Rechte besitzen - alle nahen und fernen Menschen, alle gegenwärtigen und zukünftigen.

Es bleibt aber nicht mehr viel Zeit. Die Probleme, dir wir geschaffen haben, sind gewaltig. Wir müssen jetzt den großen zivilisatorischen Sprung machen.
Liebe! Für alle! Jetzt!


Weitere Informationen zum Konzept des Netzwerkes erhalten Sie in meinem Buch Die Fischnetz-Theorie.

Das Thema Wiedergeburt wird auf unterhaltsame Weise in meinem Roman Die Frau am Fenster behandelt.

Das obige Foto zeigt eine Bronzeskulptur von Richard Haizmann. Für mich symbolisiert dieser Kopf mit den übereinander liegenden Gesichtern die verschiedenen Leben einer Person. Mehr über diesen interessanten Künstler erfahren Sie im Richard-Haizmann-Museum in Niebüll.

Mittwoch, 21. November 2012

Buchkritik - Die schöne Bäckerin von Olga Manj


Sex, Intrigen und Voyeurismus in der Provinz.

Inhalt:

Jutta lebt in einem Dorf, irgendwo in der Kurpfalz. Sie hat einen Mann und einen erwachsenen Sohn, auf dem gemeinsamen Bauernhof kümmert sie sich um die Buchhaltung. Dabei findet sie zufällig  eine Sammlung von erotischen Bildern, junge Frauen in mehr oder minder geschmackvollen Posen, die ihr Mann aus dem Internet heruntergeladen und auf dem Computer versteckt hat. Jutta nimmt das zum Anlass, ihrerseits ein bisschen im Netz herumzustöbern und eine eigene Kollektion von Bildern anzulegen, die – ihrem Interesse entsprechend – junge Männer in ähnlichen Posen zeigen. Peinlich wird die Sache erst, als der Computer kaputtgeht und von Simon, einem jungen Mann aus der Nachbarschaft, repariert werden soll. Der entdeckt die Fotodateien prompt, bleibt aber gelassen, weil so etwas längst zum Standard gehört. Jutta verliert nun endgültig ihre Scheu, sie lässt sich von Simon erklären, wie man Dateien effektiv versteckt und erteilt ihm im Gegenzug Unterricht in Liebesdingen.
Die beiden beginnen eine Affäre, die so lange andauert, bis Simon zum Militärdienst eingezogen wird. Zur Erinnerung an Jutta möchte er einen kleinen Film von ihr drehen, was dieser gar nicht behagt. Jutta ist unsicher, fühlt sich wenig attraktiv und denkt einzig an ihre Problemzonen. Einwilligen tut sie nur, weil sie zur Belohnung auch einen Film von Simon drehen darf. Anfangs kommt sie mit der Technik nicht zurecht, aber sie findet Spaß an der Sache. Jutta lässt sich in Kameratechnik und Filmschnitt einweisen, macht ihre eigenen Experimente und am Ende kommt ein ansehnlicher Film dabei heraus. Bei diesem einen möchte sie es aber nicht belassen. Um Simon bei Laune zu halten, besinnt sie sich auf eine weitere Leidenschaft von ihr, dem Backen von leckeren Obsttorten. Damit lockt sie nicht nur Simon in den alten Stall, den sie schrittweise zum Studio umbaut, sondern auch weitere junge Männer. Jutta dreht eine ganze Serie von Erotikfilmen und verteilt Kopien an die anderen Landfrauen, ohne die Herkunft der Werke preiszugeben. Das Unternehmen wächst sich aus – und irgendwann wächst es Jutta über den Kopf. Der Pfarrer der kleinen Gemeinde erfährt davon, es kommt zu Eifersüchteleien zwischen den Landfrauen und Juttas Mann wird misstrauisch. Nun gilt es, den Landfrieden zu wahren…


Bewertung:

Der Untertitel lautet Kurpfälzer Dekameron und ist durchaus passend gewählt. Um 1350 schuf Giovanni Boccaccio sein Hauptwerk Il Decamerone, eine Sammlung von einhundert Novellen, mit der erstmals Sinnlichkeit und Erotik in die Literatur einzogen. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern deka (zehn) und hemera (Tag) zusammen und verweist damit auf die Rahmenhandlung. Bei Boccaccio treffen sich zehn Männer und Frauen in einem Landhaus nahe Florenz, um der Pest zu entgehen. Während der zehntägigen Wartezeit muss sich jeder eine Geschichte am Tag ausdenken und erzählen.
Heutzutage muss zum Glück niemand mehr vor der Pest flüchten, doch es finden andere Fluchten statt. Menschen flüchten vor der Realität in virtuelle Welten, Ehepartner flüchten voreinander, Kinder fliehen vor ihren Eltern. Olga Manj hat dieses Phänomen zum Gegenstand ihrer Erzählung gemacht und ähnlich wie Boccaccio umgesetzt. Die Autorin spricht über Moral, ohne zu belehren, sie beobachtet das Treiben ihrer Mitmenschen, ohne sie an den Pranger zu stellen. Nicht nur zur Zeit Boccaccios gab es Verbote und Abhängigkeiten, wir kennen sie ebenso, nur tragen sie heute andere Namen. Schlimmer noch, was früher klar geregelt war, versteckt sich nun in Erwartungen und gesellschaftlichen Zwängen. Und noch immer trifft es vor allem die Frauen. Bei einem reifen Mann gilt die junge Geliebte als Zeichen von Potenz und Männlichkeit, im umgekehrten Fall rümpft so mancher seine Nase. Die schöne Bäckerin jedoch beklagt sich nicht über diese Ungerechtigkeit, sie spielt damit, sie dreht den Spießbürgern eine lange Nase. Jutta hat nicht den Ehrgeiz, das Kommando auf dem Narrenschiff zu übernehmen, sie tanzt lieber im Ballsaal. Tabus sind dazu da, gebrochen zu werden. 
Die Mittel, die sie wählt, entsprechen ihrer Zeit. Jutta erzählt ihre Geschichten nicht nur mit Worten, sondern auch mit Bildern, sie nutzt die moderne Technik, auch wenn sie sie nicht vollständig versteht. Aber sie versteht es, zu verführen, mit ihrer Kochkunst, ihrer Leidenschaft und Fantasie. Technische Daten, wie Alter, Größe oder Gewicht, spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Es kommt darauf an, was man daraus macht.
Mit ihrer Novelle zeichnet Olga Manj ein treffendes Bild einer Landschaft und einer Gesellschaft, ihre Farben sind lebensprall und sinnenfreudig, aber niemals derb oder aggressiv. Das originale Dekameron besteht aus einhundert Novellen. Das heißt, Olga Manj schuldet uns weitere neunundneunzig Teile. Freuen wir uns darauf. 

Fazit:

Leichte, lust- und humorvolle Lektüre. Ideal für kalte und verregnete Tage.


Olga Manj  Die schöne Bäckerin - Kurpfälzer Dekameron
67 Seiten  8,90 EUR  ISBN 978-3-931382-38-4  Erschienen im Seidler Verlag

Montag, 12. November 2012

Die Auswerterin auf der Lichtmeile - Interview und Lesung in Mannheim am 17.11.12


Der Radiosender bermuda.funk veranstaltet am 17.11.12 ein Kulturfest im Alten Volksbad in Mannheim. Moderator Frank Domenico Montalbano wird mich dort interviewen, anschließend werde ich aus meinem Roman DIE AUSWERTERIN vorlesen.
Zur Einstimmung hier eine Kritik aus dem Blog Herzbücher.


England, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges. Auf kraftlosen Beinen steht Emily Brown vor dem Büro von Arthur Harris, Oberbefehlshaber der britischen Luftstreitkräfte. Noch kann sie sich anders besinnen, kann das Teetablett in ihren schweißnassen Händen vor Marschall Harris abstellen, den Rückzug antreten und einfach so tun als hätte sie nichts gesehen. Während ihrer Tätigkeit als Auswerterin von Luftaufnahmen entdeckte sie kürzlich auf einer solchen Aufnahme das Konzentrationslager in Auschwitz. Sie sah die Menschen - Männer, Frauen, Kinder - die man aus etlichen Güterwaggons holte und wie Tiere in das Lager trieb. Ihre Vorgesetzten ignorierten ihre Hinweise, aber Emily vermag nicht über das Elend, dessen sie gewahr wurde, hinwegzusehen. Deshalb steht sie nun hier, bereit, Marschall Harris zu überreden, das Lager zu befreien. Ihrer zittrigen Beine zum Trotz betritt Emily den Raum. Zunächst versucht sie, Harris mit den Aufnahmen, die sie ihm vorlegt, zu überzeugen. Doch er wiegelt ab, also zückt sie eine Pistole. Um sein Leben zu retten, erteilt Harris die Order, Auschwitz aus der Luft anzugreifen. Damit er seinen Befehl nicht revidieren kann, will Emily den Marschall mit vorgehaltener Waffe so lange in Schach halten, bis der Bericht über die erfolgte Bombardierung eingeht. Während der Wartezeit liefern sich beide eine hitzige verbale Auseinandersetzung.

In Die Auswerterin befördert Elk von Lyck einige interessante politische Ereignisse ans Tageslicht, die man kaum in einem Geschichtsbuch findet. Brisante Dinge, die von den Verantwortlichen wohl aus gutem Grund nicht an die große Glocke gehängt wurden. Vornehmlich geht er der Frage nach, was genau die Alliierten über Auschwitz wussten. Außerdem sucht er nach Gründen für die ziemlich spät erfolgte Befreiung des Lagers. Schuldzuweisungen, um das eigene Gewissen zu beruhigen, ist ebenso ein Thema wie die Suche nach den Auslösern, die den Weg der Nazis an die Macht ebneten. Hierzu begibt er sich weit in die Vergangenheit, bis zum Ende des 1. Weltkrieges. Der Autor zeigt die Verfehlungen der Alliierten auf und beschönigt währenddessen nicht die Taten der Nazis.

