Freitag, 30. Dezember 2011

Alles Liebe!

Und auch von mir: Einen guten Rutsch und viel Glück im neuen Jahr.
Mein Wunsch, meine Forderung an 2012 lautet: Liebe! Für alle! Jetzt!


Montag, 26. Dezember 2011

Heesters und die Holländer


Johannes Heesters ist tot. In Deutschland waren die Nachrufe überwiegend positiv, Journalisten und Politiker hoben die herausragende Bedeutung Heesters` als Künstler und Mensch hervor. In den Niederlanden ging man weit kritischer mit ihm um. Die Nachrichtenagentur ANP betitelte ihren Nachruf mit Heesters: verehrt und angespuckt. In vielen Berichten wurde auf seinen Besuch im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1941 hingewiesen.
Heesters ist in seiner Heimat bis heute umstritten. Noch im Jahr 2008 kam es in Den Haag bei einem Konzert zu einer Demonstration gegen den Sänger, bei der u.a. Plakate hochgehalten wurden, auf denen er als der singende Nazi (siehe Foto) bezeichnet wurde, oder auf denen zu lesen war: Mein Großvater war in Dachau - als Häftling.

Wie kommt es dazu? Wie kann es sein, dass in einer modernen aufgeklärten Gesellschaft so viel Hass und Verachtung existieren? Geht es wirklich nur darum, die Erinnerung an Krieg und Gewaltherrschaft wachzuhalten?

Eindeutig nein. Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass die Niederländer - ähnlich wie unsere übrigen Nachbarn - in ihrer Geschichtswahrnehmung äußerst schizophren sind. Zwei Beispiele dazu:

1. Das Nationalmonument in Amsterdam - ein Mahnmal für die Opfer der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Im Sockel des Obelisken sind zwölf Urnen eingelassen, die Erde aus den elf (damaligen) niederländischen Provinzen enthalten - und aus Indonesien. Der südasiatische Inselstaat war über 300 Jahre von Niederländern besetzt. Sie haben es also tatsächlich fertiggebracht, ein Mahnmal gegen Gewalt und Unterdrückung zu errichten, das in sich selbst ein Element von Gewalt und Unterdrückung birgt.
Und mal ganz nebenbei: Woran erinnert Sie dieses Symbol? : )


2. Das Niederländische Institut für Kriegsdokumentation (NIOD). Diese Einrichtung wurde ursprünglich gegründet, um die Besetzung der Niederlande und Niederländisch-Ostindiens während des Zweiten Weltkriegs zu dokumentieren. Inzwischen ist das Forschungsgebiet auf das gesamte zwanzigste Jahrhundert ausgedehnt. Ausgenommen ist jedoch die niederländische Kolonialgeschichte - und somit auch jene Verbrechen, die von Niederländern begangen worden. Und davon gibt es so einige.

Zum Beispiel der Volksaufstand auf Java, dem zwischen 1825 und 1830 mehr als 200.000 Einheimische zum Opfer fielen. Das ist lange her, könnte man entgegnen. Die Gewalttaten hielten jedoch bis zum Ende des Kolonialismus an. Das Massaker von Rawagede  beispielsweise fand 1947 statt. Informationen zu diesen und ähnlichen Themen sind aber nur äußerst schwer zu bekommen.

Also: Warum regen sich die Niederländer so sehr über die Verbrechen anderer auf - nur nicht über die eigenen Verbrechen? Wie kann sich ein Volk, das über Jahrhunderte hinweg schlechte Beispiele gegeben hat, das an Kriegen, Völkermorden und Sklaverei beteiligt war, als unschuldiges Opfer fühlen?

Auch hier müssen ungeklärte Gefühle aus Ursache vermutet werden. In den Niederlanden schwelen unter der scheinbar liberalen Oberfläche verdrängte Angst, Hass, Schuld- und Schamgefühle. Diese Gefühle suchen nach Ausdruck, suchen nach einer Projektionsfläche. Ein alter Mann, der sich nicht mehr wehren kann, eignet sich dafür natürlich besonders gut.

Es ist Zeit, endlich ehrlich zu sein, die gesamte Geschichte der Menschheit aufzuarbeiten. Das Menschsein basiert nicht auf gedanklicher Vernunft, sondern auf Gefühlen. Dafür ließen sich noch viele weitere Beispiele anführen. Etwa der Konflikt zwischen Frankreich und der Türkei wegen des Völkermordes an den Armeniern. Und an den Algeriern. Oder die weltweite Schuldenkrise. Oder die Umweltzerstörung. All das sind unbeherrschte Gefühle.

Die Menschheit hat kein Ziel zu erreichen und keinen Auftrag zu erfüllen. Wir müssen nur entscheiden, wer wir sein wollen, welche Gefühle wir zum Ausdruck bringen wollen: Angst, Leid und Wut - oder Mut, Zuversicht und Liebe? Wollen wir die alten Konflikte ewig fortführen - oder wollen wir endlich zu neuen Ufern aufbrechen?


Sonntag, 25. Dezember 2011

Mach ´s gut, Jopie!


Vor kurzem habe ich ihm noch zum Geburtstag gratuliert, jetzt ist er tot. An Heiligabend verstarb Johannes Heesters im Klinikum Starnberg an den Folgen eines Schlaganfalls. Heesters wurde 108 Jahre alt.

Ist das ein Grund zur Trauer? Ja, aber nur für ein paar Minuten. Danach sollten wir uns an dem erfreuen, was wir an ihm gehabt haben: einen großartigen Schauspieler, Sänger, Tänzer - und ein Vorbild für uns alle. Heesters hat beinahe bis zum Schluss gearbeitet, noch in diesem Jahr wirkte er in dem Kurzfilm Ten mit.
Das muss ihm erst mal einer nachmachen!

Also, ich trinke auf dein Wohl, Jopie!


Freitag, 23. Dezember 2011

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Von der Rückzahlung der Schulden


Das Jahr geht zu Ende. Zeit für eine Bilanz. 2011 war vor allem von einem Thema geprägt: dem Schuldenmachen. Wir haben nicht nur finanzielle Schulden angehäuft, sondern auch ökologische und soziale. Das ist bekannt - doch geschehen ist insgesamt zu wenig.

Anfang Dezember wurde auf dem EU-Gipfel in Brüssel die Gründung einer europäischen Fiskalunion beschlossen, verbunden mit einer Schuldenbremse und automatischen Sanktionen gegen Defizitsünder. Das klingt vernünftig. Kurz danach vergab die Europäische Zentralbank jedoch einen Kredit in Höhe von fast 500 Milliarden Euro an Banken des Euro-Raums, in der Hoffnung, dass damit auch Staatsanleihen der Krisenländer gekauft werden. Spanien profitierte bereits davon, das Land konnte mehr als doppelt so viel Geld am Markt leihen als ursprünglich geplant. Gleichzeitig kauft die EZB ebenfalls derartige Anleihen - und zwar in sehr großem Umfang, derzeit mindestens 200 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Die Schuldenmacherei geht weiter, nur werden die Schulden nun anders verteilt.

Ebenfalls Anfang Dezember fand die UN-Klimakonferenz in Durban statt. Sie gilt - unter den Teilnehmern - als großer Fortschritt, weil sich alle Staaten "zu einem rechtsverbindlichen, internationalen Abkommen zum Klimaschutz bekannt haben", wie EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard sagte. Wer genau hinschaut sieht jedoch, dass ein rechtsverbindlicher Vertrag erst auf der nächsten Konferenz im Jahr 2015 abgeschlossen wird - oder auch nicht. Kanada ist bereits aus dem Kyoto-Protokoll ausgestiegen, die USA haben es gar nicht erst ratifiziert.
Und die CO2-Emissionen? Sie sind gestiegen und steigen weiterhin an. Damit nehmen wir gewissermaßen Klimaschulden auf. Heute produzieren wir gewaltige Mengen Treibhausgase, die auf Jahrzehnte hinaus in der Atmosphäre verbleiben werden.

Und genau das ist das Problem. Wir machen Schulden - und die Generationen, die nach uns kommen, haften dafür. So wandeln sich die Finanz- und Klimaschulden in soziale Schulden.

Gibt es einen Ausweg? Natürlich. Auch hier lautet das Zauberwort Bewusstheit. Alles, was der Mensch tut, hat Auswirkungen auf seine Umwelt. Jeder Euro wirkt sich auf die Finanzen aus, jedes Gramm CO2 beeinflusst die Atmosphäre. Jede Tat wirkt sich aus, jedes Wort, jeder Gedanke, sogar jedes Gefühl, das wir zulassen, entfaltet seine Wirkung - manchmal sofort, manchmal später. Aber auch das Unterlassene wirkt sich aus, jede nicht begangene Tat, jedes nicht gesagte Wort, jeder nicht gedachte Gedanke und jedes verdrängte Gefühl.

Doch es gibt immer wieder Zeichen der Hoffnung. Am 20.12.11 ist ein weiteres hinzugekommen, das im ersten Moment kurios erscheinen mag: die neuen Energieeffizienzklassen der EU. Bislang gab es die Klassen A bis G, nun kommen A+, A++ und A+++ hinzu. In der Praxis zeigt diese Klassifizierung bereits Wirkung. Elektrogeräte mit einer schlechten Einstufung sind bei uns praktisch unverkäuflich. So funktioniert Bewusstheit.

Wenn wir dieses Prinzip durchhalten, es auf alle Lebensbereiche ausdehnen, können wir unsere Schulden rasch zurückzahlen. 
 

Filmkritik - Der Name der Leute - auf DVD


Inhalt:

Bahia (Sara Forestier) ist eine politische Hure. Davon gibt es viele, könnte man antworten, man sieht sie jeden Abend in den Fernsehnachrichten. Doch diese hier ist eine ganz Besondere: Bahia schläft mit Männern, die sie für böse hält - in diesem Fall sind es Rechte -, um sie zu bekehren, um sie „gut“ zu machen. Eines Tages trifft sie Arthur (Jaques Gamblin), Vogelgrippenexperte im französischen Gesundheitsamt. Wegen seiner Sicherheitsappelle scheint er ein reaktionärer Langweiler zu sein und damit ein idealer Patient für ihre Therapie. Arthur jedoch bekennt sich als Sozialist und - schlimmer noch - seine Vorfahren wurden von den Nazis verfolgt.

Eine verzwickte Lage für Bahia, die selbst zur Hälfte Araberin ist und sich als klassisches Opfer fühlt, aber nicht mehr Opfer sein will. Ein Ausweg bietet sich an: Die beiden könnten sich zusammentun, um fortan gemeinsam die Welt zu retten. Aber wer ist nun gut und böse, wer ist Opfer und wer Täter?


Bewertung:

Der Inhalt klingt witziger, als er ist. Hier werden zwar viele Vorurteile und Klischees vorgeführt, doch ironisch gebrochen wird nur wenig davon. Am Ende sind die Linken immer noch die Guten und die Rechten sind die Bösen. Wirklich geholfen wird in diesem Film niemanden, im Gegenteil, die Positionen werden eher noch untermauert. Aber immerhin verliert dabei niemand sein Leben, die einzige Waffe, die hier zum Einsatz kommt, ist der Sex. Eine wohltuende Abwechslung gegenüber den blutigen Lösungen des Hollywood-Kinos.
Positiv: die schauspielerischen Leistungen. Sara Forestier spielt mit vollem Körpereinsatz, wofür sie einen César bekam.
Auch die Inszenierung kann überzeugen, obwohl klar ist, dass Regisseur Leclerc mit den Rückblenden und der Gegenüberstellung von Arthurs Vater und seinem jugendlichen Ich bei Woody Allen abgekupfert hat. Aber immer noch besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht.    
Fazit: Solide Unterhaltung. Geeignet für Anhänger der Occupy-Bewegung, linke Wähler und Menschen mit vorgefassten Meinungen. Nicht geeignet für Filmfreunde, die wirklich nachdenken wollen. 