Der höchst niveauvolle Wortwechsel zwischen der fiktiven Person Emily Brown und dem Chef der britischen Luftwaffe, Arthur Harris, der tatsächlich gelebt hat, nimmt den größten Platz in der Geschichte ein. Während Harris stur seinen Standpunkt vertritt, indem er alle politischen Entscheidungen der Alliierten als gut und richtig hinstellt, hält Emiliy, gewappnet mit fundiertem Hintergrundwissen, dagegen. Worte fliegen hin und her, Argumente treffen auf Gegenargumente. Beide schenken sich nichts und bieten damit dem Leser ein gelungenes Rededuell.

Regelmäßige Schwenks zu diversen Schauplätzen vermitteln zunächst den Eindruck, als handele es sich um zusätzliche Handlungsstränge, die parallel zueinander laufen. Dass dem keineswegs so ist stellt sich erst ab etwa der Buchmitte heraus, verwirrte mich aber nicht im Geringsten. Elk von Lyck beherrscht das „Spiel mit der Chronologie“ perfekt.

Mit der aufwühlenden Geschichte des kleinen Jacques und dessen Familie veranschaulicht der Autor die damalige Situation der Juden. Ein weiterer Handlungsstrang beschäftigt sich mit Walker, einem britischen Piloten. Hierbei beweist der Autor eine genaue Kenntnis technischer Details von verschiedenen Flugzeugtypen. Indem er derlei in die Handlung einfließen lässt, vermittelt er auf unterhaltsame Art, so ganz nebenbei, technisches Wissen.

Emily fungiert sozusagen als Stimme des Gewissens. Darüber hinaus zeigt Elk von Lyck am Beispiel seiner Hauptprotagonistin auf, dass auch ein „unbedeutender“ Mensch das Potenzial besitzt eine große Wirkung zu erzielen. Der Autor will erreichen - und das ist der tiefere Sinn, den ich dem Buch entnehmen konnte, und Lycks Botschaft an seine Leser - dass jeder einzelne sein Schicksal selbst in die Hand nimmt, Entscheidungen hinterfragt und nicht zusieht, sondern handelt.

Fazit
Die Auswerterin: oder Das Ende von Auschwitz ließ mich nachdenklich und aufgewühlt zurück, und genau das war meiner Meinung nach Elk von Lycks Absicht. Der Autor hat seinem Buch einen tieferen Sinn verliehen, und ich wünsche ihm, dass seine Botschaft möglichst viele Leser erreicht. Bei mir ist sie angekommen.



Weitere Informationen zum Stadtteilfest finden Sie unter: www.lichtmeile.de 
Mehr zum Lokalradio unter: www.bermudafunk.org

Zeit: Samstag, 17. November 2012, ab 18 Uhr
Ort: Altes Volksbad, Mittelstraße 42, Mannheim  
Eintritt frei!

Sonntag, 11. November 2012

Filmkritik - Argo

Inhalt:

Iran, 1979. Im Zuge der islamischen Revolution kommt es zu antiamerikanischen Protesten, die in der Erstürmung der US-Botschaft gipfeln. 52 Diplomaten werden gefangen genommen, für sie beginnt ein Martyrium, mit verbundenen Augen zerrt man sie vor die Fernsehkameras. Im allgemeinen Durcheinander gelingt es jedoch sechs Botschaftsangehörigen zu fliehen und sich in der kanadischen Botschaft zu verstecken. Während die Revolutionäre nach ihnen suchen, sucht die CIA im fernen Washington nach einer Möglichkeit, die Flüchtigen in die USA zu bringen.
Verschiedene Möglichkeiten werden diskutiert, darunter der Vorschlag, mit Fahrrädern die 500 Kilometer zur türkischen Grenze zurückzulegen. Vom CIA-Agenten Tony Mendez (gespielt von Ben Affleck) kommt der am wenigsten verrückte Vorschlag: Er will der Welt vorgauckeln, einen Science-Fiction-Film namens "Argo" zu drehen. Dazu benötigt die fiktive Produktionsfirma exotische Drehorte, einer davon könnte der Iran sein. Mendez will nach Teheran reisen, um die sechs Flüchtlinge - angeblich Filmleute - mit falschen Pässen ausgestattet außer Landes zu schmuggeln.   
Weil die CIA kein besseres Konzept vorweisen kann, bekommt Mendez die Genehmigung, das tollkühne Vorhaben umzusetzen.

Bewertung:

Auf den ersten Blick scheint es sich um einen weiteren patriotischen Hau-drauf-Film zu handeln, in dem tapfere Amerikaner böse Buben verkloppen. Weit gefehlt. Zwei Namen bürgen für Qualität: Regisseur und Hauptdarsteller Ben Affleck hat mit "The Town - Stadt ohne Gnade" bereits einen erstklassigen Actionthriller vorgelegt. Und von Produzent George Clooney stammen die Politdramen "Good Night, and Good Luck" (über die McCarthy-Ära) und "The Ides of March - Tage des Verrats", welches das amerikanische Politgeschäft kritisch beleuchtet. Und so ist auch "Argo" mehreren Genres zuzuordnen: dem Actionfilm, dem Politthriller, dem Drama und sogar der Komödie.
Den besten Spruch darf Filmproduzent John Goodman aufsagen: "Sie wollen nach Hollywood kommen und einen auf Filmboss machen, ohne wirklich etwas zu tun. Dann passen Sie dahin."
Regisseur Affleck gelingt es jedoch, die Balance zu halten. Kein Aspekt wird überbetont, der Film kippt niemals ins Groteske und mutiert auch nicht zu einem Werbespot für die die CIA. Im Prolog wird die Vorgeschichte zur islamischen Revolution erzählt. 1953 zettelten der amerikanische und der britische Geheimdienst Unruhen im Iran an, die zum Sturz von Premierminister Mossadegh führten. Dieser hatte nämlich zuvor die Ölindustrie verstaatlicht, um endlich einen gerechten Anteil aus den Einnahmen des lukrativen Geschäfts zu erhalten. (Bei Wikipedia findet sich ein aufschlussreicher Artikel zur Operation Ajax.) Anschließend errichtete Schah Mohammad Reza Pahlavi ein Gewaltregime, unter dem die Bevölkerung litt - bis zu den revolutionären Tagen im Jahr 1979.

Fazit:
Spannender Politthriller, Filmsatire und stimmiges Zeitbild in einem. Rundum empfehlenswert.

Sonntag, 4. November 2012

Syrien und die UNO - Erinnerungen an den Völkerbund



Der Bürgerkrieg in Syrien dauert nun schon über ein Jahr an und noch immer hat sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nicht zu einer Resolution durchgerungen. Russland und China verhindern jeden gemeinsamen Beschluss, denn beide Nationen verfolgen eigene Interessen. Sie sind Partner des Assad-Regimes, liefern Waffen, handeln mit Öl und wollen ihren Einfluss in der Region sichern und ausbauen. Die USA, ein anderes Mitglied des Sicherheitsrates, haben ebenfalls in den Konflikt eingegriffen und versorgen die Aufständischen mit Waffen und Geheimdienstinformationen. Damit nicht genug, auch die Türkei, Saudi- Arabien, Katar und der Iran sind beteiligt, sie unterstützen ihre jeweiligen politischen Partner bzw. ihre Glaubensbrüder mit Geld, Waffen, Informationen und Logistik.   
Der Konflikt wird damit keinesfalls gelöst, im Gegenteil, die Kämpfe werden verlängert, der Blutzoll, den die kämpfenden Parteien und die Zivilbevölkerung zu entrichten haben, erhöht sich.

Vielleicht wird sich der Konflikt sogar ausweiten, im Libanon kam es bereits zu Bombenanschlägen und Kämpfen verfeindeter Milizen. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein regionaler Konflikt zu einem Flächenbrand ausweitet. Die Vereinten Nationen sind die Nachfolgeorganisation des Völkerbundes, der von 1920 bis 1946 existierte und maßgeblich für die Entstehung des Zweiten Weltkrieges verantwortlich war – nur leider ist dieser Teil der Geschichte heute in Vergessenheit geraten.

Gegründet wurde der Völkerbund "zur Förderung der Zusammenarbeit unter den Nationen und zur Gewährleistung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit" (Auszug aus der Satzung).
Doch schon von Anfang an wurde der hehre Grundsatz unterlaufen, die Siegernationen des Ersten Weltkriegs, vor allem Britannien und Frankreich, nutzten den Völkerbund, um rücksichtslos ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Das lässt sich schon an der Personalpolitik ablesen. Der erste Generalsekretär hieß James Drummond (1920 - 1933) und war Brite, der zweite hieß Joseph Avenol (1933 bis 1940) und war Franzose. Diplomaten aus neutralen Nationen, etwa Schweden oder der Schweiz, durften nie ein hohes Amt bekleiden – von solchen aus den Verlierernationen ganz zu schweigen.