  
Infos zur DVD:

Die Extras sind leider ziemlich dürftig ausgefallen: Deutsche Untertitel, ein paar Trailer und zwei kurze Interviews.




Montag, 12. Dezember 2011

Filmkritik - The Help



Inhalt:

In den Südstaaten der USA tobt während der sechziger Jahre der Kampf um Rassengleichheit und Bürgerrechte. Schwarze werden im Alltag diskriminiert, ihnen ist der Zugang zu Bildung und Wohlstand verwehrt, sie wohnen in Armenvierteln und schuften in schlecht bezahlten und gering angesehenen Jobs. Dazu zählt auch die Arbeit als Hausmädchen, obwohl die Kinder der weißen Oberschicht mehr von eben diesen Hausmädchen als von ihren Eltern erzogen werden.

Dieser Widerspruch fällt Eugenia „Skeeter“ Phelan (Emma Stone) auf, die als Journalisten für eine Lokalzeitung arbeitet. Sie entschließt sich, eine Artikelserie über schwarze Dienstboten zu schreiben und stößt damit auf Widerstände von beiden Seiten: Die weißen Herren möchten nicht, dass zu viel von ihrem Privatleben bekannt wird, und die schwarzen Angestellten sind zunächst misstrauisch, weil sich noch nie jemand für sie interessiert hat.
Skeeter gelingt es, das Vertrauen der warmherzigen Aibileen (Viola Davis) und der kecken Minni (Octavia Spencer) zu gewinnen. Die beiden öffnen sich ihr, erzählen aus ihren Leben. Skeeter ist erschütert von dem was sie hört und beschließt, aus der Artikelserie ein Buch zu machen. Damit bringt sie jedoch sich und ihre neuen Freunde in Gefahr...   


Bewertung:

In diesem Film geht es um die Schicksale schwarzer Hausmädchen - trotzdem ist er aus der Sicht einer Weißen erzählt. Obwohl den Schwarzen viel Raum gegeben wird und man einiges über sie erfährt, sind sie nicht wirklich handelnde Personen, sie sind vielmehr Gegenstände der Handlung. Die Initiative geht - im positiven wie negativen Sinne - allein von den Weißen aus.
Damit erinnert The Help stark an den Film Amistad von Steven Spielberg. Zur Erinnerung: Auf dem spanischen Sklavenschiff Amistad, das auf dem Weg zu einem kubanischen Hafen ist, findet eine Meuterei statt. Später wird die beschädigte Amistad von einem amerikanischen Schiff angegriffen und in einen US-Hafen umgeleitet. Verschiedene Parteien erheben vor Gericht Anspruch auf die Fracht des Schiffes, die schwarzen Sklaven, nur ein weißer Anwalt erkennt sie als Menschen und übernimmt ihre Verteidigung. Auch in diesem Film sind die Schwarzen mehr oder weniger Statisten, denen es trotz guter Ansätze nicht gelingt, ihre Probleme selbst zu lösen. Die Befreiung geschieht allein durch die Weißen - nachdem der Vorhang gefallen ist, kann sich das weiße Publikum gut fühlen, weil die Weißen wieder einmal die Welt gerettet haben. Dass sie zuvor die Welt aber auch an den Rand des Abgrunds geführt hatten, bleibt nicht in Erinnerung.
Damit sind im Grunde beide Filme - Amistad und The Help - unterschwellig rassistisch. Nur dass dieser Rassismus nicht so leicht zu erkennen ist wie ein Schild, auf dem steht: Für Schwarze verboten!



Donnerstag, 1. Dezember 2011

Es gibt keine Nazis!


Anders Breivik ist unzurechnungsfähig. Zu diesem Ergebnis kamen zwei Gutachter, die den Massenmörder von Utoya intensiv untersuchten. Deshalb muss der Norweger wahrscheinlich nicht ins Gefängnis, sondern wird die nächsten Jahre, vielleicht auch den Rest seines Lebens in einer psychiatrischen Klinik verbringen.
Das kann keine Überraschung sein, wer den Fall Breivik aufmerksam verfolgt hat, wusste schon sehr früh, dass er kein Neonazi ist. Er selbst gab einen wichtigen Hinweis darauf, indem er Winston Churchill und den Widerstandskämpfer Max Manus als seine Vorbilder nannte. Ich habe bereits in meinem Post vom 26.07.11 eine Geisteskrankheit bei ihm vermutet.

Sicher werden viele Menschen davon enttäuscht sein. Sie werden eine hohe Strafe fordern und zur Begründung auf sein rassistisches Pamphlet verweisen, auf seine Verbindungen zur rechten Szene usw. Aber all das ist keine Erklärung für seine Taten. Breivik ist kein Nazi. Er hat die rechte Ideologie nur benutzt, um seinen Wahn auszuleben. Dieser Wahn wiederum hat tiefere Ursachen, die Gutachter sprachen von einem möglichen Missbrauch in seiner Kindheit, der von weiteren Faktoren verstärkt wurde.

Auch die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle sind im Grunde keine Nazis. Ihre Opfer dienten als Projektionsfläche für ihren Hass, der wiederum auf Angst beruht. Hass ist übersteigerte Angst. Die Zwickauer hätten sich genauso gut auch der linken Szene anschließen und böse Nazis bekämpfen können, oder als Muslime in den heiligen Krieg ziehen können usw.
Und auch die Menschen, die hohe Strafen für Breivik und die rechten Terroristen fordern, handeln aus derselben Motivation heraus, aus Angst, in diesem Fall vor der rechten Bedrohung, die zu Empörung wird und manchmal in blanken Hass umschlägt.

Manch ein Leser wird nun wahrscheinlich sagen, der Blogger mache es sich zu einfach, indem er auf Angst als grundlegendes Motiv schließt. Das ist richtig und falsch zugleich. Richtig ist es in dem Sinne, dass das Leben auf wenigen Grundprinzipien aufbaut. Eines davon lautet: Gefühle sind die Basis des Menschseins.
Es ist falsch in dem Sinne, dass dadurch irgendetwas leichter wird. Im Gegenteil. Eine Bestrafung der Täter zu fordern, ist einfach. Zu verhindern, dass Menschen zu Tätern werden, ist schwierig. Das setzt nämlich voraus, dass wir unsere Gesellschaft umbauen, dass wir auf Menschen wie Breivik und die Zwickauer Terroristen achten, dass wir uns um sie kümmern, dass wir ihnen helfen, ihren Hass aufzulösen, ihnen Mut machen, ihnen Liebe geben statt Hass und Verachtung.
Süße kleine Kinder oder Hundebabys zu lieben, ist keine Kunst. Die Herausforderung besteht darin, einem grölenden Glatzkopf zu helfen. Das ist richtig harte Arbeit.    

Sonntag, 27. November 2011

Filmkritik - Unknown Identity - auf DVD


Inhalt:

Dr. Martin Harris (Liam Neeson) reist zu einem wissenschaftlichen Kongress nach Berlin. Kurz nach seiner Ankunft erleidet er einen Unfall. Das Taxi, mit dem er zum Flughafen zurückfahren wollte, um einen vergessenen Koffer zu holen, stürzt in die Spree. Vier Tage später erwacht er aus dem Koma - allerdings nicht in seiner normalen Welt, er scheint einen Alptraum zu erleben. Niemand erkennt ihn, nicht einmal seine Ehefrau, stattdessen behauptet ein anderer Mann, er sei Dr. Martin Harris.
Der echte Harris ist verzweifelt, aber nicht mutlos. Er findet zwei Verbündete: die Taxifahrerin (Diane Kruger), die ihm das Leben gerettet hat, und den Privatdetektiv Ernst Jürgen (Bruno Ganz), einen ehemaligen Stasi-Schergen. Gemeinsam trotzen sie zwei Profikillern und kommen einer groß angelegten Verschwörung auf die Spur, die im Zusammenhang mit dem Kongress steht...    


Bewertung:

Über den Film selbst gibt es nicht viel zu sagen. Ein klassischer Thriller in der Tradition der Hitchcock-Filme, auch mit Polanskis Frantic oder der Bourne-Reihe lässt er sich vergleichen. Ein Mann sucht etwas, wahlweise einen Gegenstand oder eine Person, findet Menschen, die ihn unterstützen und solche, die ihn umbringen wollen, er deckt eine Verschwörung auf und so weiter...
All das ist hinlänglich bekannt, in diesem Fall passen alle Zutaten gut zusammen. Unknown Identity ist spannend und rasant, und das muss er auch sein, denn die Logik bleibt manchmal auf der Strecke, zu viel Nachdenken schadet nur - auch das ist mittlerweile normal für dieses Genre.
Was den Film besonders macht, ist die Wahl des Schauplatzes. In der Romanvorlage von Didier van Cauwelaert spielt die Geschichte in Paris. Regisseur Jaume Collet-Serra verlegte die Handlung nach Berlin, weil er der Ansicht ist, Paris sei längst zu Tode gefilmt - womit er zweifellos Recht hat. In klassischen Filmstädten wie Paris, Rom, London kennt der Filmfreund jede Straßenecke und jede Mülltonne, in Berlin hingegen gibt es - zumindest für das Publikum außerhalb Deutschlands - noch einiges zu entdecken. Auch wenn hier mit Vorurteilen nicht gespart wird. Kalte Farben herrschen vor, gedreht wurde im Winter, meist in den weniger attraktiven Vierteln der Hauptstadt - auf den Hollywood-Film, der ein positives Deutschlandbild zeichnet, müssen wir wohl noch eine Weile warten.
Ähnliches gilt für das Personal. Die Deutschen sind meist eindimensional und wenig sympathisch dargestellt, Diane Kruger hätte die Chance, als schöne Taxifahrerin ein Gegenwicht zu bilden - doch sie ernannten die Drehbuchautoren zur bosnischen Einwanderin.             
Bruno Ganz macht aus der Not eine Tugend, indem er den Privatdetektiv und ehemaligen Stasi-Mann herrlich verschroben spielt, allein seine Leistung ist bereits das Geld für die DVD wert.
Der Rest ist guter Durchschnitt.


Infos zur DVD:

Nicht so toll. Seltsamerweise erzählt das Making of noch einmal die Geschichte des Films, den man gerade gesehen hat, wobei die Schauspieler mit Lob überschüttet werden. Dafür wird in den fünf Promointerviews umso weniger erzählt, außer den üblichen Floskeln ist nichts Erhellendes zu hören. Immerhin gibt es ein recht gutes Feature über die Arbeit der Stunt-Leute, und die hatten in dem Film einiges zu tun.


Mittwoch, 16. November 2011

Werbung für die NPD


Alle Jahre wieder… wird über ein Verbot der NPD gestritten. Derzeitiger Anlass ist die Zerschlagung der Zwickauer Terrorzelle, es hätte aber auch irgendetwas anderes sein können. Seit über zehn Jahren fordern Politiker, die rechtsextreme Partei zu verbieten, und sie regen sich darüber auf, dass sie Steuergelder erhält, dass sie vom Grundgesetz geschützt wird, obwohl sie doch auf dessen Abschaffung hinarbeitet, dass sie von V-Leuten des Verfassungsschutzes durchsetzt ist, die viel Geld in die Organisation pumpen, und so weiter.

Ständig wird in den Medien der Name der Partei genannt, ihr Logo und ihre Fahne werden gezeigt, einige Politiker und Journalisten wiederholen sogar die stumpfsinnigen Parolen – alles in bester Absicht natürlich. Dabei übersieht man aber, dass die NPD auf diese Weise eine erstklassige Werbung erhält. Normalerweise können Parteien, die am unteren Rand des Wahlzettels stehen, von solch einer Aufmerksamkeit nur träumen. Hätte die NPD die Werbezeit gekauft, hätte sie dafür viele Millionen zahlen müssen. Geld, das sie nicht hat.

Welche Botschaft wird damit übermittelt? Die NPD ist böse. Okay, das wussten wir schon. Was noch? Böse ist sexy. Wie kann ein junger Mensch, der mit sich selbst nicht im Reinen ist, am besten gegen die Gesellschaft protestieren? Etwa, indem er ein Plakat hochhält, auf dem steht Juden sind super oder Die Ausländer sind unsere Freunde? Wohl kaum. Jetzt weiß er, welche Parolen er zu brüllen hat. Wer was erleben will, geht zur NPD oder zu den Ultras, nicht zu den Kamillenteeschlürfern von Grünen und Linken.

Damit soll selbstverständlich nicht gesagt werden, dass die NPD weiterhin schalten und walten kann, wie sie will. Ein Verbot wäre inzwischen durchaus angemessen. Nur wenn man es durchführen will, dann bitte ohne diesen riesenhaften Medien-Hype.
Es einfach tun. Nicht nur darüber reden.



Donnerstag, 10. November 2011

Der Euro als Klimaretter?


Die Finanzkrise überdeckt alles. Dabei gibt es noch andere große Probleme, die dringend gelöst werden müssen. Eines davon ist der Klimawandel. Kürzlich wurde gemeldet, dass der weltweite CO2-Ausstoß von 2009 auf 2010 viel stärker angestiegen ist, als man erwartet hatte. Das Ziel von maximal zwei Grad Erderwärmung ist somit nicht mehr zu erreichen.

Das Erstaunliche dabei ist: kaum jemanden scheint es zu interessieren. Die Welt steuert auf eine ökologische Katastrophe zu, in wenigen Jahrzehnten wird es zu dramatischen Veränderungen kommen, erste Auswirkungen sind jetzt schon zu spüren. Und welches Thema beherrscht Medien und Politik? Der Niedergang des Euros.

Aber auch hier gibt es einen interessanten Zusammenhang. Der CO2-Ausstoß sinkt nur in Krisenzeiten, zuletzt während der Finanzkrise von 2008. So gesehen wäre der Zusammenbruch des Euros ein echter Segen für das Klima. Wahrscheinlich würde eine weltweite Wirtschaftskrise einsetzen, überall würden Industrieproduktion und Verkehr zurückgehen, die Erde gewänne eine Atempause.

Möglicherweise steckt sogar ein Plan dahinter. Die Prognosen, die bei der Einführung des Euros vorgelegt wurden, waren viel zu optimistisch. Von wem stammen sie? Wahrscheinlich von Agenten, die im Auftrag von Greenpeace handelten. Oder von Mitgliedern von Robin Wood. Oder vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Ihr Ziel ist es, die Weltwirtschaft zu zerstören. Angriffe von außen sind nicht möglich, die Industriestaaten sind militärisch zu stark. Also versuchen sie, das System von innen heraus zu zerstören. Das geht am besten, indem man den Anhängern des Systems noch mehr Geld und noch mehr Macht verspricht. Dazu braucht es ein Symbol. Ein Supergeld, von dem alle profitieren.

Das konnte natürlich nicht funktionieren. Genial. Ein Drama von geradezu Shakespearscher Dimension. Jemand sollte es auf die Bühne bringen.  

Samstag, 5. November 2011

Filmkritik - Fair Game - auf DVD

Derzeit bereiten die USA, Britannien und Israel einen neuen Krieg vor, diesmal geht es gegen den Iran. Angeblich arbeiten die Perser an einer Atombombe. Kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Kein Wunder, vor ein paar Jahren gab ´s das alles schon mal, nur ein paar Kilometer weiter westlich. Davon handelt dieser Film.

Inhalt:

Joseph Wilson (Sean Penn) reist im Auftrag der US-Regierung nach Nigeria um herauszufinden, ob das Land waffenfähiges Putonium an den Irak geliefert hat. Als ehemaliger Diplomat kennt er sich im Land bestens aus, er nutzt seine Kontakte, recherchiert gründlich und kommt zu dem Ergebnis, dass an diesem Gerücht nichts dran ist. Wilson verfasst einen entsprechenden Bericht, sendet ihn über die CIA nach Washington und glaubt, die Sache sei damit erledigt. Wenig später jedoch hält George Bush eine Brandrede, in der er den Irak noch immer bezichtigt, in Nigeria Uran beschafft zu haben - der verbale Auftakt für den Dritten Golfkrieg.
Wilson lässt sich davon nicht beirren, in der New York Times veröffentlicht er einen Artikel mit dem Titel „Was ich in Afrika nicht gefunden habe.“ Eine Woche später erfolgt der Gegenschlag: Der ultrakonservative Journalist Robert Novak stellt in seiner Kolumne nicht nur Wilsons Glaubwürdigkeit in Frage, er enttarnt zudem dessen Frau als CIA-Agentin. Valerie Wilson war bis zu diesem Zeitpunkt eine wichtige Mitarbeiterin des Geheimdienstes mit besten Verbindungen in den Irak, also eben jenem Land, gegen das die USA nun in den Krieg ziehen.
Anstatt jedoch, dass gegen den Verräter Anklage erhoben wird, beginnt eine Hexenjagd gegen das Ehepaar Wilson. Sie werden diffamiert, erhalten Drohungen, ihre beruflichen Karrieren sind am Ende - die Familie droht unter dem Druck zu zerbrechen...

Bewertung:

Der Film kann in eine Reihe gestellt werden mit Klassikern wie „Die Unbestechlichen“ oder „Thirteen Days“. Er zeichnet die Ereignisse akribisch nach, ist dabei spannend und unterhaltsam.
Sean Penn spielt wie immer ausgezeichnet, hält sich aber erfreulich zurück und überlässt auch Naomi Watts einige wichtige Szenen, was ihn selbst noch größer macht.
Am erstaunlichsten ist jedoch, dass sich die Geschichte unter der Regierung Bush tatsächlich so ereignet hat.
Obama kann es nur besser machen. Dachte man.     

Infos zur DVD:

Die DVD kann nicht hundertprozentig überzeugen. Sie enthält ein paar zusätzliche Szenen, die aber mit Recht herausgeschnitten wurden, weil sie die Geschichte nicht weiterbringen.
Die Audiokommentare sind streckenweise ermüdend, das Making of ist sehr konventionell gestaltet. Trotzdem empfehlenswert aufgrund seiner politischen Brisanz.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Demokratie ist keine Lösung


Derzeit erleben wir in weiten Teilen der Welt eine interessante, jedoch gegenläufige Entwicklung. In vielen Ländern wird gestreikt und demonstriert, in einigen Ländern kam es sogar zu Volksaufständen und blutigen Kriegen. Streitobjekt ist jeweils die Demokratie. In New York besetzen Aktivisten der Bewegung Occupy Wall Street seit dem 17. September den Zuccotti Park. In Frankfurt errichteten Demonstranten ein Zeltlager vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank. Auch in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Israel gab oder gibt es ähnliche Aktionen, sie richten sich gegen die Macht der Finanzindustrie, gegen unfähige Politiker, gegen steigende Preise, Wohnungsnot und Bildungsmisere. 

Gleichzeitig entbrannten im arabischen Raum teils heftige Befreiungskämpfe. In Tunesien, Algerien, Ägypten und Libyen beseitigte man alte diktatorische Regime, in Syrien und im Jemen sind diese Konflikte noch nicht ausgestanden.   

Das führte zu der kuriosen Situation, dass in einem Teil der Welt für die Demokratie gekämpft wird, in einem anderen Teil jedoch gegen sie  - zumindest gegen ihre wichtigsten Repräsentanten. 

All diesen Konflikten gemein ist der blinde Glaube an die Demokratie, der von der Mehrheit der Kämpfer geteilt wird. Dabei übersieht man jedoch, dass die Probleme zum größten Teil von Menschen geschaffen wurden, die Demokratien entstammen. Die Diktaturen in Nordafrika konnten sich nur deshalb so lange halten, weil Europa und die USA sie stützten. Demokratisch gewählte Politiker trafen sich mit den Despoten, schüttelten ihre Hände, machten mit ihnen Geschäfte, kauften Öl und lieferten Waffen. 

Die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in Europa und den USA wurden von demokratisch gewählten Politikern verursacht. Sie nahmen in gewaltigem Umfang Kredite auf, investierten in unsinnige Kriege oder Prestigeprojekte, verteilten großzügig Wahlgeschenke und kümmerten sich nicht um die Menschen, die eines Tages die Rechnung dafür zahlen müssen. 

All das sind strukturelle Probleme der Demokratie. Ein Politiker denkt an die nächste Wahl, nicht aber an die nächste Generation. Anders ausgedrückt: Ein primitiver Mensch ist ein primitiver Mensch - unabhängig davon, ob er sich an die Macht geputscht hat oder er frei gewählt wurde. 

Die Lösung kann nur in einer Veränderung des Menschen liegen, die Fortschritte müssen auf den Gebieten von Moral und Ethik gemacht werden. Doch worüber redet man aber gegenwärtig in Europa? Über den Euro und Atomkraft, über Finanzen und Technik. Traurig, was unsere Politiker, Wissenschaftler und Künstler abliefern.

Doch genau hier müssen wir ansetzen. Wir müssen ein höheres, ein umfassenderes Bewusstsein entwickeln. Wir müssen uns darüber klar werden, dass wir alle Teil einer großen Einheit sind. Jede Tat, jedes Wort, jeder Gedanke, sogar jedes Gefühl hat Einfluss auf die Einheit. Deshalb müssen wir bewusst handeln, reden, denken und fühlen.

Was heißt das konkret? Es heißt zum Beispiel, sich nicht von der Gier beherrschen lassen. Über die Gier nachdenken. Was ist Gier? Gier ist übersteigerte Angst. Angst davor, eines Tages kein Geld mehr zu haben, obdachlos zu sein, zu hungern, zu frieren, allein zu sein. Als Folge daraus versucht man sich selbst zu bereichern - auf Kosten der anderen. Also müssen wir die Angst auflösen. Wir dürfen den Menschen nicht ständig Angst machen, in Nachrichtensendungen, Talkshows, Romanen, Filmen. Im Gegenteil, wir sollten den Menschen Mut machen. Auf der Welt existieren unendlich viele Reichtümer, es ist genug für alle da, niemand muss Angst haben, niemand muss obdachlos sein, hungern, frieren, allein sein. Es kommt nur auf eine gerechte Verteilung an. Gerechtigkeit ist die Folge von Bewusstheit.