Dadurch kam es zu teils bizarren Entscheidungen. Es sind zu viele, um sie hier alle aufzuzählen. Deshalb nur ein besonders krasses Beispiel: Die Behandlung der sudetendeutschen Minderheit in der damaligen Tschechoslowakei. Ab 1918 wurden die Sudetendeutschen unterdrückt und vertrieben, u.a. mittels einer so genannten "Bodenreform". Dr. Karel Vischkofsky (auch Viskovsky geschrieben), tschechischer Bodenamtspräsident, bezeichnete sie als ein "Werk der politischen Vergeltung und Wiedergutmachung des den Tschechen nach der Schlacht am Weißen Berg (1620) zugefügten Unrechts". In Böhmen allein wurden 1.068.601 Hektar landwirtschaftlichen Bodens enteignet und an 270.966 tschechische Bewerber verteilt. Die verbleibenden 1282 Restgüter wurden zu Spottpreisen an die Günstlinge Vischkofskys verteilt (Quelle: Dieses Land schläft einen unruhigen Schlaf - Sozialreportagen 1918-45, S. 72). Aufgabe des Völkerbunds wäre es gewesen, für eine Achtung der Minderheitenrechte zu sorgen. Stattdessen lehnten Briten und Franzosen jede Bitte um Hilfe ab. Ursache war das Bestreben, die befreundete Tschechoslowakei zu unterstützen und gleichzeitig die deutsche Bevölkerungsgruppe (die traditionellen "Feinde") zu schwächen. Dadurch kam es (neben vielen weiteren Faktoren) zu einer Radikalisierung der deutschen Minderheit.
Interessanterweise sind diese und zahllose ähnliche Informationen heute nicht mehr zugänglich. Viele Ereignisse der Jahre 1918 bis 1933 sind mit einem Tabu belegt, wohingegen die Phase zwischen 1933 bis 1945 genauestens erforscht ist.     

Aus dieser historischen Erfahrung lassen sich nur zwei Forderungen ableiten:

1. Wir müssen ehrlich sein gegenüber ALLEN Aspekten unserer Wirklichkeit. Wir müssen die gesamte Geschichte erzählen – nicht nur die Teile, die wir als gut oder wahr empfinden.
Wer Informationen unterdrückt, verhindert den Lernerfolg.

2. Wir müssen gerecht sein gegenüber ALLEN Menschen. Wir dürfen nicht nur diejenigen unterstützen, die wir als unsere politischen und wirtschaftlichen Partner oder unsere Glaubensbrüder ansehen. Allen muss geholfen werden. Wer Menschen zu Feinden erklärt, wird Feindschaft ernten.

Sonntag, 14. Oktober 2012

"Herbstgefühl" von Achim von Armin - Gelesen von Karsten Eckert





Es ist Herbst - die ideale Zeit für Spaziergänge im Wald. Achim von Arnim hat diese besondere Stimmung in seinem Gedicht "Herbstgefühl" beschrieben, Karsten Eckert hat es einfühlsam gelesen und mit passenden Bildern unterlegt.

Mehr von Karsten unter: Eckis Welt

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Von der Notwendigkeit der geistigen Evolution


Womit beschäftigen wir uns? Welche Nachrichten beherrschen unsere Medien? Im ostchinesischen Meer eskaliert der Streit um eine Inselgruppe. Auf Chinas Straßen wird protestiert, ein Handelskrieg scheint möglich. Das Parteiorgan „Volkszeitung“ verkündete, China habe die Entschlossenheit und die Ausdauer, „1000 Feinde zu töten, während 800 von uns fallen.“ In den USA entstand ein Film, der den Propheten Mohammed verunglimpft. Daraufhin kam es in der islamischen Welt zu teilweise gewalttätigen Demonstrationen, bei denen Menschen verletzt und getötet wurden. In Pakistan bot ein Minister 100.000 Dollar für die Ermordung des Filmproduzenten.

Aber ist das ein getreues Abbild unserer Wirklichkeit? Im totalitär regierten China werden Demonstrationen üblicherweise schnell durch staatliche Organe beendet. Man muss deshalb annehmen, dass die Anfeindungen gegen Japan zumindest mit Billigung der Staatsführung geschehen. Ähnliches gilt für die Ausschreitungen in der arabischen Welt. Auch sie wurden organisiert von wenigen Extremisten, im Vergleich zu den Protesten während des Arabischen Frühlings ist die Zahl der Demonstranten sehr gering. Trotzdem gehen die Bilder beider Konflikte rund um die Welt, sie werden tausendfach wiederholt, kommentiert und instrumentalisiert. Es ist jederzeit möglich, mit Bildern wie diesen Ängste und Wut zu erzeugen – und daraus politisches Kapital zu schlagen. 


Aber wollen wir das wirklich? Ist das die Zivilisation, in der wir leben wollen? Ist das die Kultur, deren Produkte wir jeden Tag konsumieren möchten? Wollen wir oberflächlich sein, unbewusst Gefühle ausleben und ständig das wiederholen, was schon in der Vergangenheit nicht funktionierte?

In den letzten Jahrzehnten haben wir uns zu sehr auf den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt konzentriert, wir glaubten damit alle Probleme lösen zu können. Tatsächlich jedoch nahmen die Probleme zu, die Zahl der Konflikte erhöhte sich, wie die jüngste Entwicklung beweist. Was wir wirklich brauchen, ist ein moralischer Fortschritt. Wir müssen uns die Frage stellen: Wer wollen wir sein? Wie wollen wir leben?

Eine Gegenwelt ist denkbar. Wir können eine gerechte und freie Welt erschaffen. Erst muss das Ziel definiert werden, dann müssen Schritte auf dem Weg dorthin unternommen werden. Das Thema gehört auf die Tagesordnung, wir müssen darüber nachdenken, darüber sprechen, Bilder erzeugen, sie in den Medien rund um die Welt zeigen, Bücher schreiben, Filme drehen, Gesetze erlassen, Projekte erarbeiten... 

Das ist geistige Evolution.

Mittwoch, 19. September 2012

USA modernisieren Atomwaffen



Es ist eines der teuersten Projekte im Rüstungsbereich - und dennoch blieb die Nachricht weitgehend unbemerkt: Die USA wollen in den nächsten zehn Jahren 5113 Atombomben instand halten und "verbessern", Trägersysteme austauschen und Stützpunkte erneuern. Die Kosten dafür werden von der Denkfabrik Stimson Center auf mindestens 352 Milliarden Dollar (268 Milliarden Euro) geschätzt, andere Schätzungen gehen von deutlich höheren Kosten aus.

Diese Nachricht ist aus zwei Gründen bemerkenswert:
1. Das Vorhaben verstößt gegen den Atomwaffensperrvertrag, den die USA am 1. Juli 1968 unterzeichnet haben. Darin heißt es u.a., dass die bisherigen Atommächte „in redlicher Absicht Verhandlungen führen ... über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle“.
2. Derzeit tobt ein Streit mit dem Iran über dessen mögliches Programm zur Entwicklung von Atomwaffen. Möglicherweise wird es bald schon einen Militärschlag gegen das Land geben.

Welche Wirkung hat die Nachricht in der Öffentlichkeit erzeugt? So gut wie keine. Es gab keine Proteste, keine Nachfragen, keine Diskussionen. Es wird nicht über die tieferen Ursachen der Konflikte nachgedacht, es werden keine neuen Lösungsvorschläge erarbeitet. Stattdessen nehmen wir den Bruch eines internationalen Abkommens (durch die USA und viele weitere Unterzeichner) stillschweigend hin. Gleichzeitig wird wieder einmal mit zweierlei Maß gemessen. Die einen dürfen, was den anderen verboten ist.

Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich: Wir brauchen keine Erneuerung unserer Waffen, wir brauchen eine Erneuerung unseres Denkens.

Sonntag, 9. September 2012

Antisemitismus auflösen – es ist ganz einfach



In letzter Zeit häufen sich Angriffe auf jüdische Mitbürger, so wurde etwa am 29.08.12 in Berlin ein Rabbiner von Jugendlichen beleidigt und verletzt, seine Tochter mit dem Tod bedroht. Die Täter waren "vermutlich arabischer Herkunft", sagte die Berliner Polizei. Danach kam es zu den üblichen reflexhaften Reaktionen, es gab eine Demonstration unter dem Motto "Berlin bleibt eine tolerante Stadt", Dieter Graumann, der Vorsitzende der Zentralrats der Juden, rief die Muslime dazu auf, dem Antisemitismus stärker entgegenzutreten, daraufhin waren führende Mitglieder der Islamverbände beleidigt und erklärten, Muslime bräuchten keine Lehrstunde usw. - Kindertheater für Erwachsene. 

In einigen Medien war die Frage zu hören: Wann werden wir den Kampf gegen den Antisemitismus endlich gewinnen? In dieser Frage sind bereits zwei Fehler enthalten. Der Begriff Antisemitismus ist falsch gewählt, denn als Semiten werden alle Völker bezeichnet, die eine semitische Sprache sprechen - und dazu zählen auch die Araber. Diese sprachliche Ungenauigkeit zeigt, wie unzureichend wir bisher über diese Dinge nachgedacht haben. Noch schwerwiegender ist der zweite Fehler: Man sollte grundsätzlich nicht kämpfen, denn dadurch macht man seinen „Gegner“ nur stärker.