Bis zur vollständigen Bewusstheit ist es noch ein langer Weg. Aber auch dieser Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

 

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Filmkritik - Jud Süß - Film ohne Gewissen - auf DVD

Inhalt:

Berlin 1939: Propagandaminister Joseph Goebbels, dargestellt von Moritz Bleibtreu, plant, die Lebensgeschichte von Joseph Süß Oppenheimer zu verfilmen. Da dieser einer der bekanntesten jüdischen Geldverleiher war, ist natürlich keine filmische Huldigung geplant, sondern ein Propagandafilm der übelsten Sorte. Allerdings gibt er das nicht offen zu, nach außen hin fordert Goebbels einen „Kunstfilm“. Hinter diesem verharmlosenden Begriff werden sich später viele der Beteiligten verstecken - auch Hauptdarsteller  Ferdinand Marian (Tobias Moretti), ein bis dahin mittel-mäßig erfolgreicher Schauspieler aus Österreich.
Zunächst weigert sich Marian, die Rolle zu übernehmen. Wie so viele andere Schauspieler auch, will er mit den braunen Machthabern nicht mehr zu tun haben, als unbedingt nötig. Goebbels setzt ihn jedoch unter Druck, und es lockt eine große Karrierechance...


Bewertung:

Der Film kann nicht einheitlich bewertet werden. Tobias Moretti spielt großartig, verleiht der Figur des Ferdinand Marian Zwischentöne und Feinheiten, die man bisher nicht von ihm kannte. Was jedoch Moritz Bleibtreu dazu bewogen hat, Joseph Goebbels zu solch einer grotesken Witzfigur zu machen, bleibt schleierhaft. Vielleicht hatte er Angst, der Propagandachef der Nazis könnte zu menschlich wirken, wenn er sich etwas zurücknehmen würde, er ihn vielleicht sogar mit einer Portion Charme ausstatten würde, die Goebbels zweifelsohne besaß?
Hier tut sich eine interessante Parallele zu Bruno Ganz` Hitler in „Der Untergang“ auf. Auch dem großen Schweizer Schauspieler hatte man damals vorgeworfen, er hätte den Diktator zu menschlich dargestellt, als einfühlsamen Charmeur, der die Fähigkeit zur Selbstkritik besaß, am Ende des Films würde das Publikum gar Mitleid mit dem kranken alten Mann empfinden. Wenn diese Entwicklung anhält, werden deutschsprachige Schauspieler in Nazi-Rollen demnächst nur noch keifen, blöken und bellen.

Regisseur Oskar Roehler nimmt sich einige künstlerische Freiheiten heraus, so macht er etwa Marians Ehefrau, die in Wirklichkeit Katholikin war, zur Halbjüdin, wofür er von Teilen der Presse scharf kritisiert wurde. Natürlich ist das sein gutes Recht, schließlich handelt es sich hierbei um einen Spielfilm, nicht um eine Dokumentation. Die Szene jedoch, in der Soldaten bei einer Vorführung des Filmes plötzlich in dumpfe „Jude! Jude! Jude!“-Rufe ausbrechen, ist ebenso dumm wie peinlich. So einfach funktioniert Propaganda nun auch wieder nicht.
Dennoch tut sich hier eine weitere interessante Parallele auf, und zwar zu dem Tarentino-Film Inglerious Basterds, in dem ebenfalls eine Filmvorführung zur Groteske verkommt und Hitler, Goebbels und Konsorten erschossen werden - die Filmemacher überschätzen sich selbst maßlos. Die Menschheit ist keine dumpfe blöde Masse, sie muss nicht von einer Handvoll elitärer Künstler gerettet werden.

Das Theater, das um Roehlers „Film ohne Gewissen“ gemacht wurde, ist ohnehin interessanter als der Film selbst. Einige Kritiker ließen sich gar zu der Behauptung hinreißen, Roehler sei der Faszination der Propaganda erlegen und hätte selbst einen Propagandafilm gemacht. Der Zentralrat der Juden forderte zeitweilig, der Film müsse verboten werden, weil er den Antisemitismus nicht angemessen darstelle und Ausschnitte aus dem Originalfilm zeige. Inzwischen wurde diese Forderung allerdings wieder zurückgenommen.
Wenn der Film doch bloß auch so aufregend wäre!    

Anmerkungen zur DVD:

Vorbildlich. Als Bonusmaterial gibt es ein Making of, Interviews mit dem Spielleiter und den Hauptdarstellern, eine Dokumentation von dreißig Minuten Länge über die Propagandafilme des Dritten Reichs und ein schön gestaltetes Booklet mit weiteren Informationen. So müssten alle DVDs ausgestattet sein. 

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Filmkritik - Apollo 18

Inhalt:
Am 11. Dezember 1972 landete Apollo 17 auf dem Mond. Danach wurde das amerikanische Mondprogramm eingestellt - so lautet die offizielle Erklärung. Tatsächlich jedoch gab es noch eine weitere Mission. Apollo 18 flog im Auftrag des Verteidigungsministeriums zum Erdtrabanten, um dort ein Frühwarnsystem gegen die militärischen Aktivitäten des Warschauer Pakts zu installieren.
Anfangs lief alles nach Plan, dann jedoch kam es zu einigen ungewöhnlichen Zwischenfällen. Die Besatzung hörte ein mysteriöses Kratzen an der Außenhaut des Raumschiffs, sah, wie sich Mondgeröll bewegte und fand Fußspuren, die nicht von ihr stammten. Etwas Fremdes, etwas Bedrohliches verbarg sich in der eisigen Kälte des Mondes.

Bewertung:
Dieser Film hat alle Zutaten für einen spannenden Horrorthriller: Zunächst einmal die originelle Ausgangsidee. Sie verbindet Zeitgeschichte mit einer Verschwörungstheorie und erscheint durchaus glaubhaft, schließlich erreichte der Kalte Krieg in den frühen Siebzigern seinen Höhepunkt. Dazu kommt eine Ausstattung mit exakt nachgebauten Raumfahrzeugen, die bis zu liebevollen Details wie dem Kassettenrekorder reicht, der zeitgenössische Hits von Yes und Jethro Tull spielt, auch die Mondoberfläche wirkt durchaus echt. Die Kameraarbeit kann man ebenso als gelungen bezeichnen, obwohl die Technik der wackligen Bilder, großenteils gefilmt aus Sicht der Akteure, natürlich aus vielen anderen Filmen bekannt ist, allen voran das Blair Witch Project.
So weit, so gut. Doch dann beginnt der zweite Teil des Films. Den Machern scheint plötzlich nichts mehr einzufallen, ein Schockeffekt jagd den nächsten, und das Wackeln der Kamera wird allmählich lästig. Apollo 18 leidet unter einem Problem, das schon viele im Ansatz gute Filme ruiniert hat: die Struktur ist einfach nicht ausgereift. Die Ereignisse plätschern vor sich hin, Wendepunkte der Handlung, die so genannten Plot points, sind nicht genau definiert, die Handlung strebt nicht auf eine klare Lösung zu - dabei lernt man all das in jedem Drehbuchseminar.
Und so bleibt am Ende nur ein netter Ausstattungsfilm mit ein paar guten Schockeffekten.

Fazit: Nur zu empfehlen für echte Horrorfans, die bereit sind Schwächen zu verzeihen.

Montag, 17. Oktober 2011

Vor 50 Jahren - Massaker von Paris

Heute jährt sich zum fünfzigsten Mal das Massaker von Paris. Viele Menschen werden nun wahrscheinlich fragen: Ist das nicht ein Schreibfehler? Müsste es nicht heißen zum siebzigsten Mal? Nein, es ist richtig, dieses Massaker ereignete sich 1961.

Hier das Wichtigste in Kurzform: Der Algerienkrieg wütete von 1954 bis 1962. Aber weil die meisten auch mit dem Stichwort Algerienkrieg nichts anfangen können, sei für sie gesagt, dass Frankreich das nordafrikanische Land seit 1848 als festen Bestandteil seines Territoriums ansah. Von Beginn an haben sich freiheitsliebende Algerier dagegen gewehrt, es kam zu zahlreichen Aufständen, allein während der letzten Phase zwischen 1954 und 1962 starben zwischen 350.000 und 1,5 Millionen Menschen.

Zurück ins Jahr 1961. Weil damals bereits absehbar war, dass die Franzosen den Krieg verlieren würden, rief die Unabhängigkeitsbewegung FLN zu einer Demonstration in Paris auf - die jedoch nicht genehmigt wurde. Zwei Wochen zuvor war eine nächtliche Ausgangssperre für Franzosen algerischer Herkunft erlassen worden. Hintergrund ist, dass die FLN erstmals Anschläge auf französischem Boden begangen hatte, Opfer waren meist Polizisten. Entsprechend gereizt war die Stimmung.

Was genau am 17. Oktober 1961 geschah, lässt sich nicht rekonstruieren. Offenbar hat eine regelrechte Jagd auf Algerier stattgefunden. Sicher scheint zu sein, dass die französische Polizei etwa 14.000 Menschen festnahm, teilweise blieben sie mehrere Tage unter freiem Himmel interniert. Mehrere Tausend wurden verletzt, vermutlich gab es zweihundert bis dreihundert Tote. Noch Wochen später barg man Leichen aus der Seine.

Der offizielle Polizeibericht hingegen spricht von drei Toten: zwei Algeriern und einem Franzosen, der einen Herzinfarkt erlitt. So berichteten es auch die Zeitungen damals. Obwohl Hundertausende Menschen Zeugen des Pogroms gewesen sein mussten - immerhin geschah es mitten in der Millionenstadt Paris -, schwiegen sich nahezu alle Medien darüber aus - und viele schweigen heute noch.

Eine ehrliche Aufarbeitung des Massakers hat bis heute nicht stattgefunden, sie kann auch nicht mehr stattfinden, denn eine Amnestie für alle im Zusammenhang mit dem Algerienkrieg begangenen Verbrechen (und davon gab es sehr viele) verhindert eine Anklage der Täter.

Besonders grotesk erscheint in diesem Zusammenhang die Leidenschaft, mit der die Franzosen die Verbrechen der Deutschen aufarbeiten. Im Jahr 2006 etwa erschien der Roman DIE WOHLGESINNTEN von Jonathan Littell, der den Völkermord an den Juden thematisiert. Er erhielt den Prix Goncourt, den höchsten französischen Literaturpreis, bereits ein Jahr später waren im Land 700.000 Exemplare verkauft. Romane über den Algerienkrieg oder das Massaker von Paris wurden bisher nicht ausgezeichnet. 

Eine Frage bleibt noch: Wenn darüber bis heute geschwiegen wird - worüber wird noch geschwiegen?

Freitag, 14. Oktober 2011

Elf Jahre Haft für Hedgefonds-Manager

Am 13.10.11 hat ein amerikanischer Richter ein historisches Urteil gesprochen: Der Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam muss wegen Insider-Handels für elf Jahre ins Gefängnis, außerdem muss er zehn Millionen Dollar Strafe zahlen. Die Summe ist vergleichsweise gering, wenn man bedenkt, dass Forbes das Vermögen Rajaratnams vor einigen Jahren noch auf 1,5 Milliarden Dollar schätzte.

Dennoch wird das Urteil von vielen Menschen als ermutigend empfunden, zeigt es doch, dass die Macht der Finanzspekulanten gebrochen werden kann - wenn man es nur will. Der Richter sagte zur Begründung: "Die Verbrechen spiegeln eine Krankheit unserer Gesellschaftsstruktur wider, die ausgemerzt werden muss."

Es stellt sich eine interessante Frage: Was wäre, wenn alle Richter so konsequent handeln würden wie ihr amerikanischer Kollege? Ein Beispiel drängt sich geradezu auf: Griechenland. Der Staat ist bankrott, trotzdem wird nicht danach gehandelt - und das bedeutet Insolvenzverschleppung! Laut Wikipedia liegt sie dann vor, wenn bei Kenntnis der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung kein Antrag auf Insolvenzverfahren gestellt wird. Trotzdem geben europäische Politiker dem Staat regelmäßig weitere Kredite und erhöhen dadurch die Schadenssumme.

Da dürften ein paar Hundert Jahre Gefängnis zusammenkommen.
 

Dienstag, 11. Oktober 2011

Euro und Multikulti - Chance oder Risiko?


Ein neuer Rettungsschirm wurde für den Euro gespannt, trotzdem erholt sich die kränkelnde Gemeinschaftswährung nicht. Die Schuldenländer verpassen ihre Sparziele, Rating-Agenturen stufen sie herab, Banken geraten in Not und müssen verstaatlicht werden, Bürger demonstrieren und streiken. Wahrscheinlich ist das erst der Anfang. Die Rettungsmaßnahmen werden gewiss mehrere Hundert Milliarden Euro verschlingen, vielleicht sogar mehr als eine Billion. Da wir nicht noch mehr Schulden aufnehmen können, muss das Geld eingespart werden. Aber wo?

Normalerweise spart man dort, wo es die wenigsten Lobbyisten gibt, in den Bereichen Kultur, Bildung und Soziales.

Weil in der Kultur nicht mehr viel zu holen ist und selbst der dümmste Politiker mittlerweile kapiert haben sollte, dass Bildung unser einziger Rohstoff ist, wird der größte Teil der Umschichtung sicher den Sozialbereich treffen. Menschen, die schon wenig haben, müssen mit noch weniger auskommen. Das ist nicht nur unmoralisch, es ist auch gefährlich, denn Europa ist zur multikulturellen Gesellschaft erklärt worden. Millionen Menschen wanderten in den Kontinent ein. Viele fanden Arbeit, erlernten die Landessprache, konnten sich integrieren. Anderen gelang das nicht, sie fanden keine Arbeit und sind noch immer in Sprache und Kultur ihrer Heimatländer verhaftet. Bislang wurden sie kaum auffällig, weil sie Transferzahlungen erhielten, teilweise so viel, dass es sich für sie nicht lohnte, eine bezahlte Arbeit aufzunehmen.

Was aber geschieht, wenn wir uns die Transferzahlungen nicht mehr leisten können? Werden die Nichtintegrierten weiterhin ruhig bleiben – oder werden sie sich mit Gewalt holen, was ihnen scheinbar zusteht?
So wie es jüngst in England geschah.
Was ist mit denjenigen, die die Rechnung zahlen sollen? Werden sie einen hohen Teil ihres Einkommens abgeben, um diejenigen zu unterstützen, die nicht in der Lage oder nicht willens sind, ihren Lebensunterhalt – den von Personen und den von Staaten – selbst aufzubringen? Wird derjenige, der gibt, am Ende weniger haben als derjenige, der nimmt?
Wer diese Fragen für ketzerisch hält, sollte einmal den Zustand von Schulen, Rathäusern und Museen im Ruhrgebiet mit jenen in Spanien oder Irland vergleichen. Oder die U-Bahn von Berlin der Athener U-Bahn gegenüberstellen.
Der Unmut wächst in Europa.

Man könnte nun entgegnen: Aber wir wollten doch Europa! Wir haben doch die Beschlüsse zum Euro gefasst! Und zur multikulturellen Gesellschaft!

Genau hier liegt das Problem. Wir, die Bürger, haben die Beschlüsse nicht gefasst. Die Entscheidungen wurden von oben herab verordnet, wie in einem Obrigkeitsstaat traditioneller Prägung. Die zwei wichtigsten Entscheidungen der letzten Jahrzehnte – über Finanzen und Wirtschaft und über das Wesen unserer Gesellschaft – sind nicht demokratisch legitimiert. Sie wurden getroffen von einer relativ kleinen Gruppe von Politikern, Managern und Medienleuten, die Talkshow ist längst schon das Ersatzparlament. Einfache Bürger werden nicht gefragt, sie dürfen nur bei Wahlen ihre Stimme abgeben. Dann ist sie weg und kommt erst nach Jahren wieder.

Die Entscheidung der Oberen lautete, die Einheit mit Gewalt zu erzwingen. Wir müssen alle dieselbe Währung haben, wir müssen im selben kulturellen Raum leben, und demnächst werden wir auch eine zentrale Wirtschaftsregierung haben. Aber entspricht das unserer Lebenswirklichkeit, entspricht das unseren Wünschen? Sind wir schon bereit für die Einheit?

Betrachten wir einmal die Lebensweise in Europa. Beginnen wir mit der Politik. Sie ist nicht einheitlich, sie ist gespalten. Bei Wahlen treten Parteien gegeneinander an, es gibt Gewinner und Verlierer. Die einen übernehmen die Regierung, die anderen gehen in die Opposition.
In der Kultur ist jedes Land und jede Bevölkerungsgruppe - Einheimische und Zugewanderte - stolz auf die eigenen Errungenschaften, auf Sprache, Kunst und Traditionen, man will sich bewusst von den anderen abgrenzen.
Bücher, Filme und Theaterstücke handeln meist von Konflikten. Individuen und Gruppen stehen sich gegenüber und ringen miteinander.
Die Ereignisse, die das meiste Interesse erzeugen, sind keine jedoch keine politischen oder kulturellen, es sind die Sportwettkämpfe. Bei Fußballmeisterschaften treten Städte und Nationen gegeneinander an, bei den Olympischen Spielen kämpfen einzelne Athleten und Mannschaften gegeneinander. Am Ende gibt es einen Gewinner und viele Verlierer.

Mit anderen Worten: Unsere Gesellschaft basiert auf dem Prinzip Teilung. Trotzdem wird die Einheit von oben herab verordnet. Das kann nicht funktionieren - zumindest jetzt noch nicht. Besser wäre es, wenn wir die Einheit langsam entwickeln. Sie muss sich ausbreiten, über alle Schichten der Bevölkerung, über alle Länder, sie muss Teil unseres Bewusstseins werden.
Jeder sollte über die Prinzipien von Teilung und Einheit nachdenken. Insbesondere aber Künstler und Geisteswissenschaftler sind aufgerufen, Vorschläge zu machen. In den letzten Jahren haben wir nicht mehr viel von den Intellektuellen gehört. Die Überwindung der alltäglichen Trennung wäre ein lohnendes Betätigungsfeld.
  
Wenn wir nicht darüber nachdenken, wenn wir planlos handeln, werden wir scheitern. Der Euro ist das beste Beispiel.       

Donnerstag, 29. September 2011

Der Euro - Wege aus der Krise


In meinem vorherigen Post habe ich die Hauptgründe erklärt, die zur Krise des Euros führten, nämlich das wirtschaftliche und moralische Gefälle zwischen Nord- und Südeuropa. Hier muss angesetzt werden. Doch zunächst betrachten wir die bisherigen Lösungsvorschläge und deren mögliche Folgen.

1. Der Euro-Rettungsschirm. Er besteht im Wesentlichen aus Notkrediten und Bürgschaften für die Schuldenstaaten. Diese Maßnahmen sind sinnlos. Selbst wenn man einem Land wie Griechenland heute sämtliche Schulden erlassen würde, müsste es morgen bereits neue Schulden aufnehmen (was durch den Rettungsschirm ermöglicht wird). Hauptproblem der Schuldenstaaten ist die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft. Das heißt sie importieren viel und exportieren wenig, die Folge ist ein großes Defizit in der Zahlungsbilanz.
Beispiel Griechenland: Die größten Unternehmen, die an der Börse von Athen gehandelt werden, sind Banken, ein Anbieter von Sportwetten und ein Getränkeabfüller. Mit einer solchen Wirtschaft kann man nicht im Wettbewerb mit Nordeuropa bestehen. Zu behaupten, der Rettungsschirm würde daran etwas ändern, ist grotesk dumm.

2. Die Europäische Wirtschaftsregierung. Immer wieder wird die Einrichtung einer Institution gefordert, welche die Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik vereinheitlichen soll. Auch dieser Vorschlag ist grotesk dumm. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass stolze und nationalbewusste Völker wie Briten, Franzosen, Italiener oder Spanier echte Kompetenzen, etwa das Haushaltsrecht, dauerhaft nach Brüssel abgeben.
Beispiel: Regulierung des Bankensektors. Jeder Versuch einer ernsthaften Regulierung wird von den Briten blockiert, weil dadurch der Bankenplatz London geschwächt würde.
Und selbst wenn es zur Einrichtung einer Europäischen Wirtschaftsregierung käme, würde sie kurzfristig nichts bewirken können, denn sie hätte eine Herkules-Aufgabe zu bewältigen. Zigtausende Gesetze und Vorschriften müssten europaweit angeglichen werden, was sicher Jahrzehnte in Anspruch nehmen würde.

3. Ein Marshall-Plan für Südeuropa. Zunächst einmal ist es ein Armutszeugnis für die Politik, dass ein Land wie Griechenland nach Jahrzehnten des Friedens "wieder aufgebaut" werden muss. Außerdem gibt es bereits etwas Vergleichbares, nämlich die Struktur- und Agrarhilfen der Europäischen Union. Griechenland hat seit seinem Eintritt in die EU rund siebzig Milliarden Euro aus diesen Töpfen bekommen. Das Ergebnis ist bekannt.
In vielen Fällen wurden sogar Kuckuckseier gelegt. In ganz Südeuropa hat man in den letzten Jahrzehnten Autobahnen, Brücken und Tunnels mit EU-Hilfen gebaut, um selbst entlegene Provinzen zu erschließen. Eine Autobahn hält etwa zwanzig Jahre, danach muss sie saniert werden. Wer soll das bezahlen? Die Griechen? Sicher nicht.

4. Transferzahlungen. Die oben genannten Vorschläge laufen im Grunde auf eine Transferunion hinaus. In Deutschland gibt es bereits ein derartiges System, nämlich den Länderfinanzausgleich. Die Erfahrungen damit sind überwiegend negativ. Geberländer, etwa Baden-Württemberg, bleiben jahrzehntelang in ihrer Geberrolle und müssen von Jahr zu Jahr mehr bezahlen. Nehmerländer, etwa Bremen oder das Saarland, bleiben ebenso in ihrer Rolle. Mehr noch, für Nehmerländer gibt es keinen Grund zu Reformen oder echter Sparsamkeit, denn dadurch würden sie weniger Transerzahlungen erhalten, eventuell würden sie sogar selbst zu Geberländern werden.
Eine solche Entwicklung droht auch auf europäischer Ebene, nur im sehr viel größeren Maßstab. Wenige Geber müssten für viele Nehmer aufkommen.  