Der Antisemitismus wird durch drei Personengruppen erschaffen:

1. Antisemiten: Neonazis und Islamisten. Müssen nicht näher erklärt werden.
2. Anti-Antisemiten: Diejenigen, die es zwar gut meinen, aber schlecht machen. Beispiel: Wenn man einen Christen verprügelt, passiert nichts. Wenn man einen Atheisten verprügelt, passiert nichts. Wenn man einen Juden verprügelt, kommt man damit in die Hauptnachrichten aller Fernsehsender. Dadurch entsteht ein Nachahmungseffekt.
3. Semiten: Juden definieren sich selbst als Opfer und andere als Täter. Beispiel: Ralph Giordano hat den Begriff der „zweiten Schuld“ geprägt und meinte damit die mangelhafte Aufarbeitung der NS-Verbrechen in der Nachkriegszeit. Ungewollt hat er damit zu dem Schuldkomplex beigetragen, unter dem heute viele Deutsche leiden, insbesondere Politiker. Sie versuchen die „Schuld“ wettzumachen, indem sie die eigene Kultur verneinen und durch eine andere, eine Multikultur ersetzen. Das schnellste Mittel dazu ist massenhafte Einwanderung, auch aus arabischen Ländern. Viele arabische Jugendliche können sich nicht integrieren, Frust entsteht, daraus erwächst Wut, die Wut wiederum sucht ein Ventil – alles hängt mit allem zusammen.

Wir sollten unsererseits nicht mit Wut auf die Wütenden reagieren (Gruppe 1). Besser ist es, wenn wir ihnen zuhören, die wahren Ursachen ihrer Probleme finden und sie beseitigen. Das heißt konkret: Integration verbessern. Mehr Geld in die Jugend investieren, in Kindergärten, Schulen und Förderprogramme. Wenn man tausend Milliarden für die Rettung des Euros bereitstellen kann, wird sich auch eine Milliarde für unsere Kinder finden lassen.

Außerdem sollten wir endlich den „Täter und Opfer“-Kult abschaffen (Gruppen 2 und 3). Unsere Gesellschaft ist fasziniert von Gewalt und Ungerechtigkeit, ständig sehen wir Bilder leidender Menschen, in Nachrichten, Büchern, Filmen und Spielen – die Köpfe unserer Kinder werden damit regelrecht zugemüllt. Dadurch entstehen Angst, Wut, Schuld- und Schamgefühle – die Spirale dreht sich weiter. Besser ist es, wenn wir uns gegenseitig Mut machen, uns liebevoll behandeln und unsere wahren Bedürfnisse befriedigen. Kein Mensch ist von sich aus schlecht oder böse. Deshalb nicht den „Täter“ bekämpfen, sondern die Ursachen seiner Tat auflösen.


Freitag, 17. August 2012

Der Euro - 100 Jahre zu früh


Der Euro funktioniert nicht, das wird zunehmend klarer. Ein Rettungspaket folgt auf das nächste, Krisentreffen finden beinahe monatlich statt. Das Grundproblem jedoch, die kulturellen und wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen den Regionen, bleibt unangetastet. Man sollte auch nicht zu viel erwarten, Ostdeutschland ist über zwanzig Jahre nach der Wende noch nicht auf demselben wirtschaftlichen Niveau wie der Westen. Für Südeuropa muss mit ähnlichen Zeiträumen gerechnet werden - sofern eine Angleichung jemals gelingt.

Noch schwieriger zu bewerkstelligen ist die kulturelle Erneuerung Südeuropas. Es herrscht sicher ein allgemeiner Konsens darüber, dass Vetternwirtschaft und Korruption, unfähige Verwaltungen und mafiöse Strukturen abgeschafft gehören. Dieser Prozess wird aber ebenso Jahrzehnte benötigen.

Was geschieht in der Zwischenzeit? Können wir uns eine Finanzierung des Südens über einen so langen Zeitraum leisten? Sicher nicht.

Es bleibt nur eine Lösung: ein Europa der zwei Geschwindigkeiten. Eine Währungsunion zwischen Deutschland, Niederlande, Luxemburg, Österreich und Finnland wird gut funktionieren. Andere Länder könnten später beitreten - aber nur dann, wenn sie die Voraussetzungen WIRKLICH erfüllen. Politische Erwägungen müssen hintenangestellt werden.

Südeuropa muss in der Zwischenzeit einen eigenen Euro bekommen - und dieser muss abgewertet werden. So wird die südliche Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig. Natürlich birgt diese Lösung auch erhebliche Nachteile, allen voran die Umrechnung der Altschulden. Ein großer Teil davon muss aber ohnehin abgeschrieben werden. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Italien seine zwei Billionen Euro Schulden jemals zurückzahlen wird? Die Restschulden könnte man über die Inflation beseitigen. Der Südeuro wird also ziemlich viele Nullen bekommen.

Damit wird deutlich, dass der Weg ins neue Europa weniger über die Wirtschaft führt, sondern vor allem über die Kultur. Wir brauchen eine Kultur der Ehrlichkeit und der Vernunft. Dann wird es irgendwann auch eine gemeinsame Währung für alle Europäer geben, die dauerhaft funktioniert - vielleicht in hundert Jahren.

Dienstag, 7. August 2012

Syrien - der Stellvertreterkrieg


In Syrien kämpfen Rebellen gegen den Tyrannen Baschar al-Assad. Eine klare Situation – so scheint es. Doch es sind noch weitere Kräfte beteiligt, die eine unheilvolle Wirkung entfalten. Das Assad-Regime wird im UN-Sicherheitsrat von Diplomaten aus Russland und China geschützt, die jede wirksame Resolution verhindern. Russland liefert außerdem Waffen und Munition an die syrische Armee.

Die USA haben sich auf die Seite der Aufständischen geschlagen und unterstützen sie - offiziell - mit  25 Millionen Dollar für Kommunikationstechnik und 64 Millionen Dollar humanitäre Hilfe. Laut dem Nachrichtensender CNN ist der amerikanische Geheimdienst CIA bereits seit längerem vor Ort und koordiniert die Maßnahmen. Genauere Informationen sind nicht erhältlich.
Saudi-Arabien und Katar verzichten auf Geheimniskrämerei und liefern ganz offen Waffen und Munition über die türkische Stadt Adana. Der Grund ist einfach: Beide Länder werden von Sunniten regiert, die syrische Herrscherfamilie jedoch gehört der Glaubensrichtung der Schiitten an. Genauso wie die iranische Regierung, die ihren Glaubensbruder Assad unterstützt. 

Diese Situation erinnert fatal an den Kalten Krieg. Von 1945 bis in die 1990er Jahre trugen die Westmächte und der Warschauer Pakt zahlreiche Stellvertreterkriege aus, in Afrika, Asien und Südamerika. Der bekannteste und blutigste dieser Kriege war der Vietnamkrieg, der sechs Millionen Menschenleben forderte.

Wir erleben jetzt einen neuen Kalten Krieg, auf politischer und religiöser Ebene. In der Weltpolitik ringen drei Mächte miteinander: die ehemalige Supermacht Russland, die aktuelle Supermacht USA und die aufstrebende Macht China. Jeder versucht  seine Position zu verbessern, keiner gönnt dem anderen einen Erfolg.
Auf religiöser Ebene ringen Sunniten und Schiiten um die richtige Auslegung des Koran. Auch hier versucht jeder seine Position zu verbessern, keiner gönnt dem anderen einen Erfolg.
Bezeichnend ist, dass die Konflikte nicht offen angesprochen werden und dass man nicht versucht, sie dort zu lösen, wo sie entstanden sind, nämlich in den politischen und religiösen Machtzentren. Stattdessen verlagert man sie auf andere Schauplätze, so wie es Kinder tun, die mit Plastikfiguren in einer Sandkiste spielen. 

Das Schlimme dabei ist: Wenn dieser Krieg beendet ist, wird an anderer Stelle ein neuer ausbrechen. Vielleicht lodern die Flammen demnächst in Ägypten, Libyen oder im Sudan, vielleicht kämpft man um Öl, um Wasser oder um heilige Stätten. 

Wann werden wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen? 

Donnerstag, 2. August 2012

Die Freiheit von Angst

Drohne Heron von Rheinmetall und IAI

Das Bundesforschungsministerium fördert Projekte, von denen in der Öffentlichkeit kaum etwas bekannt ist. So bekommt u.a. das Rüstungsunternehmen Rheinmetall 335.000 Euro für das Projekt D3CoS ("Designing Dynamic Distributed Cooperative Human-Machine Systems"). Offiziell geht es dabei um den Bau einer "Verkehrsdrohne", die etwa nach Schiffsunglücken zum Einsatz kommen soll. Allerdings sind die Grenzen zwischen zivilen und militärisch nutzbaren Drohnen fließend, es ist gewiss nicht schwer, ein Waffensystem in Rumpf oder Flügeln des Gerätes einzubauen.
Die Firma L-1 Identity Solutions, ein US-Unternehmen mit einer Niederlassung in Bochum, erhält 800.000 Euro für ein neues Verfahren zur "Gesichtserkennung unter Nutzung von 2D-/3D-Bilddaten" und die "robuste und schnelle multi-biometrische Personensuche".

Auf den ersten Blick scheint es sich um gut angelegtes Geld zu handeln. Es ist nur schwer gegen die Erhöhung der Sicherheit zu argumentieren, gegen Abwehr von Gefahren, Abschreckung militärischer Feinde und Erkennung von Terroristen und sonstigen Straftätern. Und dennoch sollten wir es tun. Wir sollten uns dagegen auflehnen, wir sollten unser Verhalten von Grund auf überdenken.

Worum geht es hier wirklich? Sicherheit ist ein Zustand, der als frei von Gefahren definiert ist. Wer oder was ist die Gefahr? Wir sind es selbst. Der militärische Feind, der Terrorist und der Straftäter sind wir selbst. Wir stehen auf dieser Seite der Grenze - und auf der anderen Seite. Wir sitzen vor dem Bildschirm des Überwachungssystems - und wir stehen vor der Kamera. Letztlich bekämpfen wir also nur die Angst vor uns selbst.