Welche Alternativen gibt es zur bisherigen Politik? Was lässt sich kurzfristig zu vertretbaren Kosten umsetzen? Es bleiben nur zwei Möglichkeiten:

1. Ein Schuldenschnitt und eine geordnete Staatspleite in Griechenland. Die Kreditgeber müssen auf einen Teil ihrer Forderungen (vermutlich fünfzig Prozent) verzichten, gleichzeitig müssen Hilfen für Banken eingeplant werden, die dadurch in Schwierigkeiten geraten.

2. Die Einführung eines Süd-Euros. Ein Europa der "zwei Geschwindigkeiten" ist unerlässlich. Der Süd-Euro müsste in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal eingeführt werden, vielleicht auch in weiteren Ländern. Diese neue Teilwährung könnte sofort abgewertet werden, die Wettbewerbsfähigkeit der Teilnehmerstaaten würde sofort ansteigen.
Damit sind zweifellos einige große Probleme verbunden, etwa die Rückzahlung der Altschulden. Für einen Teil davon müssen die nördlichen Geberländer einspringen. Letztlich hätten wir ein Ende mit Schrecken, statt eines Schreckens ohne Ende.

Natürlich können wir uns diesen Maßnahmen noch eine Zeitlang verweigern. Aber das Ende des Euros in seiner bisherigen Form wird mit Sicherheit kommen - genauso wie die Staatspleite in Griechenland.

 

Freitag, 23. September 2011

Der Euro - er kann nicht funktionieren!


Die schlechten Nachrichten rund um den Euro reißen nicht ab, obwohl ein Rettungsschirm gespannt wurde und die Europäische Zentralbank Anleihen der hoch verschuldeten Euro-Staaten aufkauft. Griechenland ist im Grunde bankrott, Irland, Spanien und Portugal sind nach wie vor in Schwierigkeiten, Italien ist der nächste große Wackelkandidat. In ganz Europa fragen sich besorgte Bürger: Wann wird das endlich aufhören?

Die Antwort ist einfach: mit diesem Euro - niemals. Die derzeitige Euro-Konstruktion krankt an einem Geburtsfehler, sie versucht, zwei sehr unterschiedliche Mentalitätsräume zu vereinen. Nordeuropa ist wirtschaftlich und moralisch stark, Südeuropa ist wirtschaftlich und moralisch schwach.

Zu Punkt eins: Wirtschaft. Nordeuropa besitzt eine leistungsfähige Wirtschaft, deren Produkte auf der ganzen Welt gefragt sind. Die südeuropäischen Produkte sind weit weniger gefragt - auch innerhalb Europas. Dadurch ergibt sich zwangsläufig ein Defizit in der Handelsbilanz. Anders ausgedrückt: Nordeuropa wirkt wie ein Staubsauger, der Euros aus dem Süden absaugt. Dieses Defizit kann nur durch Schulden oder Transferzahlungen ausgeglichen werden.
Irland ist ein Sonderfall. Die dortigen Probleme entstanden vor allem durch die Bankenkrise.

Zu Punkt zwei: Moral. In Nordeuropa herrscht eine vergleichsweise hoch entwickelte Moral, Steuern und Abgaben werden von den meisten Bürgern zwar nicht geliebt, aber dennoch entrichtet, Korruption und Vetternwirtschaft kommen zwar vor, sind aber die Ausnahme. Anders in Südeuropa. Steuerhinterziehung scheint dort ein Volkssport zu sein, Korruption und Vetternwirtschaft sind weit verbreitet.
Es lässt sich nicht leugnen, dass Politiker wie Silvio Berlusconi oder die Familien Papandreou und Karamanlis, die seit Jahrzehnten die griechische Politik beherrschen, ein südeuropäisches Phänomen sind, kein nordeuropäisches.
Auf dem Korruptionsindex (mehr unter www.transparency.de) stehen die nordeuropäischen Nationen auf den besten, den oberen Plätzen, während sich die südeuropäischen weit darunter befinden. Einige Beispiele: Dänemark auf Platz 1, Finnland und Schweden auf Platz 4, Deutschland auf Platz 15, Spanien auf Platz 30, Portugal auf Platz 32, Italien auf Platz 67 und Griechenland auf Platz 78.    
Schon ein flüchtiger Blick auf die Tabelle zeigt, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Korruption und Armut besteht. Die reichsten Nationen stehen oben, die ärmsten unten auf der Tabelle.

All diese Informationen gehören bislang in den Bereich des politisch Unkorrekten, sind zwar bekannt, es wird aber nicht öffentlich darüber gesprochen. Das muss aufhören. Wenn wir die Probleme rund um den Euro lösen wollen, ist Ehrlichkeit die wichtigste Voraussetzung.

Auswege aus der Krise in meinem nächsten Post.

Sonntag, 18. September 2011

Sarkozy - der Held von Tripolis

Der Krieg in Libyen ist noch nicht vollständig beendet, da lassen sich bereits die Kriegsgewinner feiern. Am 15.09. besuchten Nicolas Sarkozy und David Cameron die libysche Hauptstadt Tripolis, hielten öffentliche Reden, sprachen mit dem Übergangsrat der Rebellen und erzeugten ganz nebenbei jede Menge heroische Bilder, die von den Medien der Welt verteilt wurden. Gleichzeitig litten und starben anderswo im Land Hunderte, vielleicht Tausende Menschen, von denen allerdings keine Bilder entstanden.

Besonders bizarr erscheint der Auftritt des französischen Staatspräsidenten Sarkozy. Offenbar sieht er sich in der Tradition der französischen Widerstandskämpfer, die heldenhaft gegen das Böse antreten - und dabei vergessen, dass sie zuvor mitgeholfen haben, es zu erschaffen. Auch der Diktator Gaddafi wurde tatkräftig von Franzosen unterstützt. Im Dezember 2007 absolvierte der libysche Diktator einen Staatsbesuch in Frankreich, schlug dabei - wortwörtlich - seine Zelte in Paris auf, besuchte den Louvre und Versailles und traf mit Sarkozy zusammen. Nach außen hin ging es dabei um die Verteidigung der Menschenrechte, tatsächlich schloss man Verträge zur militärischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit ab. Sicher ist, dass die Franzosen die libysche Luftwaffe modernisieren sollten, noch bis kurz vor Ausbruch des Krieges hielten sich Techniker des Rüstungskonzerns Dassault im Land auf. Außerdem versuchte Sarkozy dem Diktator ein Atomkraftwerk zu verkaufen, was aber misslang.

Was ist davon heute noch bekannt? Nicht allzu viel, die meisten Medien konzentrieren sich auf die aktuellen Ereignisse. So wurde kürzlich vermeldet, dass der Übergangsrat beim Wiederaufbau jene Nationen bevorzugen will, die das Gaddafi-Regime bekämpften - also Frankreich und Britannien. Unter anderem braucht die libysche Luftwaffe dringend neue Flugzeuge. Wer könnte die wohl liefern? Vielleicht Dassault?         

Donnerstag, 15. September 2011

Wettbewerb für Filmideen

Die Rat Pack Filmproduktion sucht unter dem Motto Schreib um dein Leben Ideen für neue Filme. Es geht dabei um die Genres Horror, Thriller und Mystery, die Stoffe sollten möglichst einfach und günstig umzusetzen sein, d.h. so wenig Schauplätze und Rollen wie möglich enthalten. Als Juror tritt u.a. der bekannte Thriller-Autor Sebastian Fitzek auf.
Die ersten drei Preise sind mit 4.666, 2.666 und 666 Euro dotiert - und einem bezahlten Optionsvertrag. Einsendeschluss ist bereits der 30.09.11. Das ist zwar knapp, reicht aber noch, um den nächsten Alptraum aufzuschreiben.

Nachtrag: Frist wurde verlängert bis zum 17.10.11. 


Freitag, 9. September 2011

Geheimdienste in Libyen - Erinnerungen an Mussolini


Die libysche Revolution geht ihrem Ende entgegen, und es kommen immer mehr schmutzige Geheimnisse des Gaddafi-Regimes ans Tageslicht. Einige sind nicht auf den nordafrikanischen Staat beschränkt. Es mehren sich die Hinweise, dass der amerikanische Geheimdienst CIA und die britischen Dienste MI5 und MI6 mit den Schergen des Diktators zusammengearbeitet haben, u. a. um Terrorverdächtige in libyschen Gefängnissen foltern zu lassen (siehe z. B. Spiegel Online vom 05.09.11). Genaue Informationen sind nicht bekannt, nur von einem Teil der Opfer kennen wir die Namen und wissen ungefähr, was ihnen widerfahren ist - das ganze Ausmaß der Verbrechen wird vermutlich geheim bleiben.
Sicher ist nur, dass unter den Regierungen von George Bush und Tony Blair die Zusammenarbeit besonders intensiv war.

Eine Ausnahme in der Geschichte der westlichen Wertegemeinschaft, könnte man meinen. Normalerweise arbeiten Demokratien nicht mit Diktatoren zusammen. Das ist ein Irrtum. Unmoralisches Handeln westlicher Regierungen und Geheimdienste ist die Regel, nicht die Ausnahme. In Libyen zeigt sich - wieder einmal - eine bittere historische Konstante. Libyen war von 1934 bis 1943 eine italienische Kolonie. Während dieser Zeit kamen über 100.000 italienische Siedler ins Land. Die arabische Bevölkerung wurde enteignet und unterdrückt, bei der Niederschlagung von Aufständen und der Eroberung des Landes setzten die Italiener auch Giftgas ein.

Nun könnte man meinen, dass Benito Mussolini, der Italien und seine Kolonien von 1922 bis 1943 beherrschte, all diese Verbrechen allein zu verantworten hat. Auch das ist ein Irrtum. Auch in diesem Fall sind westliche Regierungen und Geheimdienste mitverantwortlich. Mussolini wurde von britischen und französischen Politikern und Geheimagenten unterstützt, direkt und indirekt, gelangte mit deren Hilfe an die Macht. Ab 1917 erhielt Mussolini mindestens ein Jahr lang Zahlungen vom MI5, die französische Regierung unterstützte derweil seine Zeitung Il Popolo d´Italia, ein rechtes Hetzblatt (Quelle: u. a. Wikipedia). Allerdings sind auch hierzu keine genauen Informationen bekannt, weil dieser Teil der Geschichte bis heute nicht erforscht ist.
Nach dem Ersten Weltkrieg erhielten die Italiener nur einen Teil der Gebiete, die ihnen im Londoner Geheimvertrag versprochen waren, das Land litt erheblich unter den Kriegsfolgen - auch das ein wesentlicher Grund für Mussolinis Machtübernahme. Der Faschismus ist somit ein gesamteuropäisches Werk.

Erstaunlicherweise sind diese Informationen heute nicht mehr Teil des allgemeinen Bewusstseins. Über die Untaten der Nazis wissen wir alles, sie sind bis ins Kleinste erforscht. Über die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs und die Entstehung des Faschismus wissen wir so gut wie nichts. Dabei liegt hier der Schlüssel zum Verständnis aktueller Krisen. Im Prinzip ist es ganz einfach: Wer negative Energie in das System eingibt, erhält negative Resultate. Diktatoren wie Mussolini oder Gaddafi sind nicht beherrschbar, man kann sie nicht im Sinne einer gerechten Politik lenken und benutzen. Gerechtigkeit ist nur dann gegeben, wenn die Politik allen Menschen nützt und hilft - auch denen in den Folterkellern und Geheimgefängnissen. Von Ehrlichkeit kann man nur dann sprechen, wenn man ehrlich ist gegenüber allen Ereignissen der Geschichte.
Ansonsten wiederholt sich die Geschichte - buchstäblich.