In den letzten Jahrtausenden ist nicht viel Neues geschehen. Es besteht kein großer Unterschied darin, ob wir uns mit Keulen oder Drohnen bekriegen, ob wir uns hinter Mauern aus Stein oder elektronischen Systemen verkriechen. Immer geht es um das Ausleben von Angst. Darüber sollten wir nachdenken. Wir sollten Geld investieren in die Erforschung unseres eigenen Verhaltens - und in die Entwicklung von Alternativen.

Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir unserer Angst freien Lauf lassen? Oder wollen wir frei sein von Angst?

Sonntag, 22. Juli 2012

Blutbad in Denver - Was steckt dahinter?


Wieder einmal hat sich in den USA ein Amoklauf ereignet. Diesmal hat es die Stadt Aurora nahe Denver getroffen, ein Dutzend Tote und über fünfzig Verletzte sind zu beklagen. Und wieder einmal fragt man sich: Warum konnte es geschehen? Die Antwort ist einfach: Es konnte geschehen, weil die Voraussetzungen dafür geschaffen waren. 


In vielen Kommentaren wird auf die liberalen Waffengesetze verwiesen, die es den Tätern leicht machen, an Schusswaffen und Munition zu gelangen. Sie tragen sicher zur hohen Zahl der Opfer bei, aber sie sind nicht der alleinige Grund. Viel wichtiger ist der psychische Zustand unserer menschlichen Gemeinschaft – nicht bloß der einzelner Personen. Wie gehen wir mit Hass und Gewalt um? Welche Position beziehen wir nach einem solchen Amoklauf? Was verändern wir? Leider ist die Antwort immer dieselbe: Gar nichts. Unsere Position ändert sich nicht. Wir akzeptieren Hass und Gewalt als feste Bestandteile unserer Welt. Und schlimmer noch: Wir wiederholen unser Verhalten ständig. So schaffen wir immer neue Opfer.

Selbstverständlich sollte man die Existenz von Hass und Gewalt nicht leugnen. Es kommt aber darauf an, wie wir damit umgehen. Im vorliegenden Fall hat sich der Täter so maskiert wie Bane, eine Figur aus dem neuen Batman-Film „The dark knight rises“. Das amerikanische Unterhaltungskino funktioniert immer nach demselben Rezept: Die Guten kämpfen gegen die Bösen. Am Ende gewinnen die Guten – und es liegen viele Opfer auf dem Schlachtfeld. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Motiven der handelnden Personen findet in der Regel nicht statt. Auch wird meist nicht darüber nachgedacht, welche Alternativen es zu Keule, Schwert und Pistole gegeben hätte. Diese Filme werden von Milliarden Menschen gesehen, demzufolge prägen sie die Psyche ganzer Nationen. Selbstverständlich wird nicht jeder, der einen Actionfilm sieht, zum Attentäter. Aber er wird zum teilnahmslosen Zuschauer, der nicht nachdenkt, weder über Ursachen noch über Alternativen. Ob man einen Spielfilm konsumiert oder die Tagesschau, macht keinen Unterschied.
  
Diese Verhaltensmuster übertragen sich in alle Lebensbereiche. Auch in die Politik, in die Wirtschaft, in die Wissenschaft. Ein Terrorist ist ein Terrorist, weil er sich dazu entschließt, ein Terrorist zu sein. Ein Nazi ist ein Nazi, weil er ein Nazi ist. Ein armer Mensch ist arm, weil es nicht genügend Reichtum auf der Welt gibt. Weiteres Nachdenken ist unerwünscht. Filme über Terroristen, Nazis und Rächer in dunklen Umhängen hingegen sind durchaus erwünscht. Deshalb werden Orte der fiktiven Gewalt immer wieder zu Orten der realen Gewalt.

Gibt es Auswege? Natürlich. Wir sollten es einfach nicht mehr akzeptieren. Wir sollten nachdenken. Pläne entwickeln. Intelligente, vielschichtige Drehbücher schreiben. Sie anbieten. Sich nicht von Absagen entmutigen lassen. Gute Filme schauen. Gute Bücher lesen. Mit anderen darüber sprechen.
Ein Beispiel gefällig? Gerne. Ich empfehle ein eigenes Buch: DIE AUSWERTERIN - ODER DAS ENDE VON AUSCHWITZ. Eine differenzierte und tiefgründige Analyse von Hass und Gewalt und davon, was man dagegen tun kann. Es geht auch anders.  

Freitag, 20. Juli 2012

Evolution - Darwinismus oder Kreationismus? Eine neue Sichtweise.


Seit einigen Jahren tobt ein Streit zwischen Darwinisten und Kreationisten. Darwinisten sind überzeugt, dass das Leben aus der Materie entstanden ist und sich durch natürliche Auslese an wechselnde Lebensräume anpasst. Kreationisten glauben ebenfalls an eine Form der Evolution, nur dass diese von einem Gott initiiert, beeinflusst oder gesteuert wird. Beide Gruppen haben Recht – auf ihre Weise.

Um zu einem tiefen Verständnis der Evolution zu gelangen, müssen wir einen Kardinalfehler beheben, der in unserer eingeschränkten Sichtweise begründet liegt. Bislang haben wir uns die Evolution als eine ansteigende Linie vorgestellt: Eine Art entsteht aus einem Ursprung heraus und entwickelt sich höher bzw. passt sich an seine Umgebung an. Diese Vorstellung ist falsch, denn sie ist unvollständig. Sie basiert auf der Idee der Bewegung von A nach B, von gestern zum Morgen, von hier nach da. Das ist „relativ richtig“, aber unsere Wirklichkeit ist sehr viel größer.

Die Welt ist ein Netzwerk. Es existiert in seiner vollen Ausdehnung, es wird niemals kleiner oder größer, aber es erfährt sich selbst immer wieder neu. Im gesamten Universum gibt es nur zwei Strukturen, Kreisläufe und Netzwerke, man findet sie im Mikrokosmos ebenso wie im Makrokosmos. Nach dem Orbitalmodell besteht das Atom aus einem Kern, der von Orbitalen umgeben ist, in denen sich wiederum die Elektronen aufhalten. Atome schließen sich zu netzwerkartigen Molekülen zusammen. Nach einer gewissen Zeit zerfallen die Moleküle und die frei gewordenen Atome schließen sich zu neuen Molekülen zusammen. Im Universum beobachten wir Planeten, die Sonnen umkreisen, Sonnensysteme schließen sich zu Galaxien zusammen. Dieser ewige Wandlungsprozess erreicht jedoch niemals ein Ziel oder einen höheren Zustand.

Ähnliche Strukturen finden wir auch in der Natur. Es ist jedoch nicht ratsam, den Blick auf eine einzelne Art zu beschränken. Besser ist es, einen ganzen Lebensraum zu betrachten. Als Beispiel sei die Sahara genannt, ein Ökosystem, das wir heute als Wüste kennen. Eine Wüste ist ein relativ einfacher Lebensraum, in dem nur wenige Arten vorkommen. Die Sahara war jedoch nicht immer eine Wüste, zeitweise existierte sie auch als Savanne. Diese Landschaftsform besteht aus Grasflächen und Bäumen, es leben dort Pflanzen- und Fleischfresser in größerer Anzahl. Während der letzten 200.000 Jahre war die Sahara insgesamt drei Mal eine Savanne, danach wurde sie wieder zur Wüste. Demzufolge besitzen auch Lebensräume den Charakter eines Kreislaufes, aber sie erreichen niemals ein Ziel oder einen höheren Zustand. Das einzige Ziel besteht darin, sich selbst zu erfahren.

Dieses Prinzip wiederholt sich auch in Bereichen, in denen man es nicht unbedingt erwartet, etwa in der Kunst. Über Jahrhunderte hinweg bemühten sich Künstler, die Natur möglichst realistisch darzustellen. Die Maltechniken wurden immer komplexer, die Anzahl der Farbnuancen nahm zu. Um 1900 herum entstand die "moderne Kunst" (heute Klassische Moderne) und mit ihr die Unterart der abstrakten Kunst, die versuchte, Welten jenseits des Sichtbaren zu erschließen. Hierbei kam es oft zu einer Vereinfachung der Maltechniken und zur Reduzierung der Farbnuancen. Die Resultate erinnerten manchmal an Höhlenmalereien oder an Bilder, die von Kindern gemalt wurden.

Alles hat seine Bedeutung. Die gegenständliche Malerei ist nicht besser als die abstrakte (und umgekehrt), mehr noch, erst dadurch, dass beides ausprobiert wird, kommt es zu einem Gleichgewicht im Erfahrungsprozess.

Die Evolution ist also kein Entstehungsprozess, sondern ein Erfahrungsprozess. Die Bausteine sind immer dieselben, Atome und Moleküle, Farben und Formen. Alte Bausteine wurden nicht abgeschafft, neue sind nicht hinzugekommen. Das Netz wird niemals kleiner oder größer, die Masse im Universum ist stets gleich. Das Netz ist immer in einem perfekten Gleichgewicht. Deshalb besitzt das Netz auch keinen höheren oder niederen, keinen besseren oder schlechteren Teil, alle Erfahrungen sind gleich wertvoll.

Aus diesem Grund geht auch der Streit zwischen Darwinisten und Kreationisten unentschieden aus. Mit ihren Überzeugungen markieren beide Gruppen Erfahrungshorizonte, dazwischen ist jede Abstufung möglich. Beide Gruppen tragen zum Erfahrungsprozess bei. Der Mensch nimmt in diesem Prozess eine Sonderrolle ein, er ist weit mehr als eine Mutation innerhalb der Affenfamilie. Mehr dazu in einem späteren Text.