Mehr über den Autor unter: www.elkvonlyck.de

Dienstag, 30. August 2011

Filmkritik - Cowboys & Aliens


James Bond und Indiana Jones kämpfen im Wilden Westen gegen Außerirdische. Klingt nach einem unterhaltsamen Genre-Mix. Der Film enthält aber eine tragische Komponente, die viel über die anglo-amerikanische Kultur aussagt.

Inhalt:
Zeit: 1873. Ort: Die Wüste von Arizona. Ein Cowboy (Daniel Craig) erwacht aus tiefer Ohnmacht. Er kann sich an nichts mehr erinnern, nicht an seinen Namen, nicht an den Grund, warum er mitten in der Wüste liegt, und vor allem nicht daran, warum er an seinem linken Handgelenk diese seltsame Metallmanschette
trägt.
Im nächsten Ort hilft man seinem Gedächtnis auf die Sprünge: Sein Name lautet Jake Lonergan - und er ist ein gesuchter Bandit. Doch zum Glück nimmt man es in Absolution mit der Gesetzestreue nicht so genau, hier ist fast alles erlaubt, nur eines nicht: sich mit dem selbst ernannten Stadtoberhaupt Colonel Dolarhyde (Harrison Ford) und seinem Sohn anzulegen. Aber genau das tut Lonergan. Weil der junge Dolarhyde einen Mann misshandelt, sieht sich der Fremde genötigt, einzugreifen und der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.
Plötzlich tauchen Raumschiffe am Himmel auf, die Stadt wird ohne erkennbaren Grund von Außerirdischen attackiert, etliche Bewohner, darunter auch Colonel Dolarhydes Sohn, werden entführt. Nicht einmal Lonergan, dessen Metallmanschette sich nun als Flugabwehrkanone erweist, kann das verhindern.
Aber so einfach geben die Pioniere des Wilden Westens nicht auf. Die Bewohner des Städtchens bilden eine Bürgerwehr unter der Führung von Lonergan und nehmen den Kampf mit dem übermächtigen Feind auf...

Bewertung:
Was für ein Dreck! Damit ist weniger die filmische Qualität gemeint, die ist ganz in Ordnung. Spezialeffekte, Ausstattung, Kamera und die schauspielerischen Leistungen entsprechen dem gehobenen Hollywood-Durchschnitt. Was diesen Film so abstoßend macht, ist die unterschwellig verbreitete Botschaft: das Böse ist das Fremde!
Wieder einmal wird ein amerikanischer Mythos verwurstet. Ohne eine Vorgeschichte erscheint plötzlich ein böser Feind und greift unschuldige Menschen an. Um sich gegen diesen Feind zu wehren, ist jedes Mittel erlaubt, die eigenen Untaten erscheinen im Vergleich zum Abwehrkampf harmlos, so auch dass Daniel Craig bereits in der Eröffnungsszene drei Männer niedermetzelt.
Die Flotte der außerirdischen Raumschiffe erinnert stark an die japanische Flotte, die ebenfalls (angeblich) ohne einen gerechtfertigten Grund Pearl Harbor angegriffen hat. Hier zeigt sich eine interessante Parallele, denn zuvor hatte eine andere Flotte, die US-amerikanische, Hawaii angegriffen und annektiert - das jedoch wird meist verschwiegen. Ähnliches gilt für die Eroberung des "Wilden Westens". Dort lebten zuvor bereits die amerikanischen Ureinwohner, viele Millionen Menschen, die von den weißen Siedlern und ihrer Armee vertrieben und größtenteils vernichtet wurden. Die wahren Aliens sind somit die Europäer, nicht die Außerirdischen. Dieser Aspekt wird in der Vorlage des Filmes, dem gleichnamigen Comic, noch einigermaßen deutlich, in dem Machwerk von Jon Favreau bleibt nichts davon übrig. Hier geht es nur um Geballer und Geldmacherei - nicht von ungefähr trägt der Film in seinem Titel das Et-Zeichen (&), auch bekannt als kaufmännisches Und-Zeichen.

Fazit:
Ein hirnloser Unterhaltungsfilm mit einer bitteren historischen Pointe.

Entnommen aus: www.buch-und-film-blog.de


Sonntag, 28. August 2011

Filmkritik - Black Swan - auf DVD


Für ihre Rolle als Primaballerina, die eine psychische Krise durchlebt, gewann Natalie Portman den Oscar - und das mit Recht. Jetzt ist die DVD erschienen. Sie enthält viel Licht, aber auch einige Schatten.

Inhalt:
Der Film beginnt mit einer Szene aus dem Ballett Schwanensee, in der Prinzessin Odette vom Zauberer Rotbart in einen weißen Schwan verwandelt wird. Hierbei handelt es sich weder um eine Ballettaufführung noch um eine Probe, sondern um einen Alptraum, erlebt von der jungen Tänzerin Nina Sayers (Natalie Portman). Nina steht am Anfang ihrer Karriere, sie bemüht sich darum, eben diese Rolle in einer Neuinszenierung spielen zu dürfen. Ihr Tanzlehrer Thomas Leroy (Vincent Cassel) hat sich für eine Variante entschieden, in welcher die gegensätzlichen Charaktere, weißer und schwarzer Schwan, zu einer Doppelrolle zusammengefasst sind. Den weißen Schwan traut er dem behütet aufgewachsenen Mädchen zu - den schwarzen Schwan nicht.
Nina ist gekränkt, sie setzt alles daran, ihren Förderer davon zu überzeugen, dass sie die Richtige ist und beginnt, die dunklen Seiten ihrer Seele zu erforschen. Im Nacken sitzt ihr dabei Kollegin Lily (Mila Kunis), die mit ihrer intriganten und boshaften Art genau das besitzt, was Nina fehlt.

Bewertung:
Das Besondere an diesem Film ist die gekonnte Vermischung von Musik und Bewegung, von Traum und Wirklichkeit. Regisseur Darren Aronofski inszenierte auch The Wrestler mit Mickey Rourke in der Hauptrolle. Black Swan ist mindestens genauso hart, weshalb der Film auch erst ab 16 Jahren freigegeben ist. Der Zuschauer wird Zeuge des harten Trainings der Tänzer, man hört geradezu, wie Gelenke knacken und Sehnen gezerrt werden, vieles ist aus der Sicht der Protagonisten gezeigt, was das Seh- und Hörerlebnis noch intensiver macht. Auch die Intrigen hinter den Kulissen sind sehr gut eingefangen, den hohen psychischen Druck, unter dem die Tänzer stehen, kann der Zuschauer nachempfinden.
Natalie Portman gelingt hier die bisher beste Leistung ihrer Karriere - sie wurde mit mehreren Preisen gewürdigt. 

Infos zur DVD:
Hier stimmt fast alles, toller Film, tolle Einzelleistungen. Aber: Die normale DVD enthält kein Bonusmaterial, das Bild enttäuscht, es wirkt stellenweise grobkörnig und grieselt ein wenig.
Unterm Strich dennoch empfehlenswert - vor allem wegen Natalie Portman.

Entnommen aus: www.buch-und-film-blog.de

Donnerstag, 18. August 2011

Geburtenrate steigt - trotzdem zu gering


Das statistische Bundesamt teilte am 18.08.11 mit, dass im letzten Jahr die Geburtenrate je Frau auf 1,39 angestiegen ist. Damit wurde in Deutschland der höchste Stand seit zwanzig Jahren erreicht, trotzdem liegen wir in Europa immer noch auf einem der letzten Plätze. Bereits heute ergeben sich daraus Probleme, Unternehmen klagen darüber, dass sie zu wenig Arbeitskräfte finden, immer mehr Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Derzeit kann man die Folgen mildern, indem man Arbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt integriert oder ältere Arbeitskräfte länger in den Arbeitsprozess eingebunden bleiben.
Das funktioniert ein paar Jahre, aber was geschieht danach? Manche schlagen Zuwanderung als Lösungsmittel vor. Das erzeugt jedoch neue Probleme, vor allem das der Integration. In vielen Vierteln europäischer Städte muss die Integration von Zuwanderern heute als gescheitert angesehen werden. Außerdem ist es moralisch höchst fragwürdig, aufstrebenden Nationen der Dritten Welt ihre besten Köpfe wegzukaufen, denn die werden im eigenen Land ebenso gebraucht.

All das könnte man ja noch verstehen, wenn wir uns bereits in einer prekären Situation befänden - tun wir aber nicht. Noch ist unser Land stabil, noch sind wir sehr reich. Das Volksvermögen wird nur für unsinnige Projekte ausgegeben.
Beispiel: Bankenrettung und Euro-Krise. Dafür stellten unsere Politiker beinahe über Nacht mehrere Hundert Milliarden Euro zur Verfügung.
Gegenbeispiel: Kinderbetreuung. Eltern und Alleinerziehende klagen darüber, dass es immer noch zu wenig Plätze in Kinderkrippen, Kindergärten, Tagesstätten und Ganztagsschulen gibt. Vielerorts muss man sich bereits sehr früh für diese Plätze anmelden, am besten gleich nach der Geburt, und wenn man mal einen erwischt hat, sind Ausstattung und Öffnungszeiten oft mangelhaft. Über eine halbe Stunde mehr Öffnungszeit wird erbittert gerungen, angeblich ist dafür kein Geld vorhanden.
Dabei wäre die Investition in einen deutschen Kindergarten sicher lohnender, als das Geld nach Brüssel oder Südeuropa zu überweisen. Hier ist es eine Investition in die Zukunft, dort ist es einfach nur weg.      

 

Mittwoch, 17. August 2011

Buchkritik - Sag mir, was du siehst von Zoran Drvenkar


Die etwas andere Art der Abkühlung: Wer unter sommerlichen Temperaturen leidet, sollte ein Winterbuch lesen. Dieses hier ist echt cool.

Inhalt:
Alissa ist 16 Jahre alt. Am Weihnachtsabend beschließt sie, das Grab ihres Vaters zu besuchen. Kein leichtes Unterfangen, wenn es bereits nach Mitternacht ist und tiefer Schnee liegt, der alle Konturen auf dem Friedhof verwischt. Das Mädchen bricht ein, stürzt in eine Gruft. Auf der Suche nach einem Ausgang entdeckt Alissa einen Kindersarg, aus dem scheinbar eine Pflanze wächst. Sie ist neugierig, geht näher heran und erkennt, dass die Pflanze in der Brust eines toten Kindes wurzelt. Etwas zwingt Alissa, die Pflanze auszureißen.
Nachdem sie das getan hat, ist alles anders. Sie wird zwar aus der Gruft gerettet, aber in ihrem Leben geschehen fortan seltsame Dinge. Alissa wird verfolgt, von einem toten Kätzchen und von ihrem Ex-Freund, der dabei fast sein Leben verliert, zwei dunkle Gestalten tauchen auf und suchen nach der Pflanze, und ständig sind Raben in der Nähe, die ein Auge auf sie haben...