Wir sollten uns die Evolution als eine Blume vorstellen, die in alle Richtungen gleichzeitig wächst. Dabei entwickelt sie nur großartige und wertvolle Triebe. Die Knospe ist genauso wichtig wie die voll entwickelte Blüte, und die ist genauso bedeutsam wie der Trieb, der mit Dornen bewehrt ist. Alles bereichert den Erfahrungsprozess – jede Tat, jeder Gedanke und jede Empfindung ist unendlich wertvoll.
   

Hier ist mein YouTube-Video zum selben Thema.


Mehr dazu (und zu weiteren Themen):

   
      DIE FISCHNETZ-THEORIE

      88 Seiten     EUR  6,90  erhältlich u. a. bei Amazon

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Hier finden Sie einen erklärenden Text zur FISCHNETZ-THEORIE


Donnerstag, 19. Juli 2012

Video zur Evolution: Darwinismus oder Kreationismus? Eine neue Sichtweise.


Die Evolution ist nicht allein eine Entwicklung von A nach B, sie ist eingebunden in Kreisläufe und Netzwerke. Deshalb ist sie kein Entstehungs-, sondern ein Erfahrungsprozess. Der Mensch ist mehr als nur eine Mutation. Darwinisten und Kreationisten tragen zur Vervollständigung des Prozesses bei.

Weitere Infos unter: www.elkvonlyck.de


Sonntag, 8. Juli 2012

Lesung von DIE AUSWERTERIN auf der KultTour 2012 in Mannheim


Am 14.07.12 werde ich meinen neuen Roman DIE AUSWERTERIN - ODER DAS ENDE VON AUSCHWITZ auf der Mannheimer KultTour vorstellen. Ort der Lesung ist das theater oliv, es geht los um 19:00 Uhr.
Zur Einstimmung hier die Kritik von Sylvia aus dem Blog Herzbücher:


England, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges. Auf kraftlosen Beinen steht Emily Brown vor dem Büro von Arthur Harris, Oberbefehlshaber der britischen Luftstreitkräfte. Noch kann sie sich anders besinnen, kann das Teetablett in ihren schweißnassen Händen vor Marschall Harris abstellen, den Rückzug antreten und einfach so tun als hätte sie nichts gesehen. Während ihrer Tätigkeit als Auswerterin von Luftaufnahmen entdeckte sie kürzlich auf einer solchen Aufnahme das Konzentrationslager in Auschwitz. Sie sah die Menschen - Männer, Frauen, Kinder - die man aus etlichen Güterwaggons holte und wie Tiere in das Lager trieb. Ihre Vorgesetzten ignorierten ihre Hinweise, aber Emily vermag nicht über das Elend, dessen sie gewahr wurde, hinwegzusehen. Deshalb steht sie nun hier, bereit, Marschall Harris zu überreden, das Lager zu befreien. Ihrer zittrigen Beine zum Trotz betritt Emily den Raum. Zunächst versucht sie, Harris mit den Aufnahmen, die sie ihm vorlegt, zu überzeugen. Doch er wiegelt ab, also zückt sie eine Pistole. Um sein Leben zu retten, erteilt Harris die Order, Auschwitz aus der Luft anzugreifen. Damit er seinen Befehl nicht revidieren kann, will Emily den Marschall mit vorgehaltener Waffe so lange in Schach halten, bis der Bericht über die erfolgte Bombardierung eingeht. Während der Wartezeit liefern sich beide eine hitzige verbale Auseinandersetzung.

In Die Auswerterin befördert Elk von Lyck einige interessante politische Ereignisse ans Tageslicht, die man kaum in einem Geschichtsbuch findet. Brisante Dinge, die von den Verantwortlichen wohl aus gutem Grund nicht an die große Glocke gehängt wurden. Vornehmlich geht er der Frage nach, was genau die Alliierten über Auschwitz wussten. Außerdem sucht er nach Gründen für die ziemlich spät erfolgte Befreiung des Lagers. Schuldzuweisungen, um das eigene Gewissen zu beruhigen, ist ebenso ein Thema wie die Suche nach den Auslösern, die den Weg der Nazis an die Macht ebneten. Hierzu begibt er sich weit in die Vergangenheit, bis zum Ende des 1. Weltkrieges. Der Autor zeigt die Verfehlungen der Alliierten auf und beschönigt währenddessen nicht die Taten der Nazis.

Der höchst niveauvolle Wortwechsel zwischen der fiktiven Person Emily Brown und dem Chef der britischen Luftwaffe, Arthur Harris, der tatsächlich gelebt hat, nimmt den größten Platz in der Geschichte ein. Während Harris stur seinen Standpunkt vertritt, indem er alle politischen Entscheidungen der Alliierten als gut und richtig hinstellt, hält Emiliy, gewappnet mit fundiertem Hintergrundwissen, dagegen. Worte fliegen hin und her, Argumente treffen auf Gegenargumente. Beide schenken sich nichts und bieten damit dem Leser ein gelungenes Rededuell.

Regelmäßige Schwenks zu diversen Schauplätzen vermitteln zunächst den Eindruck, als handele es sich um zusätzliche Handlungsstränge, die parallel zueinander laufen. Dass dem keineswegs so ist stellt sich erst ab etwa der Buchmitte heraus, verwirrte mich aber nicht im Geringsten. Elk von Lyck beherrscht das „Spiel mit der Chronologie“ perfekt.

Mit der aufwühlenden Geschichte des kleinen Jacques und dessen Familie veranschaulicht der Autor die damalige Situation der Juden. Ein weiterer Handlungsstrang beschäftigt sich mit Walker, einem britischen Piloten. Hierbei beweist der Autor eine genaue Kenntnis technischer Details von verschiedenen Flugzeugtypen. Indem er derlei in die Handlung einfließen lässt, vermittelt er auf unterhaltsame Art, so ganz nebenbei, technisches Wissen.

Emily fungiert sozusagen als Stimme des Gewissens. Darüber hinaus zeigt Elk von Lyck am Beispiel seiner Hauptprotagonistin auf, dass auch ein „unbedeutender“ Mensch das Potenzial besitzt eine große Wirkung zu erzielen. Der Autor will erreichen - und das ist der tiefere Sinn, den ich dem Buch entnehmen konnte, und Lycks Botschaft an seine Leser - dass jeder einzelne sein Schicksal selbst in die Hand nimmt, Entscheidungen hinterfragt und nicht zusieht, sondern handelt.

Fazit
Die Auswerterin: oder Das Ende von Auschwitz ließ mich nachdenklich und aufgewühlt zurück, und genau das war meiner Meinung nach Elk von Lycks Absicht. Der Autor hat seinem Buch einen tieferen Sinn verliehen, und ich wünsche ihm, dass seine Botschaft möglichst viele Leser erreicht. Bei mir ist sie angekommen.





DIE AUSWERTERIN - ODER DAS ENDE VON AUSCHWITZ
132 Seiten   EUR 9,90  erhältlich u.a. bei Amazon.
Auch erhältlich als E-Book für EUR 7,99 u.a. bei Amazon.



Hier ist die Kritik von inkultura-online.

Und hier ist ein YouTube-Video, in dem ich mich zu dem Roman äußere.



Freitag, 29. Juni 2012

Buchvorstellung: Die Fischnetz-Theorie - ein neues Weltmodell


Die Menschheit steht vor ungeheuren Herausforderungen: Klimawandel, Artensterben, Überbevölkerung, Schuldenkrise. Der eingeschlagene Weg führt uns in die Katastrophe, es bleibt nur noch wenig Zeit zum Handeln. Wir müssen die Welt jetzt völlig neu denken.

Der Kern der FISCHNETZ-THEORIE:

Bislang haben wir uns die Welt oder das Leben (beides ist identisch miteinander) als eine Bewegung von A nach B vorgestellt. Das kann eine räumliche Bewegung sein (z.B. ein Universum, das sich ausdehnt, oder ein Mensch, der sich von A nach B bewegt), eine zeitliche Bewegung (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft), eine biologische Entwicklung (vom Einzeller zum Homo sapiens) oder eine kulturelle Entwicklung (von der Höhlenmalerei zum Internet). Diese Vorstellung ist relativ richtig, d.h. betrachtet aus der Perspektive desjenigen, der sich innerhalb der Bewegung befindet. Absolut gesehen jedoch ist diese Vorstellung falsch.

Die Welt oder das Leben ist ein Netzwerk, das in seiner gesamten Ausdehnung existiert, das niemals kleiner oder größer wird, das sich aber selbst immer wieder neu erfährt.

Basis für diese Behauptung sind Beobachtungen. Die reine Bewegung von A nach B kommt im gesamten Universum nicht vor. Stattdessen gibt es nur zwei Strukturen: Kreisläufe und Netzwerke. Man findet sie auf der Ebene des Mikrokosmos ebenso wie auf der Ebene des Makrokosmos.
1. Der Mikrokosmos: Laut dem Orbital-Modell besteht das Atom aus einem Kern und aus Elektronen, die den Kern umgeben.
Zwei oder mehr Atome bilden gemeinsam Moleküle. Sie besitzen die Struktur von Netzwerken. Nach einer gewissen Zeit zerfallen die Moleküle, die einzelnen Atome schließen sich zu neuen Molekülen zusammen. Dieser ewige Wandlungsprozess führt aber niemals zu einem Ziel, die Moleküle erreichen keinen "höheren" Zustand.
2. Der Makrokosmos: Laut dem Kopernikanischen Weltbild wird die Sonne von Planeten umkreist. Viele Sonnensysteme bilden gemeinsam Galaxien. Sie besitzen den Charakter von Netzwerken. Aber auch Galaxien erreichen weder ein Ziel noch einen "höheren" Zustand.
Die Urknall-Theorie muss falsch sein. In der Natur passiert nichts nur ein einziges Mal. Alles Geschehende wiederholt sich unendlich oft (Nietzsche).
Letztlich sind beide Strukturen identisch miteinander. Kreisläufe sind sich bewegende Netzwerke, Netzwerke sind stehende Kreisläufe.

Die Liste der Beispiele ließe sich beliebig fortsetzen. Ein Fluss strömt von seiner Quelle zum Meer. Dort verdunstet das Wasser, der Wind treibt Wolken zu den Bergen, dort regnet das Wasser ab, es versickert im Boden und tritt an der Quelle wieder hervor. Der Mensch jedoch, der am Ufer des Flusses sitzt, sieht nur einen kleinen Ausschnitt des Kreislaufes. Noch schwieriger ist es, Mikrokosmos und Makrokosmos zu erkennen. Wir brauchten Jahrtausende dafür.

Streng betrachtet ist die Formulierung "brauchten" unzureichend, denn sie suggeriert, dass ein Teil des Bewusstwerdungsprozesses bereits vergangen ist. Das ist falsch, alles besteht für immer. Die Zeit ist ein Feld, das in seiner vollen Ausdehnung existiert. Wir jedoch, als "Teilnehmende an der Zeit", erleben nur einen winzigen Ausschnitt, nämlich den gefühlten Moment. So wie wir auch vom Raum nur einen winzigen Ausschnitt erkennen, denn unser Blick reicht nur bis zum Horizont.

Es gibt also kein Ziel zu erreichen, wir sind bereits am Ziel. Wir können uns auch nicht in einen "höheren" Zustand begeben, weder durch Arbeit, Erkenntnis noch durch moralisches Handeln. Wir müssen nur entscheiden, welchen Zustand wir erleben wollen. Wir sind das Netzwerk - und wir erleben uns immer wieder neu.

Daraus leitet sich eine Lawine von Schlussfolgerungen ab - zu viele für diesen Text-Post. Hier nur die Wichtigsten: Raum, Zeit und Materie existieren nicht - zumindest nicht so, wie wir es uns bisher vorstellten. Es gibt keine Spaltung in Gut und Böse, die Begriffe Schuld und Sühne haben keine Bedeutung. Eine Evolution (im Sinne eines Entstehungsprozesses) findet nicht statt. Der Mensch ist unsterblich, er lebt in unendlich vielen Welten. Mehr dazu in späteren Texten.

Und noch ein Wort an alle Wissenschafts-Dogmatiker: Immer wieder erlebe ich es, dass mir „Experten“ (die selbst oft ihr Studium noch nicht beendet haben) vorwerfen, ich hätte die Quantenphysik nicht völlig verstanden. Das stimmt – aber wer kann das schon von sich behaupten? Einige leiten davon eine Art Schweigegebot ab, wonach sich wissenschaftliche Laien besser nicht zu diesem Thema äußern. Weil sie dadurch Schaden anrichten, leichtgläubige Leser verwirren usw. Wenn diese Logik richtig ist, dann dürften sich beispielsweise zum Thema Todesstrafe nur noch Mörder und Henker äußern – denn sie sind die einzigen, die wirklich wissen wovon sie reden. Die öffentliche Debatte würde dann allerdings ziemlich einseitig geführt werden.

Die Gedanken zum Thema Naturwissenschaften, die in diesem Text geäußert werden, erheben daher keinen Anspruch auf absolute Wahrheit. Sie sind vielmehr als Anregung gedacht von jemandem, der zugegebenermaßen keinerlei Aussicht auf den Nobelpreis hat, dafür jedoch über eine unvoreingenommene Sicht verfügt – und die wird manchmal in Wissenschaftskreisen vermisst.

Ich erkläre dieses Prinzip auch in meinem literarischen Werk, u.a. im Roman DIE AUSWERTERIN - ODER DAS ENDE VON AUSCHWITZ. Marschall Arthur Harris, eine der beiden Hauptpersonen, ist davon überzeugt, dass seine Bomber ein Ziel erreichen müssen, nämlich die Industriestadt Ostrau. Danach will er ein weiteres Ziel erreichen, die Vernichtung des Nazi-Regimes, dann will er die Kommunisten bekämpfen... Er verschiebt seine Ziele, Frieden und Menschlichkeit, immer weiter in die "Zukunft". Emily Brown, seine Gegenspielerin, weiß jedoch, dass sie bereits am Ziel ist. Sie will Frieden und Menschlichkeit hier und jetzt.  
Mehr dazu erfahren Sie in meinem YouTube-Video oder in dieser Kritik.

Unter diesem Link finden Sie das Video zur FISCHNETZ-THEORIE.

Weitere Informationen erhalten Sie auf meiner Hauptseite www.elkvonlyck.de.

DIE FISCHNETZ-THEORIE    88 Seiten  6,90 Euro  erhältlich u.a. bei Amazon
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Sonntag, 24. Juni 2012

Die Fischnetz-Theorie - ein neues Weltmodell - Buchvorstellung auf Video



In diesem Video präsentiere ich ein neues Weltmodell. Unsere bisherige Sicht auf die Welt (und das Leben in ihr) ist falsch. Die Welt ist ein Netzwerk, das niemals kleiner oder größer wird, das sich aber immer wieder selbst neu erfährt. Raum, Zeit und Materie existieren nicht - zumindest nicht so, wie wir es uns bisher vorstellten. Es gibt keine Spaltung in Gut und Böse, eine Evolution (im Sinne eines Entstehungsprozesses) findet nicht statt.
Mehr dazu demnächst in einem Text-Post.
Oder auf www.elkvonlyck.de

Donnerstag, 14. Juni 2012

Erste Kritik von DIE AUSWERTERIN - ODER DAS ENDE VON AUSCHWITZ



Michael Kreisel von inkultura-online war der Schnellste. Hier seine Kritik meines neuen Romans DIE AUSWERTERIN - ODER DAS ENDE VON AUSCHWITZ:





Die wirklich bewegenden Bücher, die provozierenden und verstörenden, die, wie es die Aufgabe guter Literatur sein sollte, den Verstand herausfordernden und die Emotionen weckenden Texte stehen zu Unrecht abseits des medial goutierten Mainstreams. Was seinen Weg nicht in die Spalten des Feuilletons schafft, das findet naturgemäß auch keine Aufmerksamkeit beim Lesepublikum und kann dementsprechend leider keine Breitenwirkung erzielen. In Zeiten des praktizierten Konsumismus, die Ersatzreligion der breiten Masse, bilden die Kulturbeilagen der meinungsmachenden Printmedien keine Ausnahme und sind aufgrund dessen nur ein Spiegelbild der mentalen Befindlichkeiten dieses Landes und somit sind sie nur kommerziell orientierte und selbstreferentielle Zuarbeiter einer literarischen Industrie, die vornehmlich mit der Produktion von ephemeren Belanglosigkeiten beschäftigt ist.
Elk von Lyck ist ein Autor, der sich mit seinen Büchern außerhalb der vorherrschenden Richtung bewegt. Sein neuer Roman Die Auswerterin stellt sich überdies noch gegen die Deutungshoheit der aktuell herrschenden politischen Elite - die sich natürlich auch in Besitz des literarisch akzeptierten Kanons der historischen Bewertung der nationalsozialistischen Verbrechen wähnt - und deren Wacht über die vermeintlich korrekte Interpretation historischer Fakten.
Die Auswerterin provoziert geradezu Widerspruch und erzwingt damit eine Diskussion über gewohnte Denkstrukturen, die einzig der perpetuierten offiziellen Historiographie geschuldet sind. Das provokante Unterfangen des Autors ist die Frage danach, aus welchen Gründen die Alliierten trotz ihres Wissens um das Vernichtungslager Auschwitz, dessen Infrastruktur nicht bombardiert und so die dortigen Verbrechen, wenn auch nicht verhindert, so doch zumindest langfristig behindert haben.
Emily Brown ist im Jahr 1944 eine Auswerterin von Luftbildaufnahmen, die alliierte Flugzeuge über dem Luftraum Deutschlands machten. Aufgrund der ausgewerteten Fotos legte das alliierte Bomberkommando unter Führung des Air Chief Marshal der Royal Air Force, Arthur Travers Harris, die Ziele der Luftangriffe in Deutschland fest. Eines Tages entdeckt Emily auf einem Foto das Konzentrationslager Auschwitz und informiert darüber ihre Vorgesetzten. Sie stößt jedoch auf taube Ohren und schieres Unverständnis, das sie in der Folge zu einer wahnwitzigen Tat veranlasst. Sie betritt das Büro von Arthur Harris, nimmt ihn als Geisel und verlangt die sofortige Bombardierung dieses Lagers.
Was zu Beginn wie ein historische "Was wäre, wenn... ?" Fiktion erscheint, erhält schnell eine brisante Komponente. Die Alliierten befanden sich im Besitz von Kenntnissen über Auschwitz. Aus welchen Gründen haben sie dieses Lager nicht bombardiert? Dass die politischen Führungen der USA und Großbritanniens von der Existenz und dem Zweck des Konzentrationslagers wussten, ist von vielen Historikern inzwischen bestätigt. Warum Churchill und Roosevelt die umliegenden Fabriken angreifen ließen, nicht aber Auschwitz, ist bis heute eine unbefriedigend beantwortete Frage geblieben.
Im Verlauf der Geiselnahme entwickelt sich eine Diskussion zwischen Emily Brown und Arthur Harris, die zwei sich unversöhnlich gegenüberstehende Meinungen repräsentiert. Emily, eine unscheinbare und politisch eher uninteressierte Frau, bezieht auf einmal Stellung und fordert einen scheinbar mächtigen und einflussreichen Kommandierenden heraus. Wer mit den bisherigen Werken dieses Autors vertraut ist, der weiß um dessen Intentionen bezüglich der fatalen Auswirkungen - auch historisch betrachtet - verletzter Emotionen. So weist Emily darauf hin, dass auch die Briten aufgrund ihrer militärischen Aufrüstung gegen den Vertrag von Versailles verstoßen haben, dies den Deutschen jedoch zum Vorwurf gemacht haben. Sie lässt eine Reihe von historischen Ereignissen Revue passieren, mit denen sie darauf hinweist, dass jeder Krieg und jede militärische Auseinandersetzung bereits den Keim für die folgenden Konflikte beinhaltet. So wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mit dem Versailler Vertrag die wenige Jahre später stattfindenden Konflikte heraufbeschworen.
Von Lyck liefert in seinem Dialogroman Die Auswerterin eine provokante Antwort von Arthur Harris auf die Frage, aus welchen Gründen das Lager Auschwitz nicht angegriffen worden ist. Man musste, so der Air Chief, an die "politische Komponente" denken. Die Nazis sind von Nutzen, wenn es um die Eliminierung von Kommunisten geht, denn nach dem Krieg ist vor dem Krieg und der nächste wird gegen Stalins Weltrevolution geführt werden. Harris formuliert es im Roman folgendermaßen: "Man kann über die Nazis nicht viel Positives sagen, aber in diesem Fall sind sie sehr hilfreich."
Der Roman bewegt sich im Spannungsfeld von individueller Möglichkeit und politischer Realität. Was kann der Einzelne gegen ein System ausrichten? Wo und, noch viel wichtiger, wann muss er sich positionieren und gegen Gewalt und Willkür erheben? Emily Brown ist ein Rädchen in der Maschinerie des politisch-gesellschaftlichen Getriebes und wird von den Mächtigen - Arthur Harris - als zu unwichtig empfunden, um etwas bewirken zu können. Diese Unterschätzung kommt Harris und der Politik teuer zu stehen
Zieht man Parallelen zur aktuellen global-politischen Situation, dann muss man konstatieren, dass dem Individuum gegenüber den herrschenden Kräften des politisch-wirtschaftlichen Oligopols anscheinend auch nur die Rolle eines ohnmächtigen Beobachters zugestanden wird. Eine Allianz aus Finanzkapital und willfährigen Politikern ist dabei, den Planeten unter sich aufzuteilen. Hätte Emily Brown, haben auch wir gegen diese geballte Macht eine Chance?