Bewertung:
Sag mir, was du siehst wird vom Carlsen Verlag ernsthaft als Jugendbuch vermarktet, empfohlen für Leser von 12 bis 15 Jahren. Ich halte das gelinde gesagt für ungeschickt. Erstens ist es ein hartes und düsteres Werk, das zumindest bei den 12jährigen Alpträume erzeugen kann. Zweitens gehen dadurch Leser verloren, die sich nicht mehr mit Jugendbüchern abgeben wollen. Das ist schade, denn sie verpassen einiges.
Wer bereit ist, sich auf den typischen Drvenkar-Stil einzulassen, mit dem häufigen Perspektivwechsel und den fehlenden Anführungszeichen, wird schnell von der Handlung gefangen genommen. Attribute wie "hypnotisch" oder "Sogwirkung" finden hier ihre Berechtigung. Natürlich ist auch eine Menge Symbolismus im Spiel, dazu gehören die Raben (Edgar Allen Poe lässt schön grüßen), die geheimnisvolle Pflanze uvm. Aber alles ist sehr stimmig in dem Text verarbeitet, nichts wirkt aufgesetzt.
Einige Leser berichten davon, das Buch in einem Rutsch durchgelesen zu haben. Ich habe zwei Tage dafür gebraucht. Ist aber auch nicht schlecht für 288 Seiten.
Wie lange braucht ihr wohl?

Titel: Sag mir, was du siehst
Autor: Zoran Drvenkar
Carlsen Verlag
288 Seiten
EUR 7,95


Dienstag, 16. August 2011

Guerilla-Kunst von Mädchengruppe


Unsere Städte sollen schöner werden! In Köln gibt es eine Mädchengruppe, die mit Strickkunst ihre Stadt neu dekoriert. Bislang beschränken sie sich auf Laternenpfähle, Zäune, Regenrinnen usw. Wenn genügend Spenden eingehen, werden sie vielleicht auch mal ein komplettes Haus umstricken. Hässliche Häuser gibt es in Köln (und in anderen Städten) ja mehr als genug.
Das Video stammt aus dem Blog Chinesische Sonne und wurde netterweise von Achim Dunker zur Verfügung gestellt.

Montag, 15. August 2011

Gedicht von Karsten Eckert



Es ist nicht genügend Liebe in der Welt. Karsten Eckert - sein Blog heißt Eckis Welt - hat sich dazu Gedanken gemacht und ein Gedicht zu einer besonderen Form der Liebe verfasst. Netterweise hat er es auch gleich in ein Video umgewandelt (gut gesprochen), man muss sich also nicht einmal die Mühe des Selberlesens machen.

Hört es euch mal an.
Hier ist der Link zum Gedicht "Dich".

Freitag, 12. August 2011

Europa bricht auseinander


Krawalle in England, Anschläge in Norwegen, Euro-Desaster ohne Ende, Talfahrt an den Börsen - die negativen Meldungen häufen sich. Ist das bloß Zufall oder steckt mehr dahinter?
Ursache für die Ausschreitungen in England ist die zunehmende soziale Ungerechtigkeit. Dafür gibt es viele Anzeichen. So meldete etwa Welt online am 20.04.11, dass ein ukrainischer Milliardär für 155 Millionen Euro die teuerste Wohnung der Welt kaufte - sie liegt am Londoner Hyde Park. Nur wenige Kilometer entfernt liegt Tottenham, einer der ärmsten Stadtteile.
In Skandinavien erleben wir derzeit eine politische Radikalisierung. Rechte Parteien gewinnen an Einfluss und Wählerstimmen, Dänemark führt wieder Grenzkontrollen ein, die Entwicklung gipfelte (vorerst) in den schrecklichen Attentaten von Anders Breivik.
Die Krise des Euros wird zum Dauerzustand. Erst vor wenigen Wochen fand ein Krisengipfel zur Rettung Griechenlands statt, nun geraten Italien und Frankreich in den Fokus der Spekulanten.

Und das ist vermutlich erst der Anfang. Europa droht auseinanderzubrechen, in Nord und Süd, in Arme und Reiche, Linke und Rechte, Alte und Junge, Zugewanderte und Einheimische, Schwarze und Weiße, Christen und Muslime...
 
Wie reagiert die Politik darauf?
Entweder gar nicht oder mit den falschen Mitteln.

Dass die soziale Ungleichheit in ganz Europa wächst, ist seit Jahren bekannt. Anstatt jedoch mehr Geld in Bildung und Sozialprogramme zu stecken, werden die Mittel gekürzt - nicht zuletzt aufgrund des Sparzwanges. Der Sparzwang basiert aber ebenfalls auf falscher Politik. Europa ist ein sehr reicher Kontinent, das Geld ist nur sehr ungleich verteilt und es wird schlecht investiert.
Beispiel: Britanniens teure Kriege. Britische Truppen sind maßgeblich am Krieg gegen Libyen beteiligt. Zuvor wurde das Land ebenso maßgeblich von den Briten aufgerüstet, britische Ölfirmen kauften Gadaffis Öl, britische Politiker empfingen Gaddafi persönlich und schüttelten ihm die Hand. Die Gewinne aus dem Öl- und Waffenhandel fließen in die Taschen weniger Bürger, für die Kriegskosten jedoch kommt das gesamte Volk auf. Auch das ist Umverteilung.
Beispiel: sozialer Wohnungsbau in Deutschland. Vor wenigen Jahren noch hatten wir eine gute soziale Durchmischung, Sozialwohnungen wurden über die ganze Stadt verteilt, der Facharbeiter wohnte neben dem Arbeitslosen. Mittlerweile ist der Bau von Sozialwohnungen fast vollständig zum Erliegen gekommen. Als Folge daraus entwickeln sich soziale Brennpunkte ähnlich wie in Frankreich und England - uns könnte also in wenigen Jahren eine ähnliche Entwicklung drohen.
Beispiel: Euro-Desaster. Kürzlich kaufte die Europäische Zentralbank spanische und italienische Staatsanleihen auf, womit sie gleich gegen mehrere Grundsätze verstieß. Die EZB sollte eigentlich unabhängig sein, jetzt wird sie zum Mittel der Finanzpolitik. Außerdem fördert es nicht gerade die Bereitschaft zum Sparen und zur Umsetzung politischer Reformen in den Krisenländern, wenn man weiß, dass am Ende die EZB kommt und den Schrott aufkauft.

Was ist die tiefere Ursache für diese unvernünftige, teilweise sogar idiotische Politik?
Natürlich wie so oft ist es die Angst.
Heute betreibt man eine sehr kurzfristige Politik. Wichtig sind nur zwei Fragen:
1. Wie sind die aktuellen Umfrageergebnisse?
2. Wie überstehen wir die nächste Wahl?

Deshalb werden fremde Länder angegriffen und Sozialprogramme gestrichen. Kurzfristig erntet man dadurch gute Bilder in den Medien und man hat Geld in der Kasse - die langfristigen Folgen sind jedoch verheerend.

Politiker müssen sich darüber im Klaren sein, dass es keinen Grund gibt, Angst zu haben. Eine langfristige Politik zahlt sich immer aus. Wir müssen wegkommen vom Umfrage-Fetischismus, wir müssen wegkommen vom Lagerdenken. Es gibt niemanden, der Schuld hat, es gibt niemanden, der besser ist als ein anderer.
Es gibt nur Ängstliche und Mutige. Nur mit dieser Erkenntnis lassen sich die Risse wieder kitten.

Mehr über den Autor: www.elkvonlyck.de

Donnerstag, 4. August 2011

Filmkritik - Wir sind die Nacht - auf DVD


Sexy Vampire auf der Jagd nach Blut. Klingt im ersten Moment wie ein Versuch, sich an den Erfolg der Biss-Reihe anzuhängen. Dieser Film kommt allerdings aus Deutschland, und hier bei uns hat immerhin ein gewisser F. W. Murnau das Genre erfunden.

Inhalt:
Louise (Nina Hoss) ist schon mehrere Hundert Jahre alt, sieht dafür aber noch ziemlich gut aus. Kein Wunder, denn sie ist ein Vampir und braucht zum Überleben vor allem eines: menschliches Blut. Davon bekommt sie in dem illegalen Klub, deren Chefin sie ist, zwar reichlich, doch das ist ihr nicht genug. Louise sehnt sich nach einer Seelenverwandten, Einsamkeit kann im Laufe der Jahrhunderte ganz schön lästig werden.
Eines Nachts läuft ihr die Kleinkriminelle Lena (Karoline Herfurth) über den Weg, die eigentlich nur in den Klub gekommen ist, um ein bisschen Geld zu machen. Lena könnte die Richtige sein für Louise. Allerdings ist auch der Polizist Tom (Max Riemelt) hinter Lena her, aus dienstlichen und privaten Gründen. Lena muss sich für einen von beiden entscheiden.

Bewertung:
Was für ein Glück - wir können es also doch noch! Endlich mal ein deutscher Film, der nicht irgendeine Vergangenheit bewältigt oder in dem alberne Witze gerissen werden. Wir sind die Nacht ist weder Problemfilm noch Komödie, sondern einfach nur ein sehr gut gemachter Genrefilm, der den Vergleich mit internationalen Konkurrenten nicht zu scheuen braucht. Mehr noch, der Film ist eindeutig besser als die langatmige Biss-Reihe, die allenfalls Teenager zu begeistern vermag.
Regie, Drehbuch, Kamera, Schauspiel, alles gut bis sehr gut.
Besonders hervorzuheben ist Karoline Herfurth, der der Wandel vom Problemkind zum sexy Vampir spielerisch gelingt.
Fazit: uneingeschränkt empfehlenswert.

Infos zur DVD:
Könnte kaum besser sein. Das Bild ist scharf, der Ton ist satt und die Extras sind umfangreich. Neben dem üblichen Audiokommentar und einem Making of gibt es ein eigenes Making of für die Spezialeffekte und zwei alternative Enden des Filmes.

Nachricht an Karoline Herfurth: Bitte ganz schnell bei mir vorbeikommen und mich beißen!

Entnommen aus: www.buch-und-film-blog.de

Montag, 1. August 2011

Die Frau am Fenster - demnächst zwei Rezensionen


Gerade habe ich meinen Namen gegoogelt (ja, ich bin eitel) und dabei festgestellt, dass derzeit zwei Bloggerinnen meinen Roman DIE FRAU AM FENSTER lesen und demnächst Rezensionen darüber verfassen werden.

Und zwar Sylvia von Herzbücher und Anka von  Ankas Geblubber

Das ist natürlich kein Zufall, ich habe mit beiden vorher Kontakt aufgenommen. Der Grund dafür ist, dass man es als Nachwuchsautor sehr schwer hat. Von den herkömmlichen Medien wird man praktisch nicht beachtet, sie konzentrieren sich vor allem auf die großen Namen und die bekannten Themen. Die Blogospähre ist da ganz anders, dort ist man offener, interessiert sich auch für neue Künstler und Ideen.
Ich habe bei fünf Bloggerinnen angefragt, ob sie mein Werk lesen möchte - vier haben zugesagt, eine musste aus Zeitgründen absagen. Wenn man bei fünf Zeitungen anfragt, bekommt man in der Regel fünf Absagen. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, weshalb immer weniger Menschen Zeitungen lesen.
Deshalb vielen Dank an Sylvia und Anka für eure Unterstützung - und jetzt schon ebenso vielen Dank an Debbie und Tamara, die demnächst nachziehen werden.
Liebe Grüße
Elk