Meine Bewertung:Bewertung     (Fünf von fünf Punkten)

Ende der Kritik.

Hier noch der Link zu meinem YouTube-Video, in dem ich mich zu dem Buch äußere.


DIE AUSWERTERIN - ODER DAS ENDE VON AUSCHWITZ
160 Seiten   EUR 9,90  erhältlich u.a. bei Amazon.
Auch erhältlich als E-Book für EUR 4,99 u.a. bei Amazon.


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Sonntag, 10. Juni 2012

Obama der Kriegspräsident


Am 06.06.12 verkündeten die Nachrichtenagenturen, dass Abu al-Libi, ein führendes Mitglied des Terrornetzwerks al-Quida, durch einen Drohnenangriff getötet wurde. Diese Meldung ist im Grunde nicht überraschend, die USA führen wieder einmal Krieg gegen die Menschen, die sie für ihre Feinde halten. Ungewöhnlich ist nur der Auftraggeber der gezielten Tötung: Barack Obama. Es handelt sich hierbei nicht um eine Verwechslung, es ist tatsächlich jener Barack Obama  gemeint, der 2009 den Friedensnobelpreis erhielt.

Die USA ändern derzeit ihre Militärstrategie, weg vom konventionellen Landkrieg, hin zum Krieg mit Drohnen und zum Cyberwar. Auch der Computerwurm Stuxnet, der zeitweise das iranische Atomprojekt lahmlegte, wurde vermutlich im Auftrag einer US-Behörde entwickelt. Diese neue Strategie bietet zwei scheinbare Vorteile:
  1. Sie ist vergleichsweise billig. Allein die Kriege im Irak und in Afghanistan haben bisher 128 Milliarden Dollar gekostet.
  2. Das Risiko ist relativ gering. Bei Einsätzen von Drohnen oder Schadsoftware riskiert kein Angreifer sein Leben.
Verständlich, dass Obama der Verlockung erlegen ist.

Wird diese neue Strategie zum Frieden führen? Sicher nicht, denn sie birgt auch erhebliche Risiken.
  1. Es ist sehr schwer einen Feind aus Tausenden Kilometern Entfernung zu erkennen. Laut dem Bureau of Investigative Journalism (TBIJ) sind seit 2004 zwischen 385 und 775 unbeteiligte Personen durch US-Drohnenangriffe ums Leben gekommen (Quelle: Wikipedia). 
  2. Auch die  Wirkung von Computerviren lässt sich nur schwer begrenzen, Kollateralschäden sind jederzeit möglich.
Die eigentlichen Ursachen des Krieges – Angst und Wut – werden dadurch nicht aufgelöst. Im Gegenteil, die Angst vor der amerikanischen Kriegsmaschinerie und die Wut über das rücksichtslose Vorgehen dürften eher noch ansteigen. Drohnen sind in der Lage, jeden Menschen auf der Welt zu töten. Eine militärische Gegenwehr ist schwierig, da diese Mordmaschinen in großer Höhe fliegen und vom Boden kaum zu entdecken sind. Eine juristische Gegenwehr ist unmöglich, das potentielle Opfer erhält keinen gerechten Prozess, es bekommt keinen Verteidiger zur Seite gestellt und lernt auch seinen Ankläger niemals kennen. Allein der amerikanische Präsident entscheidet über Leben und Tod.   

Bislang wurde noch kein Friedensnobelpreis seinem Träger wieder abgenommen - in diesem Fall sollte man darüber nachdenken.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Dschungelkind - Filmkritik auf Video


Hier meine Bewertung von Dschungelkind, eine Mischung aus Abenteuer- und Familienfilm mit Stella Kunkat und Thomas Kretschmann. Regie: Roland Suso Richter. 126 Minuten. FSK: ab 12 Jahren.

Montag, 4. Juni 2012

Unknown Identity - Filmkritik auf Video



In diesem Video bespreche ich den Film Unknown Identity, ein Action-Thriller mit Liam Neeson und Diane Kruger. Regie: Jaume Collet-Serra. 108 Minuten. FSK: ab 16 Jahren.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Die Auswerterin oder Das Ende von Auschwitz - Buchvorstellung auf Video


In diesem Video stelle ich meinen neuen Roman DIE AUSWERTERIN - ODER DAS ENDE VON AUSCHWITZ vor. Ich gebe einige Informationen zum Inhalt und zu den Gründen, die mich dazu bewogen haben, dieses schwierige Thema aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Das Buch ist ab jetzt im Handel erhältlich.

Sonntag, 20. Mai 2012

Hollande der Operettenpräsident



Francois Hollande, der neue Staatspräsident von Frankreich, will alles anders machen als sein Vorgänger Sarkozy. Er will ein Präsident der kleinen Leute sein, will die Arbeitslosigkeit bekämpfen, die Wirtschaft ankurbeln und die Staatsfinanzen sanieren. Um den neuen Politikstil auch optisch deutlich zu machen, nahm er die Parade zu seiner Amtseinführung in einem Citroen DS 5 ab, einem Hybridauto, das angeblich nur 3,8 Liter Benzin verbraucht. Das passt zu einem Präsidenten des 21. Jahrhunderts.
Nicht so recht ins Bild passten allerdings die Reiter der Ehrengarde, die zur Feier des Tages ihre schicksten Uniformen trugen – inklusive des Federstutzes auf dem goldenen Helm. Damit sahen sie aus, als ob sie direkt aus einer Operette von Jacques Offenbach geritten kämen. Noch viel weniger passte, was kurz zuvor geschehen war. Hollande ließ sich von seinem Vorgänger in die Staatsgeheimnisse einweisen und bekam von ihm die Abschusscodes für die Atomwaffen überreicht. Trotz moderner Technik ist die französische Politik immer noch tief im 19. Jahrhundert verwurzelt.

Demokratie bedeutet Transparenz, Offenheit und Nachvollziehbarkeit. Wie kann es in einer Demokratie Staatsgeheimnisse geben? Bürger können sich nur dann eine Meinung bilden, wenn sie alle wesentlichen Fakten kennen. Und ausgerechnet in Frankreich wird ihnen das verweigert - in einem der "Mutterländer der Demokratie."
Welche Geheimnisse hütet das Land wohl? Vielleicht geht es um die tatsächliche Höhe der Staatsverschuldung – inklusive der Schattenhaushalte. Vielleicht werden noch immer dunkle Geheimnisse der Geschichte verborgen, Gründe, die zu Kriegen und Revolutionen führten. Es darf spekuliert werden.

Noch schlimmer sind allerdings die peinlichen Weltmachtansprüche der Franzosen. Sie gipfeln in der Force de frappe, der französischen Atomstreitmacht. Zur Erinnerung: 1992 ist das Land dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten – die Waffen sind bis heute nicht abgerüstet.

Wenn Hollande tatsächlich ein besserer Präsident sein will, sollte er beides abschaffen – die Staatsgeheimnisse und die Atomwaffen.